Schenke wimmelt , hieher , und verloren seyd Ihr dann ; noch im Sterben verrathe ich Alles , was ich weiß , und geheim halten will wie der Pfaffe die Beichte , wann Ihr ablaßt von dem Knaben . « - » Brändling , hat Recht ! « fiel der Hornberger ein : » Wegen seiner auf ' s Rad gesetzt zu werden , gelüstet mir nicht . Sag aber an , welche Bürgschaft leistest du für den Buben ? - denn haften mußt Du für ihn mit Haut und Haar ! « - » Das will ich auch , Herr ! « erwiederte der Wirth , von schwerer Angst erlöst , und freier athmend : » Schwören soll der Knabe , daß , wenn er auch etwas vernahm , nichts über seinen Mund gehe , es zu verrathen . « » Gottes Wunder ! « höhnte Zodick : » Was soll uns helfen ein leerer Schwur ? « - » Schweig ! « murrte Reiffenberg : » Dem Kinde da ist ein Eid heilig wie der Tabernakel . « Leuenberg lachte ungläubig , Zodick fletschte verdrossen die Zähne , und Hornberg hielt unterdessen dem Knaben das Kreuz seines Schwerts vor , indem er ihm die Eidesformel vorsprach : » Ich gelobe handlich und festiglich auf dieses Kreuz das des Erlösers Kreuz bedeutet , keiner Seele , die da lebt auf Erden , zu vertrauen , und zu verrathen , was ich in der heutigen Nacht als unberufner Zeuge gehört und vernommen . Verdammt will ich seyn in Ewigkeit , und das schrecklichste Gebrest und Siechthum erdulden in dieser Welt , wenn ich den Eid nicht halte , den ich hier schwur mit aufgehobenen Händen zu Gott , seinem Sohne und allen Heiligen . Amen . « - Der Knabe sprach deutlich und sichtlich ergriffen und bewegt den Eid nach , und zerfloß nach dessen Leistung in Thränen . Reiffenberg nickte , zufrieden gestellt , mit dem Kopfe , und der Hornberger übergab den Buben seinem Vetter Brändling . » Das Letzte für unsre Ruhe und Sicherheit ist noch an Dir , zu thun , « sprach er : » Sperre den Buben ein in Deinen tiefsten Keller , und lasse ihn nicht eher los und ledig , als bis es Zeit geworden ist . Solch kurze Frist hindurch ist ein glatter Aal zu hüten ; warum nicht ein junger Bursche ? So Du redlich unsern Willen thust , sind wir Dir gewogen , alter Brändling . Beim mindesten Versehen hingegen , und bei der kleinsten Falschheit sollst Du der Erste seyn , der den verdienten Lohn erhält . « - Brändling , Treue und Gehorsam gelobend , riegelte vor den Augen der wilden Gäste den Vetter Heinrich , - ein duldsames Lamm , - in das hinterste Gewölbe seines Hauses , und beruhigt suchten die Verbündeten ihr dürftiges Lager . Dreizehntes Kapitel . Ich nehme den angeklagten ungehorsamen Mann hier aus den Rechten , aus dem Frieden , aus den Freiheiten , die Kaiser Carolus gesetzet , Papst Leo confirmiret hat , und von allen Fürsten , Herrn , Rittern , Knechten , Freien und Freischöppen beschworen und geleistet worden , in dem Lande zu Sachsen , und werfe ihn nieder vom höchsten Grade , und thue ihn mit all ' seinen Freiheiten , Frieden und Rechten in des Königs Bann , und strafe ihn mit höchstem Unfrieden und Ungnade , und mache ihn unwürdig , achtlos , rechtlos , siegellos , redelos und unfähig zu allen Rechten und Verfahren , und setze ihn aus nach den Satzungen der heimlichen Acht , und verfalle seinen Hals dem Strange , seinen Leichnam den Vögeln des Himmels und den Thieren der Luft zur Atzung , und befehle seine Seele Gott im Himmel in seine Macht und Gewalt , und erkläre seine Lehen und Gut für heimgefallen ihrem Herrn von dem sie zu Lehen rühren , oder der heiligen Kirche , sein Weib eine Wittib , seine Kinder Waisen ! Der heimlichen Acht Bannfluch auf Haut und Haar . Der arme Heinrich erlebte eine üble Nacht auf dem Spreusack , den die Hand des mitleidigen Vetters ihm zugeworfen hatte , um sich bequemer auf den feuchten Boden des Kellers zu betten . Der Vorfall des Abends schien dem geschreckten Knaben nur ein Fieberbild , wie uns der unruhige Schlummer zuweilen vorführt , allein zu bald nur erinnerte er sich an die Wirklichkeit des Gräuelauftritts , indem er in der Stille der Nacht sich nach und nach aller Reden wieder erinnerte , welche von den bösen Gesellen geführt worden waren , und die er von Anbeginn alle vernommen , ob er gleich in der Todesangst es geläugnet ; denn er war kurz nach dem Eintritt der furchtbaren Männer erwacht , und hatte sich , von einer dem Knabenalter sehr gewöhnlichen Scheu ergriffen , nicht getraut , seine Anwesenheit kund zu geben , und mit Herzklopfen den Augenblick erwartet , in welchem die Schrecklichen gehen würden , bis ihm das Entsetzliche ihres unverholen ausgesprochenen Vorhabens einen tiefen schmerzlichen Seufzer ausgepreßt . Und betrübter noch seufzte er jetzt in seines Kerkers Einöde , weil er Klugheit und Gefühl genug besaß , um das Verderben , das über die Stadt verhängt worden , zu würdigen , und das jammervolle Schicksal der zum Tod bestimmten Bürger voll inniger Wehmuth beklagte . Und der gräßliche Eid vollends , den er geschworen , den ihm der Vetter selbst noch dringend an ' s Herz gelegt ; den er seinem Glauben und Gewissen zufolge , nicht einmal dem Priester im Beichtstuhle entdecken durfte , um nicht hienieden elend zu sterben , und jenseits auf ewig zur höllischen Flamme verdammt zu seyn ! Der Knabe litt unaussprechlich , und zu diesen Seelenleiden noch körperliche Angst . Wenn ein Luftzug durch das hoch gelegne Luftloch hereinstrich , glaubte er das mordgierige Schnauben Zodicks zu vernehmen ; wenn eine Ratte an den Riegeln und Angeln der Thüre emporkletterte , fürchtete er die Annäherung