zu würdigen wissen und die Hand , die wir Ihnen schon oft darboten , nicht so übermüthig von sich stoßen ! Sagen Sie mir Das morgen , erwiderte Hackert , und ich weine vielleicht wie ein Kind . Morgen hängen mir vielleicht die Flügel matt und schlaff . Ich jammere um meine Zukunft , ich geize und laure auf Erwerb , ich bin ein Hund , den man mit Füßen treten kann , Notabene morgen ! Heute bin ich berauscht - nicht von Wein ! Ich trinke wenig Wein ; nein vom Glück . Jubeln , jauchzen , lachen möcht ' ich , weil ich einen Becher wieder an meinen Lippen fühlte mit dem köstlichsten Rebenblute des Glücks . Glück macht mich toll . Sie nicht ? Wir bemitleiden Sie ! sagte Dankmar und wollte gehen . O Ihr habt mich gut bemitleiden ! antwortete Hackert . Euch sang eine Mutter an der Wiege und geregelt gingt Ihr Euren Lebensweg . Wenn ich Dem nachdenken wollte , raucht ' ich keine Cigarre , dann läg ' ich hier zusammengekrümmt auf dem Sopha und ächzte und würde reif , betteln zu gehen , wie neulich in Tempelheide , als ich im Korne lag . Dann geht mir einmal wieder die Pforte des Paradieses auf und ich klirre mit meinen Ketten , verlache meinen Jammer , tummle mich wie ein Mensch und fühle mich dem Stärksten gleich . Ich kann Ihnen heute Nichts von meinem Leben vorwinseln ; die nächste Gefahr ist vorüber . Lasally wird schweigen und mein Blut ist in Wallung . Kommen Sie mit oder lassen Sie mich allein , bis Sie mich einmal todt oder so lebend wieder sehen , daß Ihre Theilnahme für mich nicht von der Übereinstimmung mit Ihrem eigenen Herzen abhängt . Während dieser Worte war Hackert aufgestanden und hatte sich unter dem Vorhang am Kleiderriegel einen Frack , eine Weste , einen Hut hervorgeholt und zog alle diese Gegenstände ohne Rücksicht auf seinen Besuch rasch und wie elektrisirt an . Karl ! schläfst du schon ? rief er dann an die Nebenthür . Eine feine Frauenstimme fragte mit leidendem Tone : Was wünschen Sie , Herr Hackert ? Ich lasse das Licht brennen , Fräulein ! Löschen Sie es aus . Gute Nacht ! Die Brüder sahen sich an und schüttelten den Kopf . Sie wandten sich zum Gehen , ohne noch ein Wort zu sprechen . Dieser ungeregelten Natur fühlten sie sich zu sehr entfremdet ... Hackert folgte . Als er aus seiner Thür Nr. 86 trat , kam aus dem auf gleiche Nummer laufenden Zimmer Herr Schmelzing hervorgeschossen und leuchtete . Schläfst du noch nicht , altes Tintenfaß ? sagte Hackert und ging voran , um den Weg zu zeigen . Bei so lebendiger Conversation ! hustete Schmelzing höflich und schwänzelnd . Die du hoffentlich nicht stenographirt hast ? antwortete Hackert herabsteigend . Geh ! Geh ! Ich kenne den Weg . Mach ' daß du deine Rollen fertig schreibst für die Hoftragödie ! Vergiß die Stichwörter nicht ! Nimm immer sechs Worte statt drei zum Stichwort , damit du viel Bogen zusammenbringst und die Schauspieler besser lernen ! Verwelsche die Fremdwörter nicht ! Sei nicht gelehrter als die Dichter und verbessere nicht ihre Verse ! Hörst du ? Schmelzing , ganz frappirt von Hackert ' s elegantem Aufzug , wünschte den Herren eine höfliche gute Nacht . Die Brüder kletterten in der Dunkelheit den Weg nach , den ihnen der plötzlich wie verwandelte ehemalige Schreiber des Justizraths Schlurck angab . Nach langem Tasten , manchem Anrennen an Geräthschaften , die dem Wege in den Höfen zu nahe lagen , kamen sie an die Thür , die auf die Brandgasse führte . Hier klopfte Hackert stark und trommelte , sich niederbückend , an das Fenster der Vizewirthin . Schon aber kam Frau Mullrich mit dem großen Hausschlüssel . Aber noch ehe sie aufschloß , sagte sie mit einer schlauen Verbeugung : Macht drei Pfennige ! Siegbert gab , was er in der Eile griff . Frau Mullrich schloß nun erst auf und die Männer traten auf die Straße ... Ob sie ihrer drei zusammenbleiben werden ? ... Wie Frau Mullrich wieder die große schwere Thür zuwarf , trat Bartusch hinter der Thür hervor , die aus ihrem Keller auf die Hausflur führte . Es ist mir unbegreiflich , was mit dem Taugenichts vor sich gegangen ist ! sagte er . Er geht auf den Fortunaball ! Wie schade , Herr Bartusch , antwortete die Mullrich , daß Sie nun selbst nicht hin können ! Sie wollten doch da die Maler-Guste finden . Reden Sie auch solche Sachen ? sagte Bartusch , der gründlich ärgerlich schien , daß sich während seiner Hohenberger Abwesenheit in der Brandgasse Nr. 9 so viel verändert hatte . Und doch ist sie gewiß dort , sagte die Mullrich , Alles rennt ja hin - schon Sechs hab ' ich heute aus unserer hiesigen Armuth allein hinausgelassen - mein Mann muß um zwölf auch hinaus und wenn Sie nicht - Lassen Sie mich durch Ihren Mann wissen , ob Nr. 17 dort zu finden war . Verlassen Sie sich darauf ! Aber , wie blaß sehen Sie aus ! Der Ärger mit diesem bösen Schlingel ! Sagen Sie mir nur - was hat er denn in des Heilands Namen bei den Schlurck ' s für eine Greuelthat mit - Gute Nacht , Frau Mullrich ! war die seufzende Antwort . Bartusch schnitt jedes weitere Forschen der Frau Mullrich ab , die heute so viel erlebt , so viel gehört und beobachtet hatte , daß sie eines sehr weitläuftigen Commentars bedurft hätte , um trotz ihres Scharfsinns sich alle geheimen Verbindungsfäden dieser Thatsachen zusammenzustricken . Eben war Bartusch verdrüßlich und sogar ohne Trinkgeld auf die Straße getreten und noch glaubte Frau Mullrich seinen Tritt draußen schallen zu hören , als sie von der eben geschlossenen Thür sich entfernend durch eine weibliche zarte Hand aufgehalten wurde ... Frau Mullrich war im