Gefahr , zu verweilen . Im Gespräch mit ihrem Vater bemerkte das Türkenmädchen Anfangs nicht , daß ihre Begleiterin zögerte , zu folgen , und einige Augenblicke zurückblieb , bis der Vorsprung des Felshügels sie verdeckte . Plötzlich verkündete ein Schrei der Ueberraschung ein ungewöhnliches Ereigniß . - - In der Brust des jungen Griechen hatte ein wilder Sturm getobt - Qual und Angst um die Blutfreunde , und Liebe und Dankbarkeit zu dem wilden Türkenmädchen . Dennoch war er von Anfang an entschlossen gewesen , jede sich bietende günstige Gelegenheit zu ergreifen , um seinen Oheim und dessen Gefährten zu retten . Der drängende Augenblick war jetzt gekommen , denn er fühlte , daß , wenn die ahnungslosen Griechen nicht gewarnt würden , der Ueberfall der Araber gelingen müsse . Er wußte aus den Erzählungen des Emirs an Fatinitza , daß das Roß desselben eine Stute aus jenem berühmten Geschlecht der Nedjhi war , einer durch ganz Arabien wegen seiner Schnelligkeit und Muskelkraft berühmten Race , und als daher der Emir den Sattel verlassen und die Pferde fast unbewacht zurückgelassen wurden , war sein Entschluß rasch gefaßt . Er drängte , zurückbleibend , sein Maulthier an die Seite der Stute und den Augenblick entschlossen ergreifend , wechselte er den Steigbügel und sprang in den Sattel des arabischen Pferdes , zugleich die Lanze aus dem Boden reißend und die scharfen , statt der Sporen dienenden Spitzen der Bügel in seine Flanken pressend . Wie ein Pfeil schoß die Stute vorwärts , und im nächsten Augenblick an Fatinitza , dem Pascha und den ihnen zum Hügel gefolgten Kriegern vorüber . Im ersten Moment fesselte Ueberraschung und Verwirrung jede Lippe , da außer Fatinitza Keiner die Bedeutung der seltsamen Handlung sich zu enträthseln vermochte , bis der Ruf derselben : » Verrätherischer Christ ! Allah verderbe Dich ! « und ihr wüthendes Anspornen des Rosses hinter dem Fliehenden d ' rein plötzlich das Staunen mit einem anderen löste . Ein unterdrückter Wuthschrei brach von den Lippen Aller und dann folgte der ganze Haufe der wilden Jagd . Diese ging mit Windesschnelle durch den Thalgrund , auf dessen anderer Seite das Felsenplateau der Palanka sich erhob . Da der Pascha und seine Tochter die einzigen Berittenen in der Gruppe gewesen , unternahmen diese auch allein mit einiger Aussicht die verzweifelte Verfolgung . Das Pferd des Pascha ' s war ein Thier von edlem Berber Blut , das nur wenig dem schnellen Roß des Flüchtlings nachstand , und der greise Moslem , sobald er sein erstes Erstaunen überwunden , sprengte wüthend hinter dem Griechen d ' rein , denn der Ruf seines einzigen Kindes hatte ihm im Augenblick gezeigt , wie grausam er betrogen worden . Die ganze Hoffnung des jungen Mannes lag darin , daß er zuerst den Felskamm erreichte , welcher den einzigen Weg zum Plateau der Palanka bildete , und die Augen auf die Feste geheftet , jagte er durch das Thal . Doch hatte er , um der Gruppe am Hügel zu entgehen , schon beim Fortstürmen die gerade Richtung verlassen müssen , und wurde auch auf dem weiten Ritt wenn auch nur Augenblicke lang aufgehalten . Zwei Mal trat ihm aus dem Nebel die weiße Gestalt eines arabischen Kriegers entgegen und versuchte , sich ihm in den Weg zu werfen . Aber die Lanze des Emirs warf den Einen , der Sprung des Pferdes den Andern zu Boden , und Keiner wagte es , auf das wohlbekaunte Roß seines Häuptlings zu feuern . So gelang es dem Griechen , fast gleichzeitig mit dem Bey , den Aufgang des Felsenkammes zu erreichen , und ein Sprung des prächtigen Pferdes brachte ihn voran auf denselben . Er hatte den Schleier von seinem Haupte gerissen und schwang ihn durch die Luft . - » Zum Kampf , Oheim Grivas , zum Kampf ! die Moslems sind Euch nahe ! « » Verfluchter Ghrist ! Schänder meines Harems ! stirb ! « Eine rasende Anstrengung seines Pferdes hatte auf einer breitern Stelle den greifen Bey an die Seite des Griechen gebracht , und er lehnte sich zurück auf den Sattel , den Hieb von hinten zu führen , denn er befand sich zu seinem Unglück auf der rechten Seite des Flüchtlings . Ein Blick zeigte diesem die Gefahr und daß nur das Verderben des Einen den Andern zu retten vermöge . Der Trieb der Selbsterhaltung war rascher als alle Ueberlegung , und mit aller Kraft seiner Hand und seiner Schenkel sein Pferd parirend , drängte er es nach dem Gegner , indem er den rechten Arm nach ihm ausstreckte , den Hieb aufzufangen . Ein wilder Schrei klang an seine Ohren - die Stimme der Geliebten : » Schone meinen Vater ! « - aber im selben Augenblicke schon stieß sein Knie an den hohen Sattel des Gegners , seine Hand faßte den erhobenen Arm - ein Stoß - und über die Seite der Felsenkante stürzten Roß und Reiter ! Im nächsten Moment flog das Araberpferd weiter und dem offenen Eingang des Walles zu , auf dem jetzt , die Flinten schußgerecht in der Hand , die sieben Mainoten lagen . Hinter ihm d ' rein gellte in seine Ohren der schneidende Zeterruf des Türkenmädchens , das Klagegeschrei der herbeieilenden Arnauten , und vor ihm am Eingang des Walles lag eine breite Kluft , über die eine einzige Bohle führte , welche die Mainoten liegen gelassen und in der unerwartet andrängenden Gefahr noch keine Zeit gehabt , hinwegzuräumen . Aber sie war zu schmal , selbst im Schritt ein Pferd zu tragen ; noch ein Mal preßte er die spitzen Bügel dem seinen in die Flanken , und mit langem Sprunge gewann es den jenseitigen Rand und stand zitternd und schaumbedeckt zwischen den wilden Gestalten der Griechen . Nicolas Grivas sprang herab , sprachlos - Entsetzen auf dem bleichen Antlitz - deutete er hin nach dem gefährlichen Wege , den er so eben zurückgelegt hatte . - - Dort jagte die Wölfin von