seiner grausamen Feinde zu hören . Seines Vetters Gestalt sogar , die sich früh und Mittags zeigte , um den kleinen Gefangenen Atzung hinzustellen , beruhigte seine aufgeregten Sinne nicht . Er wußte ja leider , daß sein Verwandter selbst zu der abscheulichen Rotter gehörte ; er durfte argwöhnen , daß vielleicht in der nächsten Stunde der entartete Mann selbst die Hand zu seines unschuldigen Vetters Tode bieten möchte . Und näher und immer näher schlich schon wieder der Abend , und näher und näher kam die Zeit des Verderbens , und er , der um Alles wußte , mußte schweigen , an Schwur und Kerker gefesselt ! - Da wurden hastige Schritte in dem Vorgewölbe hörbar : geschäftige Hände riegelten auf und drehten den Schlüssel der Thüre behende , und Brändling , blaß und verstört rannte in den Keller . Der erschrockene Knabe , nur seinen Tod ahnend , floh in die Ecke des Gewölbes , aber Brändling beruhigte ihn durch Wort und Geberde , indem er zu ihm sprach : » Guter Vetter , lieber Heinrich ! Du warst von jeher ein wackrer Knabe und Verwandter , und nicht meine Schuld ist ' s - du weißt es wohl , - daß Du hier sitzest , gleichwie in der Löwengrube . Zürne mir darum nicht , und thu ' mir das zu Liebe . « - Der Knabe war bereitwillig , und Brändling fuhr fort : » Ein schlechter Mensch von meinen Zechgästen hat den Weinstecher Veit verrathen , daß ich dann und wann , stummen Wein ausschenke . Du lieber Gott ! in der Zerstreuung geht wohl manchmal dergleichen vor , und ich habe nicht ' mal recht gewußt , daß ich ein unklar Faß im Keller habe . Veit war aber da , er hat ' s gefunden und ist hinweg gegangen , mit der Drohung , noch heut ' den Stöckerknecht zu schicken , daß er das Faß abhole und vor dem Römer auslaufen lassen . Bedenke Henrich , - welche Schande , ... welcher Anlaß zu andern Entdeckungen ! Wenn Du nicht hilfst , so kann mich ' s heute an den Galgen bringen . Veit ist mir nicht hold , aber Dir , mein Neffe und Söhnlein , den er aus der Taufe hob , um desto mehr . - Deine selige Mutter war ihm lieb und werth , und - nun - es wird schon alles gut werden , wenn Du stracks zu ihm laufen , und für mich eine Fürbitte einlegen wolltest . Nur den Stöcker lasse er zu Hause , und zahlen will ich , was er will , - Morgen schon bezahlen , - und den Wein vertilgen im Geheim . Willst Du , mein Söhnlein ? « - Heinrich bejahte gütmüthig . - » ' s ist jetzt die beste Zeit , « sprach Brändling weiter : » die Wütheriche sind nicht daheim , bis auf einen . , der oben in der Giebelkammer faullenzt . Es sieht dich Niemand fortgehen , und zurück bist Du , ehe und ohne daß dich eine Seele bemerkt . Aber , - Heinrich , - gutes Kind , denke an Deinen Eid , und an Deine ewige Seligkeit , und plaudre an keinem Menschen aus was Du Unglückseliger vielleicht gehört ! « - Heinrich gelobte es noch einmal in des falschen Mannes Hand , und entrannte , wie ein flüchtiges Reh , dem unbequemen Kerker . - Die Sonne neigte sich zum Untergange , und des Pathen Haus war , obgleich fern , - doch bald erreicht . Der treuherzigen Fürbitte des Knaben konnte der biederherzige Veit nicht lange widerstehen , und ließ ihn endlich mit guter Botschaft , aber auch mit der strengen Warnung für den Ohm ziehen . Heinrich flog wieder heimwärts ; allein , da es um die Zeit war , da alle Handwerksgesellen durch die Straßen jubelten , von der Arbeit kommend , - die reichern Kaufleute ihre Laden schlossen , und die Vornehmem der Stadt behaglich lustwandelten durch die Straßen in der abendlichen Kühle , - da wurde dem Knaben das Herz schwer , seine Tritte wurden langsamer , da er der Gräul gedachte , die in diesen froh lebendigen Straßen bald wüthen sollten . Hausväter und ihre Frauen , ihre Kinder und Enkel saßen vor den Thüren , durch welche der Mord eingehen sollte , - buntgekleidete Musikanten , Lustigmacher und dergleichen Volk durchstreiften die Gassen , und wenn man sie fragte : » wohin die Reise ? « so antworteten alle : » Zu des Altburgers Froschen Haus ; ' sist Hochzeit dort , und die Stoßpfeifer dürfen zum Tanz nicht fehlen ! « - Diese Worte zerrissen Heinrichs Brust , und ohne Bewußtseyn und Willen fast , flüchtete er sich in die uralte Kirche der Weißen-Frauen , die noch offen stand für Reuige und Leidende . Ein innrer Trieb zwang den Knaben , sich vor den Stufen des vergitterten Chors nieder zu werfen auf seine Kniee , und inbrünstig zu Gott zu beten , um Erleichterung , um Trost , um Hülfe und um Eingebung von Oben . Nachdem er sein Gebet verrichtet , sah er sich um in der Kirche und sie war leer ; er blickte , mit Anstrengung auf den Zehen sich erhebend , durch das Chorgitter , und gewahrte eine von den weißen Frauen , die auf einen Betschemel kniete , und zu beten schien ; sonst niemand . Da fuhr dem aufgeregten Knaben ein abentheuerlicher Gedanke durch den Kopf , und er schritt auf der Stelle zur Ausführung , - dem Zufall es überlassend , ob seine Saat auf guten Boden falle , oder auf Stein . Die Nonne dort konnte ja schlafen , - sie konnte taub seyn oder ungläubig ; aber - Gott wird ja Alles zum Besten lenken , dachte der Knabe , ... und Deinen Schwur hast Du nicht gebrochen . - Er wendete sich daher frischen Muths knieend mit ausgespannten Armen zu dem