kurzsichtigen Eiferer irren ! « » Nein , liebe Geschwister und Freunde , die Maschinen sind ein Segen Gottes , eine Wohlthat für die Menschheit ! Ihre Beibehaltung , ihre Vermehrung und Verbesserung muß der Wunsch jedes Biedermannes sein ; allein man muß sich ihrer nur bedienen zur Befreiung , nicht zur Unterjochung der arbeitenden Klassen ! Leider ist letzteres so häufig geschehen und geschieht noch täglich in der gesammten civilisirten Welt , daß die Verwünschungen derer gerechtfertigt scheinen , die in den Maschinen den Untergang des Volkes erblicken . Dies muß anders werden ! Aufgeklärte , humane Männer müssen dem Unfuge steuern , welchen gemeine Eigenliebe und brutaler Speculationsgeist mit einer der größten Segnungen , die das Genie des Menschen der Erde geschenkt hat , treiben . Der Maschinenbesitzer muß - gebe Gott , daß wir bald diese Zeit erleben - durch ein Staatsgesetz gezwungen werden , diese Hebel der Kraft zur Erleichterung der Arbeit zu benutzen und diejenigen , welche mittelst der Maschinen ein ungleich größeres Mehr von Arbeit liefern , auch ein Theilhaben zu gönnen an den Vortheilen dieses Mehr ! Der Maschinenbesitzer , der Fabrikant , darf nicht allein den Gewinn einstreichen , es muß eine verhältnißmäßige , vernünftige Theilung zwischen ihm und seinen Arbeitern stattfinden ! Geschieht dies , dann wird die Noth , die Armuth , die Unzufriedenheit , das Laster sich mindern im Volke ! Dann wird der Arbeiter die Erfindung der Maschinen segnen , seinen Arbeitsherrn lieben und verehren , ihm treu und ergeben bleiben mit inniger Liebe , mit und für ihn dulden ohne Murren ! « » Und dahin , geliebte Geschwister und Freunde , dahin muß es kommen ! Darauf laßt uns hinwirken ! Damit laßt uns einen Anfang machen ! « Alle Versammelten jauchzten Aurel Beifall zu und erhoben sich von ihren Sitzen . » Ich schlage vor , « fuhr der Kapitän fort , » und mache es meinem Bruder Martell zur unerläßlichen Bedingung , daß er seinen Arbeitern den Arbeitslohn verdoppele , daß er ihnen außerdem einen Antheil am Gesammtgewinn sichere , diesen Antheil aber nicht in baarem Gelde auszahle , sondern blos verzinse , damit zu größerem Nutzen das Betriebskapital nicht allein ungeschmälert bleibe , sondern auch von Jahr zu Jahr sich mehre ! Dadurch werden dem Fabrikherrn nicht die unerläßlichen großen Geldmittel , dem Arbeiter nicht der kleine Vortheil , den er beanspruchen darf , entzogen . Auf Verlangen wird den Arbeitern am Schlusse des Jahres , Rechenschaft abgelegt über den Stand der Sachen , und je nachdem die Geschäfte sich verbessert oder verschlechtert haben , die Theilnahme der Arbeiter am Gewinn geregelt . Der Arbeitslohn aber darf den Arbeitenden nie und unter keiner Bedingung verkürzt werden , damit sie stets ein menschliches Leben führen können und nie erniedrigt werden zu willenlosen Sclaven ! - Bist Du bereit , Martell , unter diesen Bedingungen die fernere oberste Leitung der Fabrik zu übernehmen ? « » Ohne Bedenken ! « sagte Martell . » Ich will ein Mensch sein unter Menschen , nicht ein Despot unter Sclaven . Lieber will ich verhungern ! « » Dann bin ich zu Ende , meine Lieben . Vollbrecht , der fleißige , gewissenhafte und umsichtige Geschäftsführer unseres verstorbenen Bruders ist bereit , dem kaufmännischen Theile des Geschäfts wie bisher vorzustehen . Seine Rechtlichkeit ist eben so anerkannt , wie seine milde Gesinnung . Alle Arbeiter lieben und vertrauen ihm . Sie werden auch seinen Worten Glauben schenken , wenn er am Schluß des ersten Jahres ihnen Rechenschaft ablegt und mittheilt , welcher Antheil am Gesammtgewinn ihnen zufällt . « » Seine Rechtlichkeit soll mir Vorbild sein , « sagte Martell . » Was nun mich betrifft , meine Freunde , « fuhr Aurel mit größerer Lebhaftigkeit fort , » so habe ich Lust mein altes Leben wieder zu beginnen . Unsere überseeischen Verbindungen und Besitzungen verlangen bisweilen einen raschen Inspector . Ueberdies ist mir ein Leben ohne Wagniß und Abenteuer zur Last , denn der ächte Geist der Boberstein , ich hoffe im edelsten Sinne des Wortes , schäumt und tobt in meinen Adern . Daher , Geschwister , Neffen , Freunde , werde ich in diesem Frühjahr wieder zur See gehen . « » Zu Befehl , Herr Kapitän ! « sagte Gilbert , die Thür öffnend und militärisch grüßend . » Ich bin bereit , in jedem Augenblick die Anker zu lichten . « » Du sollst mich begleiten , braver Junge und , verschlingt mich dereinst eine Sturzsee , mein wackerer Nachfolger werden . « » Hurrah ! « schrie Gilbert aus Leibeskräften , wie toll seinen bebänderten Matrosenhut schwenkend . » Es lebe Kapitän Aurel , hoch ! « Alle Anwesenden stimmten in die tolle Lustigkeit des muntern Burschen ein und brachten dem braven uneigennützigen Manne ebenfalls ein Lebehoch . Noch während desselben zeigte sich der Maulwurffänger , der an dieser Verhandlung keinen Theil genommen hatte . Seine Mienen waren traurig , sein ganzes Wesen ernst und feierlich . » Was bringst Du ? « fragte Aurel erschrocken . » Wenn der Herr Kapitän mit Ihren Ge-Geschäften zu Ende sind , « versetzte Pink-Heinrich , » so möchte ich Sie ersuchen , mit Ihren lieben Angehörigen in größter Eile in Martells bisherige Behausung zu kommen . « » Ist ein Unglück geschehen ? « fragte Martell . » Kein Unglück , ach nein , aber Lore säh ' es doch gern , wenn ihr alter Vater Dich segnen könnte , bevor er hinübergeht . « » So plötzlich ? « versetzte Martell » Und ich verließ ihn doch ganz munter heut Morgen ! « » Es ist stiller Sonnabend , « bemerkte der Maulwurffänger , » und da lieben es alte frommgläubige Väter , Abschied vom Leben zu nehmen . « » Nun so laßt uns aufbrechen ! « sagte Aurel . » Bisher ist uns der Tod nur in schrecklicher Gestalt begegnet , sehen wir jetzt , wie er sich einem Gerechten naht