kämpfen können , war noch in den vierziger Jahren , und ist es zum Theil noch , jedes Haus der Maina eine Feste und jeder Zugang durch eine Schießscharte beherrscht , die man so genau bewacht , daß Nachts nicht einmal Licht gebrannt wird , um dem Feinde nicht die an den Oeffnungen vorbeigehenden Gestalten als Ziel zu verrathen . Das ganze Gebiet ist ein Land von Thürmen ; die meist auf felsigen Anhöhen stehen , so daß sie den benachbarten District überblicken können . Die unteren Stockwerke werden als Ställe benutzt , während nach den oberen Gemächern eine so niedrige Thür führt , daß man nur gebückt eintreten kann . Nur die Weiber gehen zum Arbeiten aus , die Greise und Knaben bleiben zu Hause auf der Wache und es giebt Fälle , daß Männer in zwanzig Jahren nicht die Schwelle ihres Thurmes überschritten haben , um nicht der Blutrache zu verfallen . Die baierschen Truppen , welche im Jahre 1834 auf Befehl der Regierung in Athen diese Festen zerstören sollten , wurden von den Mainoten zurückgeschlagen und alle Anstrengungen der Regierung scheiterten an dem Trotz der wilden Klephten , - ihre Thürme blieben unzerstört . Erst in der letztern Hälfte der vierziger Jahre hat die Civilisation einigermaßen Wurzel in dem wilden Lande geschlagen . Viele unserer Leser werden uns bei dieser Schilderung der Uebertreibung beschuldigen , aber wir können nicht oft genug wiederholen - wir geben Thatsachen im Gewand des Romans . Noch im Juni 1843 schreibt ein griechischer Correspondent der Augsburger Allgemeinen Zeitung : » Die Blutrache wird so weit ausgedehnt , daß sie von einem sterbenden Vater testamentarisch den Kindern vermacht wird . Die Erben überblicken mit eben solcher Begier die Anzahl der aufgezählten Morde , welche zu rächen sind , wie das übrige Eigenthum , und haben sie durch Blutvergießen die Anweisungen des Testaments vollkommen erfüllt , so begießen sie das Grab des Vaters mit Wasser , zum Zeichen , daß jetzt seine Leidenschaft abgekühlt sein könne . « Die wilden Söhne des Taygetos gehorchten dem Sohne des Pindus . Grivas , der mit den Mainoten 1827 die Akropolis von Corinth erstürmt , konnte sicher bauen auf die Treue und den Muth dieser Krieger . In ihre Aba ' s gehüllt , lagen die Tapfern um das verglimmende Feuer im Innern der Kula ; denn die Nächte des Orients sind oft kalt und schneidend , während am Mittag heiß der Sonnenstrahl brennt . Comodouro und Demetrios hatten die Wache auf dem Thurm und dem Wall , bis die Sonne sich erhoben über die schneeigen Gipfel des Pindus und Dodona ' s heilige Eichenhaine . Aus den Schluchten und Thälern ballten in formlosen Massen die Morgennebel empor , gleich als ahnten und fürchteten sie den nahenden Strahl der Sonne . Auf den Wolken über dem See von Janina malten sich die purpurnen und violetten Strahlen des noch hinter den Bergen verborgenen Tagesgestirns . Da dröhnte es von Westen her in langsam auf einander folgenden Schlägen - ferne Kanonenschüsse . Die Hand der Wache legte sich auf die Schulter des Führers - im Augenblick war der General empor und gleich darauf auf der Plattform des Thurmes , um ihn sammelten sich die Mainoten . - Es war die höchste Zeit - ein seltsames abenteuerliches Schauspiel entwickelte sich phantastisch aus den ballenden Nebeln am Fuße der Höhe , auf welcher der Thurm steht : - gleich Gespenstern , die der Hahnenruf des Morgens von ihren nächtlichen Wegen auf und davon jagt , stürmten durch die Schatten des Thales drei Reiter - voran auf windschnellem arabischen Roß eine Frauengestalt in fliegenden grünen Gewändern - hinter ihr d ' rein ein alter Moslem , den Säbel in der Faust , offenbar bemüht , der Fliehenden den Weg abzugewinnen und zuerst am Eingang des schmalen Felsensteiges anzukommen , der den Weg zum Plateau der Palanka bildete ; - den Beiden in der Entfernung von 60 bis 100 Schritt folgend , eine zweite türkische Frau in prächtigen Gewändern , den goldglänzenden Panzer des Tosken um Brust und Schultern , den hohen Reiherbusch über dem Turban . Und hinter ihnen d ' rein in der Ferne , aus dem Nebel und Dunkel , hoben sich im Morgengrauen Lanzenspitzen , blitzten Bajonnette und wogte es heran in dunklen Massen . » Zu den Waffen , Kameraden , die Moslems sind vor der Palanka ! « und zu dem Eingang des Walls stürzten Grivas und seine Maini ' s. - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Der Halt , den die Türken gemacht , war , wie gesagt , kaum eine Viertelstunde Weges von der kleinen Feste entfernt , und der Bey sandte von hier aus seine Späher , die bald mit der Nachricht zurückkehrten , daß die Griechen zwar Wachen ausgestellt hätten , sonst aber keine Ahnung von der Gefahr und der Nähe des Feindes zu haben schienen . Es wurde nun beschlossen , daß die Kula durch Tirailleurs überrascht werden sollte , die sich im Schatten der Klüftungen auf das Plateau schleichen und plötzlich auf das Zeichen eines Schusses eindringen sollten , während die Hauptmacht ihnen langsam folgte . Der Emir Abdallah mit seinen Arabern erbot sich , den Versuch zu wachen . Er stieg von seiner Stute , deren Zügel er um den Schaft seiner in den Boden geschlungenen Lanze schlang , und seinem Beispiel folgten sofort alle seine Leute . Dann untersuchte der Emir sein langes Luntengewehr , ertheilte den Arabern einige Befehle und verschwand mit ihnen nach verschiedenen Seiten in den Nebeln , in denen ihre weißen und grauen Gewänder verschwammen . Der Bey mit Fatinitza und dem verkleideten Griechen waren jetzt die einzigen Reiter , die in der Nähe hielten , und er hieß sie ihnen folgen , um von einem näher liegenden Hügel den Erfolg des Ueberfalls zu beobachten und dort während des Gefechts , außerhalb jeder