tiefer Seufzer an ihr Ohr . Wild fuhren sie in die Höhe , der Eine nach der Thüre , der Andere nach dem vergitterten Fenster . Zodick jedoch hatte das geübteste Gehör und suchte hinter dem Kachelofen nach dem verborgenen Zeugen ihres Gesprächs . Eine Knabe von zwölf bis dreizehn Jahren lag dort auf der Ofenbank , und hatte sich furchtsam zusammengekauert , da Zodick mit allen Zeichen der Überraschung und Wuth an ihn herantrat . - - » Verflucht seyen die Brüste , die Dich säugten , niederträchiger Goi ! « sprudelte der Jude , und spie dem Knaben seinen Geifer in ' s Angesicht : » Für Dein Ohr muß zahlen Dein Hals ! « - Mit keckem Schlächtergriff packte er den armen Jungen bei der Kehle und zerrte ihn aus dem Winkel nach dem Tische , auf welchem sein Messer lag . Der Knabe , mit dem Ersticken kämpfend unter der riesigen Faust des Elenden vermochte nur ein krächzendes Gestöhne hervorzubringen , und sich mit der Gewalt der Todesangst an den Fußboden und die Kniee des Mörders anzuklammern , so daß dieser , einige Schritte vom Tische entfernt , und den Hals seines Opfers , - um es stumm zu machen , - nicht lassend , nicht von der Stelle konnte , und von dem Reiffenberg schäumend den Dolch verlangte . - Dieser weigerte sich dessen , und behauptete , der Junge müsse zuvor reden , und - müßte er sterben - zuvor auf alle Fälle noch beten dürfen . Leuenberg widersprach dieser Regung von menschlichem Gefühl ; Hornberg dagegen , obgleich der Wildeste unter Seinesgleichen sprang auf des Reifenbergers Seite , und begehrte von Zodick , er solle den Buben loslassen . - » Gott soll mich strafen an Leib und Seel ! « rief er , da der Jude verneinte ; » ich haue Dir die Faust vom Rumpfe , wenn Du nicht Deine Krallen von dem Buben lässest . Dir aber , Bube , befehl ich , alles Geheul und Wehklagen von dannen zu lassen , und fein leise und still mir zu sagen , wie Du hieher gekommen . Beim ersten Schrei fährt Dir mein Stahl in die Gurgel ? « - Zodick ließ zitternd vor Wuth und Grimm dem Buben ein wenig Luft , und der Arme schleppte sich dumpfwimmernd zu den Füßen des Hornbergers , obgleich ihn Zodick noch immer fest hielt , wie ein Fanghund die angeschossne Beute . Reiffenberg suchte indessen den von Leuenberg zu begütigen . Auf Befragen des Hornbergers berichtete der Knabe schluchzend : » er sey Brändlings Vetter Heinrich , von ihm an Sohnsstadt aufgenommen , und zur Küfnerei bestimmt . Er sey verwichne Nacht als Aufwärter bei einem Benderschmauße gewesen , und müd zum Tode heimgekommen . Nach dem Mittagimbiß habe er noch seine Hausarbeit verrichtet , sey dann in diese Stube gedüsselt , und auf der Ofenbank eingeschlafen , auf welcher er vor einigen Augenblicken erst erwacht . Er betheuerte , von dem Gespräch der Herren nicht das Geringste vernommen zu haben , und bat um Vergebung und um sein Leben . « - » Der Bube lügt , wie ein Schelm ! « rief Zodick dazwischen : » Seht doch , wie er wird roth bei jedem Wort . Der ist cochem wie ein Fuchs . Darum nieder mit ihm . « - Er krallte seine Faust wieder um den Knabenhals , und zuckte das Messer . - Der Hornberg zuckte die Achseln , und wendete sich ab . Reiffenberg fiel dem Juden in den Arm , und sprach : » Blutunke ! bedenke doch ... das Geschrei des Knaben , sein Röcheln , man wird es vernehmen ... die Folgen ... ! « » Sorgt nicht ! « spottete der Jude : » ich verstehe es , wie man schächtet , ohne daß das Lämmchm schreit ! « und wieder zu Boden warf er den Knaben , als mit einemmal die Thüre aufging , und Brändling hereintrat , der weiß vor Angst und Entsetzen wurde , da er seines Vetters Bedrängniß sah . - Wie ein wüthender Mensch sprang er auf den Juden zu , zerrte ihm sein Opfer aus der Faust , und fragte mit blauen bebenden Lippen nach der Ursache solch grausamen Verfahrens . Ein Wort des Hornbergers reichte hin , ihm Aufschluß zu geben , und seinen Mund zur flehenden Bitte zu öffnen . » Ach ihr Herren , « seufzte er : » verlangt Alles von mir , nur nicht , daß ich in diese that willigen soll . Der Bube ist mein leiblicher Schwestersohn , ein guter Bursche , ohne Trug und Falsch , und - ohne Ruhm zu melden , - weit besser als wir alle sammt und sonders sind . Nimmer könnt ' ich mir vergeben , hätte ich meinen Schwestersohn umkommen lassen in Gefahr . Seyd nur dießmal barmherzig , ihr Herren , und Gott wird Euch um so reichlicher segnen , in dem was ihr vorhabt , und mir einen doppelten Theil zuwenden . « - » Heuchle keine Menschlichkeit , du krummer Katzenbuckel ! « schalt der von Leuenberg : » Der Bube hat uns behorcht , und fort muß er . « - » Und den Talles bekömmst auch Du , wenn Du ihn nicht gibst heraus , den Horcher ! « fügte der Jude bei , und griff abermals nach dem Knaben . Brändling bewies aber durch die Heftigkeit , mit welcher er den Knaben in die Arme schloß , wie sehr es ihm Ernst sey , um das , was er vorhin gesagt , denn er riß den zitternden Heinrich zu der Thüre hin , drückte die Faust auf die Klinke , und sprach mit der klanglosen bebenden Stimme des auf ' s höchste Gereizten : » Versuchts , ihr Herren ! versucht ' s ! Stecht mich zusammen , aber im Fallen reiße ich die Thüre auf , und mein Gebrüll ruft die Schifferknechte , von welchen die