und der Täuschung Foltern schmeckest dein Lebelang ; damit Du Unkraut säest im Vaterhause , wie bisher . Glücklich wollt ich Dich nicht sehen , und heute - welche Freude - heute trittst Du an Deines Glückes Gränze . Die Pforte dazu ist auch schon sein Markstein . Fahre hin ; und Du , einfältige Braut , und Du , scheinheilige Stiefmutter , welche einen Sieg über mich errungen zu haben wähnt ; fahrt hin , ihr Lästerzungen alle , die ihr meinen Leumund zerfleischt habt , und an meiner Feinde Hochzeitstisch zu prassen denkt . Schon rüstet sich der Pfaff zu Eurer Todtenmesse ! - Sie schauderte selbst vor dem entsetzlichen Gedanken zurück , und ein Bild mit greisen Zügen und weißen Haaren , ein Bild voll Liebe und Gram stellte sich langsam in der Dämmerung vor ihre Augen . - » Mein Vater ! « seufzte sie unter menschlicher Regung : » Mein Vater ! Er ist der Einzige in jenem Hause , der nicht fallen sollte wie die Andern ? Er ist aber auch der tugendhafteste , setzte sie , in grausamem Wahn sich selbst belügend , hinzu : und Gott thut Wunder an dem Gerechten . Wenn Gott nicht will , so erlahmt der Arm des Mörders , sein Stahl zerbricht , und frei aus geht der Gute unter ' m fürchterlichsten Wirrsal . Fasse Muth , Wallrade , rede nicht matt und feige . Gott wird unter den Sündern die Seinen finden und behüten . « - Also ihr böses Trachten mit ihrem nagenden Gewissen trotzig , und schlau vereinbarend , ließ die tückische Wallrade die Stunde hinschleichen , und schwelgte im Voraus in den Schreckensauftritten , die im Vaterhause vorfallen sollten . Ihres Vaters gedachte sie zwar häufig , - weniger , ihres armen Sohnes , aber die Glut wilder Leidenschaft und eine gewisse freche Lust , das Schicksal in die Schranken zu fordern , erstickte den Funken von Kindesliebe in ihrer Brust . Mutterliebe hatte sie nie gekannt , und das Andenken an den so gehaßten Vater des kleinen Johannes war allein schon hinreichend , um sie zu bewegen , den Knaben einem dräuenden Unheil sonder Mitleid zu überlassen . Während nun die Schreckliche also still und einsam in der dunkeln Zelle brütete , und die arme Judith im ganzen Kloster wie verschwunden schien , dämmerte tiefer und tiefer der Abend nieder ; die Straßen wurden leerer , die Trinkstuben voller , und auch im Knippling ging es lustig und geräuschvoll her . In der vordern Stube johlten Waidträger , Löher und Schiffknechte , in dem hintersten Gemache saßen die Verbündeten mit mehreren ihrer Helfershelfer beim schäumenden Trunke . Die neunte Stunde hatte schon längst geschlagen , und mit Ungeduld harrten die Raublustigen , auf die zehnte . Um sich die Langeweile und Unruhe zu vertreiben , trank der Hornberger Zug für Zug einen Becher leer , und der Reiffenberger , wie auch Veit von Leuenberg thaten herzhaft Bescheid . Zodick hingegen hielt sich nüchtern , und ermahnte die Führer der , bereits auf ihren Sammelplätzen versteckten Knechte , die sich ebenfalls zum Abendtrunk hier eingefunden hatten , klar und hell im Kopfe zu bleiben , um den Dienst nicht zu versäumen . - » Wie der Jude schwatzt ! « rief der Reiffenberger unwirsch : » Ein rüstiger Mann und ein wackrer Fußknecht müssen trinken wie Teufel , um , gleich Teufeln , losschlagen zu können .. Im offenen Streit ist ein kleiner Weinnebel an seiner Statt ; man sieht nicht lange , wo man hinschlägt . Um eine Kehle abzuschneiden , bedarf man freilich klarerer Augen . « - » Mein ! mein ! « versetzte Zodick giftig : » wir wollen sehen , wer lacht von uns am letzten : ich mit meinen hellen Scheinlingen , oder Ihr mit Euern trüben . Ich und meine Gesellen , und diese guten Freunde , wir werden noch immer thun müssen das Beste . « - » Pest und rother Hahn ! « polterte Leuenberg dazwischen : » fröhlich gelebt und fröhlich gestorben ..... wie heißt das Sprüchlein , Bruder Hornberg ? « - » Laß mich doch ungeschoren mit Deinem Possenschwank ! « antwortete ihm der Hornberger , eine Kanne leerend , und damit auf den Tisch klopfend : » Ich weiß ein beßres Liedlein : Firnewein vor der Schlacht , hat viele , zu Helden gemacht ! und so wollen wir ' s heute halten . Donner , Strahls Hagel und Gewitter ! keine halbe Stunde mehr , und der Tanz geht los . Bis hieher haben uns alle Heilige bewahrt und geschirmt . Von all den Stadtschurken , die uns vorgekommen sind , hat uns kein einziger gekannt , - nicht mich , der ich mit der Stadt meine Späne haben , - nicht den Reiffenberg , der hier so viel schuldig ist , daß er von dem Gelde sein verfallnes Dach mit Goldgulden decken , und seinem Hof damit pflastern könnte ; - nicht den Leuenberg , der im Stadtbann liegt , er weiß wohl , warum ... ? « - » Nicht einmal den verfluchten Judenchristen hier haben sie erwittert ; « fiel der Leuenberg ein , - » ob er gleich von Stadt , Kaiser und Reich verfehmt und geächtet ist . « - Zodick lachte pfiffig . - » Wißt ihr , ihr Herren , « sprach er : » woher das kommt ? weil ich mir nie getrunken habe einen Rausch , weder im Wein , noch im Früßelhannes . Nüchtern seyn , ist klug . Für den Groschen , den hinauswirft der trunkne Mann , gewinnt der nüchterne ein Pfund . « - » Pah ! « rief der von Leuenberg : » wie könnte , auch ein Jude fröhlich seyn , wie ein christlicher Rittersmann . Gebt dem Gelichter ' ne Zwiebel , schimmlich Brod und faul Wasser ; glücklich ist ' s dabei , wenn es nur Münze zusammenscharren mag . «