die Christen zum Sturm . Achttausend Mann , zur Hälfte Kaiserliche , zur Hälfte Brandenburger , jene vom Herzog von Croy , diese vom General von Barfus geführt , bildeten die Sturmkolonne und drangen unwiderstehlich vor . Nachdem die Palisaden erklettert waren , drang man in die Straßen der Stadt ein . Nur Türken und Juden hausten darin , und alles wurde niedergemacht , leider auch Weiber und Kinder . Die Türken steckten weiße Fahnen aus , zum Zeichen , daß sie bereit seien , sich zu ergeben , aber die Stürmenden rissen die Fahnen nieder und ließen alles über die Klinge springen . Vergebens mühte sich der Herzog von Lothringen , dem Gemetzel ein Ende zu machen ; neuntausend wurden erschlagen ; ein Rest von Janitscharen , der sich in das feste Schloß gerettet hatte , kapitulierte am andern Tage . Unter diesen , da sein Tod nicht gemeldet wird , befand sich mutmaßlich auch Abd ur Rahmân selbst , ein geborner Schweizer mit Namen Coigny . Schon während der Belagerung war er von einem in die Stadt geschickten Parlamentäroffizier namens Wattenwyl als Landsmann erkannt worden . Auch die brandenburgischen Oberoffiziere waren bemüht gewesen , dem Blutvergießen Einhalt zu tun , und hatten durch ihr Dazwischentreten gerettet , wo noch zu retten war . Aber nur in einzelnen Fällen war es ihnen geglückt . General von Barfus rief zwei Türken Pardon zu , welche wie Verzweifelte sich wehrten , und brachte sie dem Kurfürsten als die Tapfersten nach Berlin . Schöning dagegen hatte das Glück , zwei schöne Türkinnen , noch Kinder , den Händen der alles niedermachenden Soldaten zu entreißen . Was aus dem älteren Mädchen geworden , entzieht sich unserer Kenntnis ; die jüngere aber wurde , unter Beibehaltung ihres türkischen Namens , Fatime getauft und von Schöning , der sie mit nach Tamsel nahm , sorgfältig erzogen . Fatime kam später nach Warschau , wo sie ebenso sehr durch ihre blendende Schönheit wie durch das romantische Interesse ihres Geschicks aller Augen auf sich zog und ein Glanzpunkt der Gesellschaft wurde . Unter ihren Bewerbern war auch König August , dem sie lange widerstand , bis sie endlich dem Grafen Rutowski das Leben gab . Fatime vermählte sich später in die Spiegelsche Familie ; ihr Sohn Rutowski aber stieg bis zum sächsischen Feldmarschall und ist , wenn wir nicht irren , derselbe , der bei Ausbruch des Siebenjährigen Krieges gezwungen war , bei Pirna zu kapitulieren . 56 Doch wir kehren zu Schöning und dem Türkenkriege zurück . – Die Beute , welche in Ofen gemacht wurde , war überaus groß . Namhafte Summen von Dukaten und Zechinen , sowie Edelsteine und orientalische Perlen fielen den Siegern in die Hände . Unter den fünfhundert großen Geschützen , die man eroberte , befand sich auch eine vierundzwanzigpfündige Schlange mit dem brandenburgischen Wappen , die nun dem Führer des brandenburgischen Hilfskorps als Trophäe zurückgegeben wurde . Außerdem überbrachte Schöning dem Kurfürsten einen türkischen Roßschweif und ein paar tatarische Pauken , Siegeszeichen , die sich bis auf diese Stunde im Berliner Zeughause vorfinden . Der Rückmarsch ging abermals durch die Jablunka und am 7. Dezember trafen die Brandenburger wieder in ihrer Heimat ein . Sie hatten unzweifelhaft mit großer Tapferkeit gefochten ( fast die Hälfte war vor Ofen geblieben ; 30 Offiziere tot und 61 verwundet ) und die Türken gaben ihnen deshalb den Beinamen » Feuermänner « . Zugleich brachten sie das Sprichwort in Umlauf : » Der steht wie ein Brandenburger « . Schöning aber , von seinem Landesherrn reichlich geehrt , empfing ebenso vom Kaiser Leopold mannigfache Beweise seiner Huld , darunter einen mit Diamanten besetzten Degen von großem Wert . Wir nähern uns nun jener Epoche im Leben unseres Helden , die durch einen kleinen , scheinbar geringfügigen Vorfall den Namen desselben ungleich bekannter gemacht hat , als aller Glanz seiner Siege zusammengenommen . Ich meine seinen Streit mit General Barfus . Das Persönliche ist immer das Siegreiche . Die Schlachten und Belagerungen sind vergessen , oder doch halb vergessen , aber bis diesen Tag lebt in Barnim und Lebus das Sprichwort fort : » Die hassen sich wie Schöning und Barfus . « Wir wollen erzählen , wie es zu diesem Hasse kam . Schöning war ein Glückskind und hatte , freilich nicht ohne großes persönliches Verdienst , seine Karriere über die Köpfe anderer Leute hin gemacht . Er war sechs Jahre jünger als Barfus und ihm doch immer um sechs Jahre voraus . Das ergab eine Differenz , oder wenn man so will , eine Ungerechtigkeit von zwölf Jahren . Der einundfünfzigjährige Barfus hatte vor Ofen unter dem fünfundvierzigjährigen Schöning gestanden , und zu der natürlichen Bitterkeit , die sich einfach schon aus diesen Zahlen ergeben konnte , mochte sich bei Barfus die Betrachtung gesellen , daß ihm die grobe Arbeit des Belagerns und sich Herumschlagens , dem Oberstkommandierenden aber das Vergnügen des Repräsentierens , des Dinierens im herzoglichen Zelt und schließlich die Entgegennahme eines mit Diamanten besetzten Degens zugefallen sei . Jetzt drittehalb Jahre später , im Sommer 1689 , standen beide Generale ebenso am Rhein , wie sie damals an der Donau gestanden hatten , d.h. Schöning war abermals dem Barfus um einen Pas voraus , und wiewohl ein vorliegender Bericht aus jener Zeit eigens mit den Worten beginnt : » Es hat der Generalleutnant von Barfus dem General-Feldmarschall-Leutnant von Schöning bisher jedesmal den gebührenden Respekt gegeben « , so wagen wir doch , ohne das Gemeldete geradezu bestreiten zu wollen , die Vermutung , daß dem Barfus dieser » gebührende « Respekt in seinem Herzen sehr schwer und die Bezeugung desselben um eben deshalb etwas eckig geworden sein wird . Das Hauptkriegsereignis im Sommer des genannten Jahres war die Belagerung des von den Franzosen besetzten Bonn . Ehe die Brandenburger unter des Kurfürsten und Schönings Führung energischer vorgehen konnten , war ein Zurückdrängen der Franzosen aus den kleineren Plätzen , die in der Nähe von Bonn lagen , nötig . Es