Es ist stiller Sonnabend , jener Tag vor Ostern , den der Landmann fromm und ernst zu verleben pflegt . Alle noch lebenden Glieder der Familie Boberstein mit Ausschluß von Adalbert und Beatrice sind auf der ehemaligen alten Stammburg versammelt . Aurel hat den verheißenen Brief von seinem Bruder erhalten , dessen Inhalt er den Versammelten mittheilt . Dieser Brief lautete : » Mein theurer Bruder , Durch den schnellen Hintritt unseres Bruders Adrian sind der Familie eine beträchtliche Anzahl Güter zugefallen , über deren Vertheilung wir uns in jener schönen Eintracht berathen wollen , die ferner unter uns obwalten soll . Als dem Nächstältesten in der Familie fällt Dir Boberstein nach Recht und Gesetz zu und mit Freuden sehe ich es in Deine Hände übergehen . Damit aber nicht in späterer Zeit wieder ein unglücklicher unser Geschlecht in Zank und Streit und Feindschaft verwickelnder Prozeß darüber entstehen möge , wünsche ich , daß unsere lieben Halbgeschwister von Dir entschädigt werden . Ich meines Theils verzichte auf alle Theilnahme an der Erbschaft . Ich besitze genug , um zufrieden und glücklich leben zu können . Da man Dir von jeher ein großes Zutrauen bewiesen hat , wird es für Dich nicht schwer sein , die verschiedenen gesetzlichen Miterben zu befriedigen . Wie Du dies thun willst , bleibe Dir ganz allein überlassen ! « » Adrians Tod hat mich so heftig angegriffen , daß ich mich durch eine Reise zerstreuen muß . Ich werde nach dem Orient gehen , dessen hohe Eigenthümlichkeit , dessen mysteriöse Ueberreste alter Kunst mich immer wunderbar angezogen haben . Beatrice begleitet mich . So genußreich , belehrend und bildend unstreitig eine solche Reise ist , so viele Gefahren bietet sie auch dar . Wer dergleichen unternimmt , muß zuvor mit dem Leben abschließen , muß auf ewig von seinen Lieben Abschied nehmen und sich betrachten als einen Todten . Darum , geliebter Bruder , wirst Du mir verzeihen , wenn ich Dir gegenwärtig mit gerührtem Herzen zurufe : Lebe wohl , lebe wohl auf ewig ! Gott weiß , ob wir uns je wieder sehen in diesem Leben ! Lebe wohl und grüße die Lieben , die wir vor Kurzem als unserer Familie zugehörig haben kennen gelernt ! Ich wünsche ihnen recht viel Gutes und daß sie Freude an ihren Kindern erleben mögen ! Gott , der sie Alle so wunderbar geführt hat , beschirme sie auch fernerhin ! « » Wenn Du diese Zeilen erhältst , bin ich schon weit von Dir ! Ich habe dies vorgezogen , damit Du mich nicht mit Einwendungen bestürmen und mich wankend machen mögest in meinem Entschlusse ! Die Verwaltung meiner Güter ist treuen und zuverlässigen Händen übergeben . Nochmals , lebe wohl ! Im Leben und im Tode , in der Nähe und Ferne immer Dein treuer Bruder Adalbert . « Aurel ward von diesem Schreiben sehr unangenehm berührt . Adalberts Reise sah vollkommen einer Flucht ähnlich , einer Flucht , zu welcher sich der stolze Aristokrat blos deshalb entschlossen hatte , um nie wieder mit denen in Berührung zu kommen , die er als seine Blutsverwandten hatte annerkennen , denen er die Hand zur Versöhnung hatte reichen müssen ! Aurel fühlte , daß diese vornehme Freundlichkeit blos Maske war , und daß Adalbert im Herzen noch eben so grollte , wie früher . Indeß war dem Scheine genügt . Die Versöhnung war geschehen , ein freundliches Verhältniß unter den Geschwistern hergestellt , und so mußte Aurel schweigen und die Betheuerungen des geflüchteten Bruders als aufrichtig und wahr gelten lassen . Er wendete sich darauf zu den Versammelten und sagte : » Liebe Geschwister , Vettern und Verwandte ! Als rechtmäßiger Erbe dieser Besitzungen steht mir das Recht zu , über dieselben zu verfügen , wie ich es für gut und zweckmäßig halte . Ich bin kein Fabrikant , kein Kauf- und Handelsherr , ich bin nur ein schlichter , grader Seemann , dies aber mit Herz und Seele ! « » Bravo ! « rief Gilbert aus , der an der halboffenen Thür hochte . » Jetzt bläht eine frische Brise doch endlich wieder die Segel . « » Daraus folgt , « fuhr Aurel fort , » daß ich diese Fabrik , der wir die Wiederkehr unseres ehemaligen Wohlstandes zu verdanken haben , nicht leiten kann , ohne ihr zu schaden , ohne vielleicht das ganze Geschäft zu zerstören und damit die Quelle unseres gemeinsamen Glückes zu verstopfen . Es ist daher , sofern Niemand Einspruch thut , mein Wille , daß statt meiner unser ältester Bruder Martell nicht blos die Leitung der Fabrik antrete , sondern auch Boberstein mit allen Pertinenzien als wirklicher Erbe übernehme ! « » So soll es sein ! « sagten sämmtliche Anwesende , wie aus einem Munde und reichten dem neuen Besitzer der großen Herrschaft , der schweigend in ihrer Mitte saß , die Hände . » Unter Martells Leitung , « sprach Aurel weiter , » wird die Fabrik gedeihen und blühen , allein ich habe noch einen andern wichtigen Vorschlag zu machen , worüber ich Eure Meinungen zu hören wünsche . Um ihn zu rechtfertigen , muß ich etwas weit ausholen . Ich erbitte mir also für einige Zeit Eure ungetheilte Aufmerksamkeit ! « » Es gibt eine sehr große Anzahl Menschen , welche der Ueberzeugung leben die Erfindung der Maschinen und deren Verwendung in den verschiedenartigen Fabriken sei ein unerhörtes Unglück für das gesammte Menschengeschlecht . Seit man sich ihrer bediene , nehme Armuth , Elend , Hunger , Kummer und Verbrechen unter den niedern Ständen des Volkes auf eine wahrhaft entsetzenerregende und staatsgefährliche Weise überhand ! Es sei daher Pflicht jedes wahren Menschen- und Volksfreundes , mit aller Kraft auf Abschaffung der Maschinen zu dringen , den Armen neue Arbeit und hinreichenden Verdienst zu verschaffen und ihnen somit wieder zu geben den alleinigen Besitz , der ihnen geworden ist , das Kapital des Fleißes ihrer Hände ! - Diese Leute , diese wohlmeinenden , aber