zu galoppiren und ein wenig nach dem Rechten zu sehen , so würde ich ihm und seinem Braunen damit eine wahre Wohlthat erweisen . Daß der gute Doctor mir jetzt zum dritten Male sein Vermögen anbot , brauche ich wohl kaum zu erwähnen ; aber dies und Alles , wie sehr es mich auch rührte und erfreute , hat mich doch nicht so erschüttert und ist auch auf meine Zukunft nicht von so großem Einflusse gewesen , als das Anerbieten , welches mir im Namen sämmtlicher Arbeiter der Fabrik eine Deputation machte , deren Sprecher Herr Roland war . Sie hätten gehört , daß die Angelegenheiten nicht so ständen , wie sie sollten und daß Gefahr sei , die Fabrik werde in andere Hände übergehen . Diese Möglichkeit erscheine Allen als die schrecklichste , und sie seien männiglich entschlossen , dieselbe abzuwenden , wenn es , und so weit es in ihren Kräften stehe . Sie fragten demnach an , ob es mir meine schwere Lage erleichtern würde , wenn sie , Alle wie Einer und Einer wie Alle , auf einen Theil ihres Lohnes verzichteten , bis die Gefahr vorüber und ich im Stande sei , das Zurückbehaltene nachzuzahlen , ohne daß ich für den Ausfall zu haften hätte , im Fall die erwartete günstige Wendung nicht einträte . Es dauerte einige Zeit , bis ich meine Rührung so weit bewältigt hatte , um antworten zu können , und dann sagte ich den wackeren Männern , daß ich mit Nichten gesonnen sei , ihr großherziges Anerbieten anzunehmen , nicht , weil ich mich schämte , mir in meiner Noth von meinen Kameraden helfen zu lassen , sondern weil ich , Dank der gütigen Hülfe , die mir von andern Seiten geworden , nach wie vor meine Verpflichtungen gegen sie erfüllen könne . Aber ich habe etwas anderes im Sinn . Und nun setzte ich den Männern ein Project auseinander , welches ich nach dem Muster ähnlicher Einrichtungen in England schon längst mit dem Doctor und mit Klaus geplant , und wonach Jeder der Arbeiter in dem Verhältniß seiner Kräfte , seines Verdienstes , seiner Mittel Theilhaber der Fabrik werden solle . Ich sagte den Männern auch , daß eine Zeit der Unsicherheit und der Krisis , wie die gegenwärtige , nicht die geeignete zur Ausführung dieses Projectes , daß ich aber mehr als je entschlossen sei , alle meine Kräfte daran zu setzen , diese Zeit herbeizuführen , und daß ich vielleicht schon binnen Jahresfrist mein Wort einlösen zu können hoffe . Und es war noch kein Jahr vergangen , als ich im Stande war , es einzulösen . Nicht weniger glücklich war ich auf dem zweiten Punkte gewesen , den ich mit einer Art von Leidenschaft behauptet hatte , während ich so manches Andere willig aufgab . Zehrendorf war in meinem Besitz geblieben ; ich hatte keine einzige der nützlichen Unternehmungen , die dort angefangen waren , eingehen zu lassen brauchen ; im Gegentheil , es stand Alles in dem besten Flor , und ich hatte ein neues großes Werk : die Trockenlegung der ungeheuren Moore mit dem besten Erfolge begonnen . Das Gut war jetzt , wenn auch nicht den Preis werth , welchen der Commerzienrath dafür gefordert , so doch beinahe den , welchen mir der großherzige junge Fürst in der denkwürdigen Unterredung freiwillig geboten . Ich konnte nicht ohne Wehmuth den Brief betrachten , den er mir an jenem Abend , bevor ich zum zweiten Male zu ihm kam , geschrieben und in welchem er mir noch weit über jene Summe hinaus seinen Credit zur Verfügung gestellt hatte . Was war aus dem andern Briefe geworden , in welchem er , falls er im Duell bleiben sollte , die Ausführung dieser Versprechungen seinem Vater an ' s Herz gelegt ? Ohne Zweifel ist derselbe nie in die Hände , für die er bestimmt war , gelangt , denn der alte Fürst , der seinen Sohn noch mehrere Jahre überlebte , war ein großherziger , edel denkender Herr , und würde schon aus Pietät einem letzten Wunsch seines unglücklichen Sohnes gewillfahrt haben . Nun , die Unredlichkeit dessen , der jenen Brief unterschlug , ist mir zum Segen geworden . Ich hätte gewiß , wäre es von mir gefordert , in jenen ersten Tagen der Noth und Verwirrung das Gut ohne weiteres abgetreten ; so , da Niemand es von mir verlangte , und ich es Herrn von Granow nicht für ein Viertel des Werthes schenken wollte , war ich genöthigt , es zu behalten , und ich konnte es halten , Dank der großmüthigen Unterstützung meines guten Hans , und - weshalb soll ich es nicht sagen ? - Dank der ehrlichen Arbeit , die ich selbst daran gewandt habe . Und ich hatte ihr noch mehr zu danken . Wie sie mich frei gemacht hatte von der Last der Verpflichtungen , die mir mein Schwiegervater jählings auf die Schultern gewälzt , so hatte sie mich auch in Drachenblut gebadet gegen die scharfen Pfeile , mit denen der Schmerz um den Verlust meiner holden Gattin und meines Kindes im Anfang mein Herz zerrissen hatte . Freilich , unter der starren Decke scheinbarer Unempfindlichkeit war die Wemuth geblieben ; aber die Thränen , die ich oft genug weinte , wenn ich des Abends , nach des Tages Mühe , in mein einsames Zimmer trat , oder , wenn ich in der Nacht erwachte und mich allein fand - sie hatten nicht mehr die ätzende Schärfe ; sie flossen mild und weniger um den eigenen Verlust , als darüber , daß der kalte Hauch des Todes soviel Holdseligkeit , soviel Anmuth , soviel Scherz und Frohsinn und kecken Muthwillen vor der Zeit geknickt hatte . Und doch war auch hier wieder etwas , das fast ein Trost erschien . Wie ihr Vater wohl während seines ganzen Lebens nie ein Wesen geliebt hatte , als die schöne , einzige Tochter , so hatte sie ihn wieder geliebt ,