den Nacken warf . » Ich verstehe dich wohl , mein Kind , « fuhr sie mitleidig fort ; » was das Andere anbelangt , da gebe nur ich Abschiede , laß mich aber selbst nie verabschieden . So mußt du es auch machen , wenn du einen guten Rath von mir annehmen willst . Ich habe dies Leben satt , ich will mich verändern . « » So ist es also wirklich wahr ? « fragte lachend der Theaterfriseur , der heran geschlichen war . » Die schönen Tage von Aranjuez sind also wirklich vorüber ? Ich hatte immer noch gehofft , Therese . « » Auf was denn , Sie - Affe ! Ich versichere Sie , Fritz , Sie allein können Einem das Leben hier unleidlich machen . « » Ach , der glückliche Berger ! « erwiderte Friz seufzend . » Haben Sie vielleicht die Ehre von ihm gekannt zu sein ? « fragte trotzig die Tänzerin . » Ich kaufe meine Cigarren bei ihm , auch zuweilen Kaffee und Zucker . « » So erhalten Sie uns auch ferner Ihre Kundschaft ! « lachte die Tänzerin spöttisch ; und damit rauschte sie trällernd in das Nebenzimmer . Hier befanden sich Clara und Marie in ihrer Ecke , und die erstere sprach mit ihrer guten und lieben Stimme , wie es schien , Worte des Trostes zu ihrer Collegin . Wenn man aber das andere Mädchen sah , wie es heute da saß , ein Bild des Jammers und der Verzweiflung , so hätte das härteste Gemüth nicht umhin gekonnt , sich theilnehmend zu erkundigen , was ihr fehle . Ihr dunkles Haar hing aufgelöst über ihren Nacken und ihre Schultern bis auf ihren Schooß herab , so tief hatte sie den Kopf gesenkt . Dabei hielt sie die Hände gefaltet , und nur zuweilen zuckten diese zusammen , wenn nämlich von den heißen , schweren Thränentropfen , die unablässig ihren Augen entquollen , auf ihre Finger niederfielen . Diesem Zucken folgte ein schwerer Seufzer , ein Stöhnen , und dann sank sie noch tiefer in sich zusammen . » Es ist Zeit , liebe Marie , « sagte Clara mit sanfter Stimme , » daß du dir dein Haar machen läßt . Richte den Kopf ein wenig auf , daß ich deinen Scheitel gerade herstelle . - O , hör ' auf zu weinen ; das thut mir in der Seele weh . - Oder sprich wenigstens zu mir . - Setzest du denn gar kein Vertrauen mehr in mich ? « » O doch ! - o doch ! « brachte Marie mühsam hervor ; » aber du würdest mich doch nicht verstehen . Gewiß , gute - gute Clara , du kannst mich nicht verstehen . Danke Gott , daß es dir unmöglich ist ! « » Ja , das begreife ich in der That nicht , « erwiderte die Andere , » denn wenn ich Kummer habe , so ist es mir eine Wohlthat , mein Herz gegen irgend Jemand ausschütten zu können . « » Mir auch , mir auch , « hauchte Marie . » Du weißt , Clara , daß ich bis jetzt kein Geheimniß vor dir hatte . Aber das kann ich dir nicht sagen . « » So sprich mit Therese , « erwiderte Clara zögernd ; » da kommt sie eben . Du hast etwas auf dem Herzen , das du los werden mußt . Sie wird dir auch dein Haar gern machen ; ich gehe in ' s andere Zimmer . « Marie gab keine Antwort , doch nickte sie mit dem Kopfe , hob ihn dann rasch empor , und als sie Therese bemerkte , die in die Thüre trat , preßte sie , heftiger weinend , ihre Hände vor das Gesicht . - » So - so - so sieht ' s hier aus ? « sagte die Eingetretene , indem sie ihre rechte Hand in die Seite stemmte und mehrmals mit dem Kopfe nickte . » Ist endlich da was vorgefallen ? Nun ja , es wundert mich nicht . « Die Angeredete blickte scheu um sich , und als sie bemerkte , daß Clara fort gegangen war , sprang sie hastig in die Höhe , ergriff die Hand der andern Tänzerin und sagte : » Therese , ich bin verloren ! « » Nun , so schlimm wird ' s gerade noch nicht sein , « entgegnete diese . » Fasse dich nur um Gotteswillen , höre auf zu weinen ! da drüben die Garderobière und der naseweise Fritz haben schon aus der Ecke herübergeschielt . Muß denn alle Welt wissen , daß dir ein Unglück passirt ist ? Setz ' dich ruhig hin und lasse dir dein Haar aufstecken ; während dem kannst du mir erzählen , was du auf dem Herzen hast . Aber ohne Vorreden , bitte ich ; ich kann mir ja doch denken , um was es sich handelt . « » Ja , du weißt es , « erwiderte Marie , nachdem sie sich auf ihren Stuhl wieder niedergelassen , » die gräßliche Geschichte , von der ich dir schon gesprochen . « » Halte deinen Kopf still und dann laß mich hören . « » Meine Tante sprach mir also mehrmal und immer dringender von ihm . « » Von dem Heuchler auf der zweiten Gallerie ? « » Natürlicherweise wollte ich sie nicht verstehen , bis sie endlich zornig wurde und sich ganz deutlich erklärte . Ich sollte verkauft werden oder war es schon ; wie flehte ich sie an , mich in Frieden zu lassen , wie stellte ich ihr das Unglück vor , das über mich hereinbrechen würde ! - Sie lachte mich aus , als ich ihr von Richard und von meiner Liebe zu ihm sprach . Das wären Kindereien , sagte sie , und ich solle mir nicht einbilden , daß sie mich als hilfloses Kind aufgenommen , daß