im voraus den für diese gemüthliche Scene bestimmten Braten und nun kommt der Hauptheld , ein völlig anderer , alle unsere Ideen durch den tollsten Rückfall in eine uns nicht homogene Natur durchkreuzend ! An wem liegt da mehr die Schuld ? An unserer Kurzsichtigkeit oder an dem wunderlichen Charakter , dessen rechten Schwerpunkt , dessen eigentlichen Schlüssel wir noch nicht entdeckt haben ? Dein milder Sinn ist auf dem bestem Wege , sich diesem Taugenichts unterzuordnen , sagte Dankmar . Dieser Hallunk weiß , daß wir die Absicht hatten , zu ihm zu kommen und benimmt sich wie ein Gentleman , der sich nicht einmal entschuldigt , wenn Andere auf ihn warten - Der Thee und der Braten waren leider nur eine Idee des Mädchens - Gut ! sagte Dankmar . Ich werfe den Unglücklichen zu jenen immer nur als halbfertig erscheinenden Menschen , die im Unglück feige winseln und im Glücke sich hochfahrend übernehmen . Es fehlt ihm die Herrschaft des Geistes über sich selbst . Es ist der Mensch des thierischen Instinktes . Und ist Hackert nicht eigentlich der Ausdruck des Volkes selbst ? Jammervoll genug , daß man eingestehen muß , wir malen uns den Charakter der Massen ganz anders , als sie sind ! Nimm den Bauer ; wie tückisch , wie hämisch , wie kurzsichtig , wie verschlagen ! Nimm die halbe Bildung ; wie eitel , wie prahlerisch , wie lügnerisch , wie falsch ! Wir pinseln uns etwas vor vom Volke . Es ist nicht so , wie es die Touristen und Genremaler geben wollen . Die treueste Magd , die ganz Liebe und Hingebung für ihre Herrschaft scheint , pruhstet wie eine Katze auf , wenn ihr » Weihnachten « zu gering ausfällt . Egoismus regiert Alle und ich stelle mir eigentlich als Politiker die Aufgabe , Hackerten für das schwankende , unreife , halbfertige , oft großartige , dann wieder kleinliche , bald herausfordernde , bald feige , bald rührende , bald abstoßende , bald poetische , bald prosaische , nachtwandelnde , ahnungsvolle und am Tage geistig verschlafene Volk zu nehmen und mir zu sagen : Wie bändigt man das ? Wie bessert man das ? Doch sprechen wir nicht mehr von ihm . Die Brüder waren eben im Begriff , am Schlurck ' schen Hause vorüber zu gehen , an dem man Alles still und dunkel sah mit Ausnahme eines einzigen kleinen Fensters im dritten Stock ... Es war vielleicht Melanie ' s Schlafzimmer ... Und wenn sie sich täuschten - eher mochte es das Zimmer Bartusch ' s sein , wo auf dessen Rückkehr eine brennende Lampe wartete - sie blieben doch einige Augenblicke voll Wehmuth stehen und gedachten aller Täuschungen ihres heute so mannichfach geprüften Herzens ... Dann gingen sie seufzend weiter . Bei alledem , sagte Dankmar nach einer Weile , während sie die schon leeren Straßen durchschritten , ist es mir lieb , von diesem Graurock die Bestätigung jener Angabe über meinen Schrein zu hören , die ich dem Prinzen Egon verdanke - Morgen in aller Frühe geh ' ich - doch ich rede von Dingen , die ich dir nun mittheilen sollte , wüßte ich nur an der rechten Stelle anzufangen - Bleib bei dem Prinzen Egon , sagte Siegbert . Denn auch ich habe eine Beziehung zu ihm . Sie betrifft das Bild , das du mir zu sorgsamerer Obhut empfohlen hast ... Das Bild - und du ? antwortete Dankmar erstaunt . Während die Brüder über die stillen Straßen gingen , erzählte Siegbert seine Berührung mit Rudhard , dessen Anliegen und eigenthümliche Ansprüche auf jenes Bild , über das sich Siegbert hütete nach seinen eignen Entdeckungen zu sprechen . Denn da ihm doch daran lag , seinem innern Triebe zu folgen und die Übergabe des Bildes an Egon ' s Lehrer und Erzieher wirklich zu vermitteln , so nahm er sich wohl in Acht , seinen in solchen Fragen nicht wie er besonders bedenklichen Bruder darauf aufmerksam zu machen , daß er das Geheimniß wirklich entdeckt , ja sogar Enthüllungen über ihre eigene Familie gefunden hätte . Verräthst du davon etwas , dachte er , so wird Dankmar Anstand nehmen , durch freiwilliges Herausgeben Das wieder gut zu machen , was Rudhard in seinen Ansprüchen auf jene Prüfung und Mitwissenschaft eigentlich doch wol verscherzt hat . Vor dem Egon ' schen Palais stand ein kleiner Einspänner . Dankmar noch ganz erfüllt von der sonderbaren Wendung , die das Schicksal jenes Bildes plötzlich nehmen sollte , fragte den Kutscher , ob er nichts von dem Befinden des jungen Prinzen melden könnte . Dieser gab die kurze Antwort , er stünde hier nur , um zwei Damen auf den Fortunaball zu fahren ... Der Blick auf die Wäsämskoi ' sche Familie , auf die Ankunft der d ' Azimont , Alles , was Siegbert über Rudhard , über Anna von Harder erzählen konnte , regte Dankmarn so auf , daß er statt heiter eher verdrüßlich wurde . Welche Last , rief er halb scherzhaft , halb wirklich unwillig aus , welches Bleigewicht bindet uns das Schicksal an die Füße und hindert uns im eigenen Gehen ! Ich wüßte nur zwei Dinge , die mich wahrhaft erfreuen und beschäftigen sollten , meine Angeroder Papiere zurückzufordern und jenen Amerikaner und seinen Knaben aufzusuchen , die , ich weiß es , an mir das wärmste Interesse nehmen und von allen diesen Vorsätzen , die meinem Herzen am nächsten liegen , ziehen mich die starken Seile immer neuer Verwickelungen ab ! Wie froh bin ich , daß ich in vergangener Nacht so eisern geschlafen habe ! Denn die Aussicht , morgen jenen Rudhard zu begrüßen , von dem ich des Guten soviel erfuhr , ihm getrost jenes Bild zu überlassen , an das sich mir das hoffentlich in kurzer Zeit mögliche Wiedersehen des unstreitig ächten aber mit den fabelhaftesten Räthseln umsponnenen Prinzen knüpfen wird , das Alles läßt mir keine Ruhe und ich sehe , ich werde mich