und nach verschiedenen Berichten am wahrscheinlichsten so lauteten : » Ei , Frau Baronin , Ihre naiv satirische Antwort sollte gewiß das junge Mädchen nicht kränken . Von Geburt sind wenigstens alle Menschen ohne Ausnahme gleich . Ist es auch ermunternd und erhebend , von Eltern und Vorfahren abzustammen , die sich durch Verdienst und Tugenden auszeichneten , und wer wollte den Werth nicht anerkennen und sich nicht selbst geehrt fühlen durch de Ehre , aus einer guten Familie zu sein ! Aber Gott Lob , das gilt für alle Stände gleich und aus den untersten sind die größten Wohlthäter des Menschengeschlechts hervorgegangen . Stand und Würde kann man erben , aber innere persönliche Würdigkeit , worauf am Ende doch Alles ankommt , muß Jeder sich selbst erwerben . Der Weg dahin ist die Selbstbeherrschung , und ich bin überzeugt , wenn ich in den Zügen des jungen Mädchens lese , daß ihre Seele diesen Weg längst gefunden hat . - Ihnen , liebe Baronin , danke ich , daß Sie mir Gelegenheit gaben , den Anwesenden meine Meinung darüber zu sagen . Es ist die Meinung , welche auch im Herzen meines Gatten , des Königs , lebt . « Der strafende Blick der Königin , der leichthin über die Reihen flog , hatte sich in den huldvollsten verwandelt , als er Adelheid wieder traf . Sie wechselte einige Worte mit ihr , die nur die Wenigsten hörten , aber Beider Augen verriethen den Sinn . Mit dem gnädigsten Nicken war sie vorüber geschwebt . Die Scene hatte sich im Augenblick verwandelt . Die moquanten Mienen von vorhin waren zu langen Gesichtern geworden . Das junge Mädchen war noch eben als ein Eindringling in diese Kreise betrachtet und gemieden worden ; fast isolirt hatte sie neben der Eitelbach gesessen , kein Tänzer sich ihr genaht . Welche Urtheile waren hinter ihrem Rücken gefällt worden ! Ach , selbst ihre Jugendgeschichte hatte man hervorgezogen . - Ist das die ! hatten zwei Hofdamen sich erschreckt angeblickt , mit dem Versuch , über die Erinnerung zu erröthen , der indeß unter dem dicken Karmin erstickt war . Und nun , wie Nebel bei einem Sonnenblick , war Alles anders geworden . Woltmann berichtet von der Königin Luise , daß , wenn sie mit Häßlichen gesprochen , auch diese allmälig den Umstehenden schön gedünkt ; solchen Zauber strahlte die Fülle ihrer Anmuth aus . Eine ähnliche Magie hatte Luise hier geübt . - Nein , wie schön sie ist ! hörte die Eitelbach jetzt hinter sich flüstern . Welcher Anstand ! - Es ist etwas Geborenes darin ! - Die Eitelbach war ohne Neid ; mit Vergnügen sah sie die Lorgnetten auf ihren Schützling gerichtet . Sie lächelte die Dame an , die sich an ihren Arm hing : » Nein , liebste Baronin , was müssen Sie für eine Freude haben , einen solchen Engel zu bemuttern ! Aber sie ist auch der besten Obhut anvertraut . « - Damen und Herren ließen sich Adelheid vorstellen . Ihre Antworten entzückten . - Da , um das Glück vollständig zu machen , hatte sich auch der König ihr genähert . Auch er sprach gnädig ; freundlich sah er zum schönen Mädchen nieder , man hörte durch das Geräusch huldvolle Worte ; viel von gehört haben - sehr freuen - einen braven Vater haben . - Auch die jüngeren Prinzen waren herangetreten , der König scherzte mit ihnen . Ein Scherz von den gewichtigsten Folgen . Bald durchflog die Säle die Neuigkeit : die Prinzen tanzen mit der Alltag . Sie war der Stern des Abends . Sie blieb der Gegenstand des Gespräches in den Equipagen , die nach Hause rollten . Ueber ihre Schönheit war nur eine Stimme . Nur etwas zu ernst ! Aber die Holdseligkeit der Königin hatte ihr auch davon angehaucht . Welche naive , frappante Antworten sie gegeben ! Wie hatte sie den jungen Prinzen August auf eine etwas kecke Frage anlaufen lassen ! Aber wie hatte der ältere Bruder , Prinz Louis , sich benommen ? - Eine solche spirituelle Schönheit musste doch auf den galantesten Ritter wirken . - Er war an ihr vorübergegangen . - Unmöglich ! hieß es ; aber Viele versicherten es . Der unglückliche Prinz sieht jetzt nur Gespenster ! Die Aussicht auf den Krieg schüttelt in ihm wie ein kaltes Fieber . - Aber nein , er war zurückgekehrt , er hatte mit ihr Worte gewechselt . Es klang unglaublich , was der Lauscher gehört . Er hatte sie wehmüthig angeblickt , wie Hamlet Ophelien : » Was wollen Sie in dieser Atmosphäre ? Die ist nur für kranke Seelen . « - Und sie , was hatte sie geantwortet ? » Gnädigster Herr , ich meinte , wer gesund ist , bringe Lebensluft in jede Atmosphäre mit . « - Unbegreiflich fanden es Viele - ein simples Bürgermädchen , die Tochter von dem alten Geheimrath Alltag ! Er wird wohl nun geadelt werden , meinten Einige . Andere schüttelten schlau den Kopf : Wer weiß denn , ob er ihr Vater ist ! Eine Dame fand in Adelheids Gesicht Züge , die an den vorigen König erinnerten . Drei Tage lang sprach man am Hofe , sieben in der Stadt , nur von der schönen Adelheid . Dann waren andere Gegenstände gekommen . Die Königin hatte sie nicht rufen lassen , die Königin hatte an Anderes zu denken . Die Fürstin mochte auch an Anderes denken , sie sagte nichts , aber wenn sie Adelheid sah , schien ihr lächelnder Blick zu sprechen : wenn eine Königin vergaß , uns rufen zu lassen , so wäre es an uns , sie anzurufen , damit sie sich unserer wieder erinnere . Zur Diplomatin ist sie nicht geboren . Der Minister mochte das und seine letzte Bemerkung längst vergessen haben , indem er mit der Schrift sich auf das Kanapé geworfen und mit dem Daumennagel Zeichen am Rande machte , als er