und am 28. August 1696 schied er , matt und müde , aus dieser Welt der Zeitlichkeit . Seine Leiche ward einbalsamiert und in der Kreuzkirche zu Dresden ausgestellt , dann aber am 25. November nach der Neumark übergeführt , um in der Kirche zu Tamsel beigesetzt zu werden . Dort ruht er noch jetzt in einem kupfernen Sarge , mit Gold reich verziert und ein Kruzifix auf dem Deckel . Wir versuchen zum Schluß noch eine Schilderung Schönings , sowohl seiner äußern Erscheinung wie seines Charakters . Er war , namentlich dem Brustbilde nach zu schließen , dessen Original sich auf der Festung Königstein und in Kopie in Händen der Schöningschen Familie befindet , ein schöner Mann , in dessen Zügen sich Soldatisches und Hofmännisches , Strenge und Glätte , Selbstbewußtsein und Lächeln über die Eitelkeiten dieser Welt in interessanter Weise mischten . In andern Porträts , so z.B. auf einer Denkmünze , die gleich nach seinem Tode geprägt wurde , tritt das streng Militärische beinah ausschließlich hervor ; doch ist es fraglich , ob diesen letzteren Bildnissen irgendeine Porträtbedeutung beigemessen werden darf , oder ob sie nicht vielmehr jenen bloßen Ruhmes- und Ehrenmedaillen zuzurechnen sind , wie sie damals nach dem Ableben eines berühmten Mannes auf gut Glück hin angefertigt wurden , mehr in der Absicht , ihn durch bildliche Darstellung überhaupt zu feiern , als durch korrekte Wiedergabe seiner Züge seinem äußeren Menschen gerecht zu werden . Uns von Schönings Charakter ein Bild zu entwerfen , ist nicht eben schwer , wenn wir den Berichten über ihn , die in ziemlicher Anzahl auf uns gekommen sind , ohne weiteres Glauben schenken wollen . Es bleibt aber doch fraglich , ob diesen Schilderungen , trotz des Übereinstimmenden , das sie haben , in allen Stücken unbedingt zu trauen ist . Alle Mitteilungen über ihn rühren nämlich von Gegnern her , und man würde die Pflicht haben , schon aus diesem Grunde die höchste Vorsicht walten zu lassen , wenn nicht der Umstand , daß er überhaupt nur Gegner gehabt zu haben scheint , allerdings auf etwas entschieden Unliebenswürdiges in seiner Natur hin verwiese . Barfus , die Schomburgs , Danckelmann , der ältere Grumbkow , Otto von Schwerin , Graf Christoph Dohna , alle waren gegen ihn , und die Memoiren des letzteren , wenn wir Gutes und Böses , das sie erzählen , zusammenfassen , schildern ihn als einen begabten Feldherrn voll Mut , Umblick und Geistesgegenwart , aber zugleich auch als einen anmaßenden und habsüchtigen Mann , von spöttischem und zweideutigem Wesen . Seiner geistigen Überlegenheit sich bewußt , behandelte er was unter ihm stand mit Härte , und was neben ihm stand mit Geringschätzung . Diese Schilderung wird im wesentlichen richtig sein . Sein Streit mit General Barfus , den wir oben ausführlich erzählt haben , zeigt ihn uns ganz von dieser Seite . Auch Barfus wird in den Pöllnitzschen Memoiren » auffahrend , halsstarrig und hochmütig « genannt ; aber eine Reihenfolge von Umständen spricht dafür , daß Schöning in allem , was Dünkel und Hochmut anging , wenigstens ein potenzierter Barfus war . Schöning war wie Barfus und Barfus war wie Schöning , aber der letztere hatte von allem ein voller geschüttelt und gerüttelt Maß . Mit Barfus , trotz seines auffahrenden Wesens , war wenigstens zu leben , mit Schöning nicht , und die Gekränkten und Beeinträchtigten wichen ihm entweder aus , d.h. quittierten den Dienst , oder forderten ihn zum Duell . 58 Auch dem Kurfürsten gegenüber verdarb er es durch seinen anmaßenden Ton . Er mußte Recht haben , er war ja Schöning . In diesem Sinne sprach und schrieb er , und dies war es , was ihn endlich stürzte , nachdem er sich längst um alle Sympathien gebracht hatte . So weit nehmen wir nicht Anstand , in die Angriffe seiner Feinde mit einzustimmen . Auch den Vorwurf der Habsucht abzuweisen , möchte schwer sein . Aber wenn wir auch die Schatten in seinem Charakter weder leugnen noch verringern wollen , so können wir ihm doch dadurch gerecht werden , daß wir seine Lichtseiten mehr hervortreten lassen , als seine mehr oder minder befangenen Zeitgenossen es getan haben . Schöning hatte keinen Freund unter seinesgleichen , aber diejenigen , die über ihm standen , und zwar je höher je mehr , zeichneten ihn aus und gaben ihm Beweise eines besonderen Vertrauens . Kurfürst Friedrich III. war zu wenig selbständig und trotz seiner Kriege zu wenig kriegerisch , vor allem auch persönlich zu leicht verletzbar , um über die Vorzüge Schönings die Schwächen desselben vergessen zu können ; der Große Kurfürst aber und Friedrich August der Starke bewiesen ihm dauernd ihre Wertschätzung und ihre Huld . Seine Stellung zum Großen Kurfürsten erinnert einigermaßen an das Verhältnis , das Winterfeldt siebzig Jahre später zum großen König einnahm . Auch Winterfeldt erkaufte die Liebe eines durch den Haß vieler . Die Vorwürfe , die gegen ihn erhoben wurden , waren zum Teil dieselben : Hochmut , Herrschsucht , Zweideutigkeit . Nur der Habsucht wagte man ihn nicht zu bezichtigen . Schöning wurde mit sechsunddreißig Jahren General , mit achtundvierzig Jahren Feldmarschall ; diese beiden Angaben genügen , um zu zeigen , was er war . Zwei Höfe , der brandenburgische und der sächsische , wetteiferten in Anerkennung seines militärischen Verdienstes . Dieses Verdienst war unbestreitbar da und nur Stolz und Dünkel verdunkelten es oder machten die Welt unwillig , da noch anzuerkennen , wo schon die höchste Selbstanerkennung vorlag . Er war seiner Umgebung überlegen , namentlich weltmännisch , aber sein spöttischer Mund verriet zu viel davon und brachte ihn um die beste Frucht des Lebens : die Liebe der Menschen . In wenig Herzen hat er sich eine Stätte gebaut , nur die Tamseler Fischer haben ihm eine poetisch-phantastische Erinnerung bewahrt bis diesen Tag . Wie Derfflinger in Gusow und der alte Sparr in Prenden , so lebt Schöning in Tamsel als ein » Zauberer « fort , und sie