ein Buch entgegen . Das Buch zitterte durch die Luft . Das war ein wüster Blick in dem Auge , sein letzter , das war ein Schrei aus tiefer Brust , auch sein letzter : » Weib ! es ist falsch - Alles falsch ! « » Alles ist falsch ! « antwortete sie tonlos . Er hatte nicht mehr die Antwort gehört . Er lag auf der Diele , er hatte ausgelitten . Der Kater war vom Tisch gesprungen und bäumte sich über den Leichnam . Die Geheimräthin irrte in der Stube umher und konnte den Spiegel nicht finden . Als sie ihn gefunden , konnte sie nichts drin sehen . Sie rieb und rieb , aber der Spiegel blieb blind . » Mein Gott , ich muß doch die Wahrheit sehen ! « rief sie und suchte nach einem Tuche . Jetzt meinte sie , der letzte Hauch sei abgerieben . Sie sah sich und sie sah sich nicht . » Allmächtiger - ! « schrie sie auf und presste die Hände über ihren Scheitel . Diese Bewegung sah sie , aber sonst nur Umrisse . Umsonst quollen die Augäpfel aus den Höhlungen hervor . Mit einem neuen , entsetzlichen Schrei fuhr sie zurück . Die Gestalt im Spiegel fuhr auch zurück : » Ich bin ja hohl ! « Es war ein heulender Ton . Ihr Diener fand sie nachher halb auf der Erde liegend , den Kopf aufs Sopha gefallen . Sie sträubte sich verzweifelt , als man sie ins Bett bringen wollte und rief einmal über das andere , man werde gewiß nichts finden . Vierundsiebenzigstes Kapitel . Ein treuer Freund seines Herrn . Noch lag ein offizieller Schleier über der nächsten Zukunft , aber er war so durchlöchert , daß wer nur das Auge aufriß , durchsah . In Paris war der Rheinbund gestiftet und Preußen war nicht dazu geladen , ja es hatte noch nichts davon erfahren . Die Fürsten , welche an der Leimruthe saßen , auffliegen konnten sie nicht mehr , aber frei mit ihren Flügeln flattern , und der Großmüthige hatte sie dafür entschädigt mit den Beutestücken in seinem Netze , mit den freien Städten , den Gütern der Stifter , Klöster , der Reichsritterschaft , mit der Souveränität im eigenen Lande . Frei , von Niemand behindert , durften sie mit den Flügeln Die schlagen , die darunter ein Recht hatten auf Schutz . Ihre Rechte , die besiegelt standen in allen Verträgen , waren durch einen Federstrich ausgelöscht . Und die duftende Zeitungsphrase des Moniteurs sagte : » Des Kaisers Absichten hätten sich hier wie immer mit den wahren Interessen Deutschlands übereinstimmend gezeigt . « - Und wohin sollten sie schreien , wohin Hülfe flehend die Arme strecken ? Der Kaiser hatte die römische Kaiserwürde niedergelegt , » da er außer Stande sei , seine beschworenen Pflichten gegen das Reich zu erfüllen . « Wo war das Reich , wo das deutsche Volk ! Osterreich , des langen , ehrenwerthen Kampfes müde , hatte sich in sein Schneckenhaus gezogen , das halbe Reich hing im Netz des Eroberers , und nur Preußen stand allein im Winkel , ohne den Muth , ohne den Beruf , ohne die Mittel . Das fühlte Jeder in Preußen . Wenn eine Ueberzeugung auf dem trocknen Boden aufschießt , von dem wir reden , so haben Spötter behauptet , daß sie , wie ein Unkraut , das die Wolken säen , plötzlich die Felder überwuchert , oder wie ein Haidebrand über Berge und Thäler sich ergießt . Dann ist kein Widerstand mehr . Aber jeder Fanatismus berührt in der Regel nur gewisse Kreise , nur die an der Straße Wohnenden , die auf den Höhen Sichtbaren . Die in den tiefen Niederungen nur sich selbst leben , unbekümmert um was nicht ihre nächste Sorge angeht , berührt er nur selten . Aber der Fall war hier . Des Herzogs von Enghien Aufhebung und Füsillade hatte nur die politisch Denkenden und Fühlenden getroffen , was gehen den guten Bürger Staatsakte an ! Darum haben sich Die zu kümmern , die dazu geboren sind , oder dafür bezahlt werden . Aber daß er den Buchhändler Palm in Braunau erschießen lassen , berührte das Gefühl des Menschen , sogar den Gedanken des Bürgers . War Palm nicht ein Bürger , eingeschrieben in die Bürgerrolle , der ruhig seinem Verdienste nachgegangen und ruhig seine Abgaben gezahlt hatte ? Was ging ihn die Schrift an , die er verlegt , und noch dazu starb er den Heldentod , weil er Den nicht nennen wollte , dem er sein Wort gegeben zu schweigen ! Das konnte Jedem » passiren ! « Ist ein guter Bürger da , um den Heldentod zu sterben ! Es war ein Brand , der durch alle Glieder ging , vom Wirbel bis zur Zeh . Die Entrüstung fand keine Worte dafür , und je gebundener die Meinung in dem andern gefesselten Deutschland war , so lauter sprach sie sich in Preußen aus . Man fühlte , was Freiheit war , und fing an zu begreifen , daß sie ein Gut , ein heiliges Menschenrecht ist . Zur Unterstützung der Familie des ermordeten Mannes wurden überall im Lande reiche Sammlungen veranstaltet , und die Regierung schritt nicht ein , weder aus Furcht vor dem Kaiser , noch wegen unbefugten Kollektirens . So sah es in den Bürgerhäusern aus . Wie es in den Palästen der Großen , in den Hotels der Minister aussah ? In dem des neuen Ministers saß in dem Zimmer , das wir schon kennen , Walter van Asten am Schreibtisch . Aber die Flügelthüren waren zu dem neben anstoßenden Audienzsaal geöffnet , wo der Regierungsrath von Fuchsius auf und ab ging . Zuweilen blätterte er in Schriften , zuweilen trat er zu dem neuen Sekretair , um Bemerkungen mit ihm zu wechseln . Er wartete auf eine Audienz und hatte schon lange gewartet , der Minister war in den oberen Zimmern