am Berliner Hofe befunden zu haben , und während dieser Tage ist es , daß der Kronprinz sich niedersetzt , um an Frau von Schöning , die mutmaßlich in Tamsel zurückgebliebene Mutter der Frau von Wreech , zu schreiben . » Madame « , so heißt es in diesem Briefe , » ich habe das Vergnügen gehabt , Ihre Frau Tochter in Berlin zu sehen . Ich sah sie aber so flüchtig , daß ich kaum Gelegenheit fand , ihr guten Tag und guten Weg zu wünschen . Dennoch , so kurze Zeit ich sie sah , konnt ' es mir nicht entgehen , wie sehr sie sich vor allen anderen Damen des Hofes auszeichnete , und obschon ein ganzer Haufe von Prinzessinnen ( une foule de Princesses ) zugegen war , die an Glanz sie übertrafen , so verdunkelte Ihre Frau Tochter doch alle durch Schönheit und majestätische Miene , durch Haltung und feine Sitte . Ich war wirklich in einer Tantalus-Lage , immer versucht zu einer so göttlichen Person ( à une si divine personne ) zu sprechen , und nichtsdestoweniger zum Schweigen verpflichtet . Sie feierte schließlich einen völligen Triumph und alles am Hofe kam überein , daß Frau von Wreech den Preis der Schönheit und feinen Sitte davontrage . Diese Worte müssen Ihnen wohltun , da Sie dieser liebenswürdigsten aller Frauen so nahestehen . Aber seien Sie versichert , Madame , daß Ihre Teilnahme an diesem allen nicht lebhafter sein kann , als meine eigene , der ich alles liebe , was dieser liebenswürdigen Familie zugehört , und immer bin und sein werde Ihr ergebenster Freund , Neffe und Diener Friedrich . « Wenn uns dieser Brief von der Feinheit und Grazie der schönen Frau erzählt , so erzählt uns ein anderer Brief von dem Respekt , den ihre Gegenwart einzuflößen verstand . Der Kronprinz schreibt unterm 5. September 1731 an Frau von Wreech selber : » Ich würde die härteste Strafe verdienen , in Ihrer Gegenwart eine bêtise wie die gestrige begangen zu haben , wenn ich nicht Entschuldigungen hätte , die glaub ' ich einigermaßen stichhaltig sind . Der Graf sagte wirklich Dinge , die mir ganz und gar nicht gefielen , Dinge , deren rasche und ruhige Verdauung über meine Kräfte ging . Dennoch hab ' ich nur allzu guten Grund , Ihre Verzeihung für mein albernes Betragen nachzusuchen . Sie werden mir erlauben , meinen letzten Besuch durch einen anderen wieder gutzumachen , wo ich versuchen will , so weit wie möglich den Eindruck meiner gestrigen Torheit zu verwischen . « So am 5. September . Aber die aufgefundenen Briefe fügen dem Bilde weitere Züge hinzu und wir sehen Frau von Wreech nicht nur im Besitz von Jugend , Schönheit und einer Respekt erzwingenden Haltung – wir gewinnen auch einen leisen Einblick in ihre geistige Begabung und in die Liebenswürdigkeit ihres Charakters . Am 20. Februar 1732 schreibt der Kronprinz : » Ich würde sehr undankbar sein , wenn ich Ihnen nicht meinen Dank aussprechen wollte , einmal darüber , daß Sie überhaupt nach Tamsel kamen , dann über die reizenden Verse , die Sie für mich gemacht hatten . Ich hätte mich einer Sünde schuldig zu machen geglaubt , wenn ich die Verse gleich gelesen und dadurch , wenn auch nur um einen Augenblick , mich um den Zauber Ihrer Unterhaltung gebracht hätte . Gestern , in abendlicher Einsamkeit , fand ich Gelegenheit , alles in ungestörtester Muße zu lesen und zu bewundern . Da haben Sie meine Kritik . Alles , was von Ihnen kommt , entzückt mich durch Geist und Grazie . Doch genug – ich breche ab , seh ich Sie im Geiste doch ohnehin erröten . Ihrer Bescheidenheit aber jedes weitere Verlegenwerden zu ersparen und zugleich von dem Wunsche geleitet , Ihnen einen neuen Beweis meines blinden Gehorsams zu geben , schicke ich Ihnen , was Sie von mir gefordert haben . « Das , was der Prinz schickt , was Frau von Wreech von ihm gefordert hat , ist sein Porträt , und er begleitet dasselbe mit einem Abschiedssonett , dessen Liebesgeständnis , eben weil es Abschiedszeilen sind , vielleicht ein gut Teil ernsthafter zu nehmen ist , als alle die andern gereimten Huldigungen , auf die ich später zurückkomme . Das Sonett lautet : Als mein Gesandter soll mein Bild dich grüßen , Und des Gesandten Dolmetsch sei dies Lied , Was ich zu sagen dir bisher vermied , Ich sag ' es nun : Ich liege dir zu Füßen . Ich trage Fesseln , aber jene süßen , Von denen nie ein Herz freiwillig schied , – Mit jedem Ringe , jedem neuem Glied Wächst nur die Lust zu tragen und zu büßen . Doch halt , o Lied , verrate nicht zu viel , Verberge lieber hinter heitrem Spiel Den Schmerz des Abschieds und des Herzens Wunde , Verberge deiner Wünsche liebstes Ziel , Verschweige , daß nur eine dir gefiel , Um die du sterben möchtest jede Stunde . Ich habe die Übersetzung dieses Sonetts mit gutem Vorbedachte hierher gestellt , weil es mir , ganz abgesehen von seinem Wert oder Unwert , einen passenden Übergang zu dem zu machen scheint , was ich zunächst noch zu sagen haben werde . Nachdem ich nämlich bis hierher bemüht gewesen bin , das Bild der Frau von Wreech zu zeichnen , drängt sich uns nunmehr wieder die bis hierher zurückgewiesene Frage auf : Wie standen der Kronprinz und die Besitzerin von Schloß Tamsel zueinander ? Wie eng oder wie weit waren die Grenzen ihrer Intimität gezogen ? Meine Antwort auf die Frage weicht , wie ich schon angedeutet , von der üblichen Anschauung ab . Es stehen sich die Grumbkowschen Klatschereien und die eigenhändigen Briefe des Kronprinzen ziemlich diametral einander gegenüber , und die vorsichtigste Prüfung dieser letzteren , selbst ein argwöhnisches Lesen zwischen den Zeilen , hat mich nur fester in der Überzeugung gemacht , daß das Ganze nichts anderes als die Huldigung