... Dann sprach er , als Bonaventura sich gesetzt hatte und das Antlitz , wie der Beichthörende soll , in einen Zipfel seines Kleides hüllte : Der Bruder Hubertus sprach : Ich sollte heilen ? Zu richten kam ich ! Das Gericht Gottes ist unser , wenn wir seine Gebote gelästert gesehen ! Wie durfte dieser Unglückliche leben , leben in solcher Umgebung ! Ich sage nicht , daß auch er die Wonnen dieses Todes suchte ; er suchte den Tod selbst . Warum ihm die Hülfe versagen ! Warum Schonung einer solchen menschlichen Schwäche , die vielleicht Heldenmuth war ! Seid männlich und seid stark ! spricht der Apostel ... Nun aber , nach dem Preise seiner That , erweichte sich des Bruders Gemüth und er erzählte mir , wie er von frühester Kindheit an Gottes Finger sich nahe gefühlt , wie er schon als Kind aus Flammen hinuntergeworfen wurde drei Stockwerk hoch , wie er sich ganz aus sich selbst hätte zum Menschen machen müssen , wie ihn dann Verrath und Undankbarkeit verfolgt und so gehetzt hätten , daß er nothwendig zu Gott oder zum Teufel hätte entfliehen müssen ... Er glaubte , sagte er , auf der richtigen Straße zu sein . Ein Weib , erzählte er , ein Weib war die Ursache meines tiefsten Kummers ... Sie , sie , die ich Wer ? unterbrach Bonaventura schaudernd ... Hammaker schwieg ... Seine Hände , die die Hauptmännin erwürgt hatten , zuckten . Ihr Opfer ? fragte Bonaventura wiederholt ... Wie hätte es ihn nicht reizen sollen , etwas aus dem Leben der Schwester der Frau von Gülpen zu erfahren ! ... Doch er - war das Gewissen selbst ... Er bekämpfte seine Neugier und sagte nur : Warum zogen Sie nur aus dieser Begegnung mit einem so vielgeprüften , wenn auch vermessenen und Gott strafbar vorgreifenden Manne nicht eine heilsamere Lehre für Ihr Leben ? Die Frauen , das Spiel - die Ehre - O wenn ich - Haben Sie sonst eine Handlung , die vorzugsweise noch Ihr Gewissen belastet ? unterbrach Bonaventura die eitle Selbstbeschönigung ... Ich log - ich betrog - Kein anderes Menschenleben auf Ihrer Seele - ? Der Mörder schüttelte den kahlen , häßlichen Kopf ... Bonaventura sah die Verstockung und wiederholte seine Frage ... Da rief der Gefangene plötzlich und erhob sich wild und klirrte mit seiner Kette : Emollit mores didicisse fideliter artes ! Das zu verstehen , sprechen zu können , Bildung besitzen - O öffnen Sie Ihr Herz der Reue ! unterbrach Bonaventura diesen Ausbruch eines halb wahren , halb koketten Ehrgeizes . Was Ihnen als einem Studirten auch Gott sein und als was er Ihnen erscheinen mag , ob als Begriff , ob als Wesen welcher Art und Größe , und wären Sie Pantheist und suchten den Schöpfer in sich selbst , dem Geschaffenen , Sie wissen , daß in unserer Brust eine sichere Wahrheit liegt , eine unumstößliche Gewißheit , der Unterschied von Gut und Böse ! Was Sie auch mit menschlichem Witze wegzuleugnen suchen von den Grenzen , die zwischen beiden liegen , sie wachsen immer wieder diese Grenzen , wenn Sie sie auch noch so klug niederrissen . Blicken Sie mit Sehnsucht aus dem Dunkel , in dem Ihre Seele lebt , in das Licht , das Licht der Unschuld , das Sie sehen , fassen , ahnen können , und nennen Sie dieses Licht - Gott ! Sprechen Sie zu ihm : O wär ' ich in deinem Abglanz , umstrahltest du mich , gäbst du mir Helle , Wärme , wahren Ruhm und wahre Ehre ! Lassen Sie durch dies reine Licht der Unschuld alle die wandeln , die in diesem reinen Geiste lebten ! Lassen Sie alle hindurchziehen , die Ihre Bildung kennt : Sokrates , Plato - Einer ist unter ihnen , der am leuchtendsten steht , Jesus der Gekreuzigte ! Mit seinem blutigen Haupte strahlt er und blickt voll Ernst auch auf Sie ! Beten Sie zu dieser vielleicht noch einzigen lichten Stelle in Ihrem Innern und bekennen Sie beim Blute Ihres Erlösers , der allen Sündern Gnade vor Gott verhieß , Ihr ganzes Elend und was etwa sonst noch vor Gott und Menschen Sie belastet ! Hammaker faltete die Hände , aber schlaff hingen sie und der Ausdruck seiner Miene war der , als wollte er sagen : Was hilft mir das alles ? Der grausige Tod ist und bleibt gewiß ! Was ist eine Reue , die von einem Willen kommt , der nicht mehr sündigen kann ! Eine Reue über die Thorheiten der Jugend - von einem Greise ! Der Priester überblickte diese Empfindungen und sagte seufzend : Nun denn ! Ihre einzige gute Stelle ist vielleicht nur noch Ihr Stolz ! Wohlan ! Warum trieb Sie dieser zu Ihrer Missethat ? Zögernd sprach Hammaker : Man hat mich beschuldigt - Daß Sie Ihren Freund , Ihren Wohlthäter ermorden wollen ! Begingen Sie diese That ? Vor den Assisen hatte Hammaker , wie immer : Nein ! gesagt . Hier wiederholte er die gleiche Aussage , fügte aber hinzu : Doch wüßten Sie das Nähere - Wenn es Sie entlastet von dem Verdachte - sprach Bonaventura fast unhörbar ... sonst - lehnte er fast die Belastung auch des Procurators ab - Ich handelte - vielleicht - wie der Mönch - Unwürdige Vergleichung ! wallte Bonaventura auf ... Auch Nück suchte den Tod - versicherte Hammaker ... Die Wonnen des Todes ! Sie verführten ihn zu einer Handlung des Wahnsinns ! Sie machten ihn sicher , immer sicherer , bis Sie ihn zuletzt beraubten und morden wollten ... Hochwürdiger Priester ! Ja , ich beraubte ihn - Als es aber geschehen war - that ich , was ich zehn Jahre lang gethan - ich hob die Schlinge aus ihrer Angel . Freilich - diesmal stieg ich aus dem Fenster - warf das Schlüsselbund zurück - half ihm nicht zum Bewußtsein durch kaltes Wasser und das Reiben seiner