Ohr für diese Botschaft ; ich glaubte nicht an den goldenen Sonnenschein , nicht an den blauen Himmel , nicht an die rinnenden Frühlingswasser - ich harrte einer anderen Verkündigung - in heißen Gebeten und brünstigen Gelübden , wie sie nur aus dem Herzen eines Mannes in solcher Stunde steigen können - und sie ward mir , diese Verkündigung - als die Sonne zur Rüste ging - in einem kleinen feinen Stimmchen , das mich durchschauerte , wie den harrenden Gläubigen das Säuseln des Windes , in welchem sich der Herr nahte . Ja , nun war es Frühling ! ich sah die Frühlingssonne in dem glückseligen Lächeln der armen Dulderin ; ich sah den köstlichsten Frühlingshimmel in ihren blauen Augen , die jetzt in einem milden , schimmernden Glanz , wie ich es nie gesehen , zu mir empor lächelten , und sich dann liebevoll auf unser Kind senkten . » Es ist nun doch ein Mädchen , « flüsterte sie , » und Du wirst sie schrecklich verziehen und viel lieber haben als mich ; aber ich will nicht eifersüchtig sein , ich verspreche es Dir ! « Und am nächsten Tage schien wieder die Sonne , und der Himmel war blau und die Vögel jubilirten . - » Wenn das Wetter anhält , können wir bald nach Zehrendorf ; « sagte sie ; » es ist gut , daß Du mit dem Fürsten noch nicht definitiv abgeschlossen hast ; er ist ja sehr , sehr liebenswürdig gegen uns gewesen ; aber besser ist besser , und ich denke , Du überlegst die Sache noch einmal mit dem Vater . Warum der Vater nur nicht kommt ? Du hast doch recht dringend geschrieben - « » Gewiß , er ist jedenfalls verreist ; aber Du sollst ja nicht so viel sprechen - « » Ich fühle mich ganz kräftig ; ich wollte nur , ich könnte der Kleinen von meiner Kraft abgeben ! Lieber Himmel , so ein Riese von Vater und so ein kleines Kindchen ! Aber es hat Deine Augen , Georg ! « » Ich hoffe , es hat Deine Augen . « » Weshalb ? « » Weil es dann die schönsten hätte , die es haben kann . « » Schmeichler ! aber um auf Zehrendorf zurückzukommen : wir werden es schon der Kleinen wegen behalten müssen , der die Landluft durchaus nothwendig ist , wie der Doctor sagt . Ach , ich sehe uns schon unter der großen Buche sitzen , - die ich gerettet habe , weil Sie Ihren Namen eingekritzelt hatten , für eine Andere mein Herr ! - und nun mit seiner Frau und seinem Kind ganz prosaisch-hausväterlich an derselben Stelle , wo man romantisch geschwärmt hat - ist das nicht sehr komisch ? « » Ja , ja , es ist sehr komisch ; aber jetzt mußt Du auf alle Fälle schweigen . « » Zu Befehl , mein Gebieter ! « Und dabei lachten ihre blauen Augen so übermüthig und sie war so voller Lebenslust und Lebensfreude , und so heiter und voller drolliger Einfälle - es schnitt mir in ' s Herz , wenn ich sie so sah und hörte und - unter dem Vorwand dringender Geschäfte - sie verlassen mußte , um ihren Vater zu begraben , der in der Furcht vor der Schande eines schmählichen Bankrotts zum Selbstmörder geworden war . Aber dann war auch dieser Tag wieder der schönste , goldigste Frühlingstag : von den Dächern tropfte es nur noch hier und da , denn die helle Sonne und die warme Luft hatten die Nässe hinweggetrocknet ; an dem Himmel , dessen Blau dadurch noch tiefer erschien , standen große , weiße Wolken , und die Vögel in den knospenden Bäumen dachten jetzt ernstlich daran , ihre junge Wirthschaft einzurichten , - wer hätte da , trotz alledem , nicht hoffnungsvoll in die Zukunft sehen sollen , die Alles wohl besser machen würde ! wer sich der winterlichen Sorgen nicht entschlagen , wenn er sah , wie Alles trieb und keimte und blühte , aber : Es fiel ein Reif in der Frühlingsnacht , Er fiel auf die zarten Blaublümelein - Und diese schwermüthigen Verse des Volksliedes sollen euch sagen , was ihr mir anders , oder ausführlicher zu sagen gern erlaßt ! Sie bedürfen keines Commentars , diese Verse , so wenig , wie zwei frische Gräber , ein größeres und ein sehr kleines Grab , die man nahe , ganz nahe neben einander aufgeworfen , und die Kränze , mit denen die Hand der Liebe die Hügel bedeckt hat . Einunddreißigstes Capitel . Nur die Arbeit kann uns frei machen . Ich hatte in den zwei folgenden Jahren Gelegenheit , diesen obersten Satz der Weisheit meines Meisters nach allen Seiten hin zu erproben . Ja , wahrlich , die Arbeit hat mich frei gemacht ! Wovon ? Zuerst von den Maschen des unredlichen Gespinnstes , in welches mich die Verbindung mit meinem Schwiegervater verwickelt , den Maschen , von denen er sich durch seinen jähen Tod Knall und Fall losgerissen , und aus denen ich mich mit unsäglicher Mühe allmälig loslösen , die ich entwirren , schlichten , ordnen mußte , wollte ich nicht Schande und Schmach auf den Namen des Mannes fallen lassen , der der Vater meiner Gattin gewesen war . Es stellte sich heraus , daß er , wie ein verzweifelter Spieler die Partie vor der Zeit verloren gegeben . Aber freilich , das ist nicht ganz das rechte Wort . Für ihn war die Partie verloren , denn , was ihn einzig hätte retten , was ihn allein hätte frei machen können - wie es mich frei gemacht hat , der ich des Mannes Soll und Haben übernahm - die gewissenhafte , ehrliche , mannhafte Arbeit - sie war ihm unmöglich ; er hatte sie nie geübt , er hatte niemals Achtung vor ihr gehabt , hatte nie an sie geglaubt und an ihre gewaltigen Resultate .