Wenn ich ihm begeistert von der Zukunft sprach , der unsere Fabrik entgegenblühe , und daß von der wüsten Trümmerstätte aus , die er Jahre lang mißachtet , ein Strom des Lebens und Reichthums ausgehen werde in alle Lande - da hatte er stets nur hämisch-ungläubig gelächelt und mich einen Schwärmer , einen Phantasten gescholten , der sich noch häßlich die Finger verbrennen , oder doch höchstens für Andere die süßen Kastanien aus den Feuern seiner Hochöfen holen werde . Und er war hingegangen und hatte weiter gespielt an der Börse , in Actien , in ausländischen Fonds , in Spiritus , in Baumwolle , der Himmel weiß , worin , wie er früher in Contrebande und unversicherten Schiffen gespielt hatte , bis die Karten so gegen ihn schlugen , daß er keinen Ausweg sah , als den grünen Tisch und das Leben zugleich zu verlassen . Ich konnte mich nie von dem Gedanken losmachen : es habe die Scham , vor mir , gegen den er stets so groß gethan , nun so klein dazustehen , mir einräumen zu müssen , daß ich mit meiner dummen Ehrlichkeit Recht gehabt , den Mann , der keine Spur von echtem Stolz , aber eine immense Eitelkeit besaß , mit in den Tod getrieben . War es doch nun für immer vorbei mit seiner Weisheit , seiner Ueberlegenheit , war es doch nun vor allem vorbei mit seiner Herrschaft , und - er gönnte mir die Nachfolge nicht , um so weniger , als ich ihm oft genug in Scherz und Ernst prophezeit , daß eine neue Zeit gekommen sei , eine Zeit der Brüderlichkeit , der Billigkeit , der Gerechtigkeit , der gegenseitigen Hilfsbereitschaft , und daß der Egoismus mit seinen kleinlichen Mitteln , mit seinen Praktiken und Kniffen für diese neue , große Zeit nicht mehr ausreiche . Vielleicht , daß auch Einer oder der Andere meiner Leser findet , ich habe , indem ich also prophezeite , den Mund etwas vollgenommen , und daß jene goldene Zeit , von der ich spreche , heute noch wie damals auf dem Schooße der Götter liege . Aber ich schreibe keine Geschichte , als die meines Lebens , und da kann ich nur sagen : wenn mein Temperament sanguinisch und meine Weltanschauung demzufolge zum Optimismus geneigt ist , so haben meine individuellen Erfahrungen nach dieser Seite hin mir das leichte Blut nicht getrübt und meinen frommen Glauben an die Güte der Menschennatur und vor Allem an den wachsenden Sieg des Guten und Tüchtigen in unserer Zeit nicht erschüttert . Ich habe aus dem industriellen und ökonomischen Gebiete nur überall da , wo der Fleiß mit der Redlichkeit einen festen Bund geschlossen , dauernde Erfolge gesehen und wenn es in der Politik hier oder da einmal anders zu sein scheint , so ist es eben wohl nur ein Schein , der für eine Zeit die Menge blendet , um über kurz oder lang zu zerrinnen und der tristen Wirklichkeit Platz zu machen . Doch , wie gesagt , ich schreibe nur die Geschichte meines Lebens , welches mich das und nichts Anderes gelehrt hat , und in keiner Periode eindringlicher , als gerade in der , von der ich eben spreche . Und wäre ich der schlimmste Pessimist , der schwarzgalligste Menschenhasser gewesen , mich hätten die Beweise der Liebe , Güte und Hilfsbereitschaft , die mir von allen Seiten zu Theil wurden , eines Anderen und Besseren belehren müssen . Von allen Seiten , selbst von solchen , an die ich nicht im Entferntesten gedacht hatte ! Zum Beispiel nicht an den alten Mann , den ich während des Baues der neuen Fabrik oft in Schlafrock und Pantoffeln , ein schwarzes Käppchen auf dem kahlen Kopfe und eine lange Pfeife in dem zahnlosen Munde , an dem Stacket hatte stehen sehen , welches den Bauplatz von dahinterliegenden Gärten trennte , und mit dem ich hin und wieder , ohne zu wissen und ohne zu fragen , wer er sei , ein paar freundliche Worte gewechselt hatte . Dieser alte Mann nun kam in jenen fürchterlichen Tagen , als das häusliche und geschäftliche Unglück wie mit Keulenschlägen auf mich einfuhr , zu mir und stellte sich mir als den Rentier Weber , den früheren Besitzer des Grundstücks vor , und er habe gehört , daß es mit den Angelegenheiten meines verstorbenen Schwiegervaters nur so so stehe , und da sei er denn gekommen , mir zu sagen , es habe mit der Bezahlung - mein Schwiegervater hatte mir gesagt , daß der Kaufschilling bis auf den letzten Heller bezahlt sei ! - keine Eile , und er habe wohl gesehen , wie ich mich der Sache annähme , und wie ich immer wacker zugegriffen , wo es nöthig gewesen . Dem alten Herrn würde er keinen Thaler geliehen haben , aber für strebsame , junge Leute , wie ich , habe er schon noch ein paar tausend Thälerchen liegen , so ein zehn oder zwanzig , je nachdem , und wenn ich die brauchen könne , so möge ich nur zum alten Maurermeister Weber kommen , ich werde ihn zu Hause finden . Und ein paar Tage später kam ein Brief in einer großen kindischen Hand und mit den wunderlichsten orthographischen Fehlern von dem guten Hans : daß von dem Vermögen seiner Mutter , über welches er frei disponiren dürfe , trotz alledem noch immer ein bedeutender Rest übrig sei , der mir bis auf den letzten Pfennig zur Verfügung stehe . Weil er aber nicht allsogleich an dies Geld kommen könne , habe er vorläufig in allen seinen Röcken und Schubläden eine sorgfältige Suche angestellt mit überraschend günstigen Resultaten , und erwarte er von meiner Freundschaft , daß ich ihm erlaube , mir dies Geld umgehend zu schicken . Schließlich wisse ich wohl , daß er ein besserer Landmann sei , als es den Anschein habe , und wenn ich ihm verstatten wollte , ein- oder zweimal des Tages nach Zehrendorf hinüber