Skadar heran , - der Schleier fliegend im Zug der Luft , gluthroth das Antlitz , rachesprühend das dunkle Auge - in der erhobenen Hand die Pistole . - Kaum sah sie den Abhang , der sie von dem Verräther trennte , noch weniger ihn achtend in der wilden Leidenschaft , die jede ihrer Fibern spannte , - der Schuß knallte , indem das Pferd sich zum Sprunge erhob , aber seine Kraft war diesem nicht gewachsen und die Hand der Reiterin hatte es nicht unterstützt , es erreichte kaum den jenseitigen Rand und brach zusammen über der Planke , welche über die wenn auch nicht tiefe doch gefährliche Felsspalte führte . Einen Augenblick hingen Pferd und Reiterin über dem Abgrund und dieser Augenblick genügte dem ältern Grivas , um vorzuspringen . Seine kräftige Faust erfaßte das Türkenmädchen und riß es empor , und ein Fußtritt schleuderte die schwankende Brücke und das Roß auf ihr in die Tiefe . Die Flinten der Mainoten krachten zu beiden Seiten und das » Allah Akhbar21 ! « der Araber erschütterte die Luft . Abdallah an der Spitze , versuchten die wilden Asiaten , das Plateau , an den Felsen und Steinen emporkletternd , zu erstürmen , - aber die Kugeln der sechs wachsamen Spartaner warfen die kleine Zahl , die emporzuklimmen vermochte , todt oder verwundet von dem Felsrand zurück - kein Schuß fehlte bei dem leichten Ziel , und der Ruf des kühnen griechischen Führers belebte den Widerstand . Seine weitreichende Büchse schlug zugleich auf dem Felskamm in die Schaar der dort Anstürmenden und trieb sie zurück . Die Sonnenstrahlen brachen glänzend über die Berge , und die Palanka vergoldend , zeigten sie sicher den Schützen ihr Ziel . Nach ihrer gewöhnlichen Kampfweise , ähnlich der der nordamerikanischen Wilden , ließen die Asiaten nach dem ersten Sturm vom Angriff ab , sobald sie sich überzeugt , daß die Ueberraschung mißlungen und der Gegner zum Empfange bereit war . Die Araber und die unterdeß herbeigekommenen Arnauten zogen sich unter wildem Geschrei aus der Schußweite der Kugeln zurück . Von der Höhe des Walls sah der General noch , wie sie den Körper ihres greifen Führers aus der Schlucht , wo hinein ihn und das Roß der Arm seines Neffen gestürzt , davon trugen , doch vermochte sein Falkenblick nicht zu erkennen , ob der Verunglückte noch am Leben . Der General wußte , daß er vorerst Ruhe und Zeit haben werde , die Anstalten zur weiteren Vertheidigung zu treffen , und jetzt erst wandte sein Blick sich wieder auf seinen Neffen und seine schöne Gefangene . Wir haben gesagt , daß sechs Flinten der Mainoten dem Angriffsgeschrei der Araber geantwortet hatten ; - Andunah Vati , der Siebente , lag , die Hand auf die rechte Seite gepreßt , an der Mauer der Kula und durch seine Finger quoll in dicken Tropfen das rothe Blut , während sein Auge finster und drohend auf das Türkenmädchen geheftet blieb . Die Kugel ihrer Pistole hatte bei dem Sprunge das Ziel ihrer Rache , den meineidigen Geliebten , gesehlt und den Mainoten niedergeworfen . Der schreckliche Vorgang und der Angriff der Araber waren aber so rasch auf einander gefolgt , daß keiner der Vertheidiger Zeit gehabt , auf den Verwundeten zu merken oder sich um ihn zu kümmern . In einiger Entfernung von ihm , auf einer der Quadern , saß Fatinitza ; der Turban war ihr vom Haupte gefallen und das dunkle glühende Auge starrte finster und gleichgültig durch die Oeffnung des Walles auf die ferne Schaar der Ihren . Sie schien den treulosen Freund nicht zu bemerken , der , nur wenige Schritte von ihr entfernt , an dem Roß des Arabers lehnte . Ein einziges Mal während des kurzen Kampfes hatte er gewagt , ihr näher zu treten , aber ein wilder stolzer Blick des Mädchens scheuchte ihn zurück , und stumm , mit niedergeschlagenen Augen blieb er in seiner Stellung . So traf die stumme lautlose Gruppe der General , der mit mehreren seiner Gefährten jetzt in das Innere der Umwallung sprang , während andere derselben die Wache auf dem Wall behielten . » Andunah ist verwundet , seht nach ihm , « befahl der Führer , » und jetzt , Neffe , nachdem die erste Blutarbeit gethan , sei willkommen trotz Deines seltsamen Aufzugs . Wer ist dies Weib ? « » Fatinitza , die Tochter des Pascha ' s von Skadar , meine Lebensretterin . Laßt sie zum Dank dafür , daß es mir gelang , Euch noch im letzten Augenblick zu retten und auf die Nähe der Feinde aufmerksam zu machen , unbeleidigt zu den Ihren zurückkehren . « » Sie ist die Mörderin meines Vetters Andunah , « sagte bei der Bitte wild der Mani Comodouro . » Ihre Kugel traf , ihn - sie muß sterben ! « Er hob die Pistole gegen die Unglückliche . Der General jedoch stellte sich vor sie . - » Zurück , Mann ! Andunah Vari wurde im ehrlichen Kampf erschossen und die Türkin ist meine Gefangene . Wer es wagt , die Waffe gegen sie zu erheben , hat es mit mir zu thun . Du aber , Neffe , irrst , wenn Du glaubst , ihre Freiheit dafür in Anspruch nehmen zu können , daß Dein Ruf uns gerettet . Der Donner jener Kanonen über das Gebirge her , den Du hörst und der uns die Schlacht unserer Brüder verkündet , hatte uns bereits in die Waffen , gerufen . Dieses Mädchen , deren Namen und blutigen Ruf wir Alle kennen , hat die Jungfrau vielleicht zu unserer Rettung in unsere Hand gegeben . Bindet ihre Hände und nehmt ihr ab , was sie an Waffen noch bei sich trägt . « » Oheim ! « flehte der junge Grieche . Der General schüttelte finster das Haupt . - » Sie ist die Gefangene meiner Hand und es muß sein ! Deine Rettung ist vergolten durch die ihre von