dem kleinen Schranke stehen . Eine reiche , schwarze Locke nahm die eine Seite der Kapsel ein . » Der Seele meiner Seele ! « war in italienischer Sprache in den kleinen Mittelraum hineingeschrieben . Die andere Seite wies das Bildniß eines schönen Mannes in militärischer Kleidung - und der Freiherr kannte diesen Mann . Es war Graf Mariano , der Oberst der italienischen Nobelgarde , der nach dem ersten Kriege Monate lang als Verwundeter im Schlosse und dem Freiherrn ein willkommener Gesellschafter und Gast gewesen war . Ein dumpfer Schmerzenslaut entrang sich der Brust des Greises . Er raffte eilig zusammen , was er von Papieren vor sich liegen fand , und verließ das Gemach . Im Vorsaale kam ihm Vittoria entgegen , und der Knabe lief auf ihren Antrieb auf ihn zu . Er stieß ihn von sich , daß das Kind zur Erde fiel . Was ist geschehen - im Namen Gottes , was ist geschehen ? rief Vittoria , da sie die Verstörtheit ihres Gatten bemerkte ; aber er antwortete ihr nicht . Die Papiere und die Kapsel , welche sie in seiner Hand sah , sagten ihr Alles . Die erschrockene Wärterin führte Valerio fort , Vittoria blieb mitten in dem Vorgemache stehen . Ihr Kopf hob sich stolz in die Höhe , ihre Brust athmete tief ; trotz ihrer kleinen Gestalt sah sie mächtig aus , mächtig und entschlossen , und wie von einer schweren Last befreit , rief sie : Endlich ! Jetzt endlich bin ich frei ! Fünftes Capitel An dem Sonntage , welcher diesen Ereignissen folgte , segnete der Caplan in seinem Zimmer seine Chorsänger und einen katholischen Diener des Freiherrn für ihren Feldzug ein und ertheilte ihnen das Abendmahl . Man betete auch für den jungen Freiherrn und für das ganze freiherrliche Haus , aber es war Niemand vom Schlosse dabei zugegen . Der Freiherr hatte dem Caplan einen Theil seines Gehaltes und die gewünschte Beisteuer gesendet , die Baronin war eines Tages ganz plötzlich in die Pfarre nach Rothenfeld gekommen und am anderen Tage , trotz ihrer Scheu vor der im Dorfe verbreiteten Krankheit , noch einmal wieder dahin zurückgekehrt . Den Freiherrn sah man nicht . Es hieß , die Schlaflosigkeit , an der er vor langen Jahren schon einmal gelitten , habe ihn wieder befallen , aber er verweigere , ärztliche Hülfe zu nehmen , obschon er krank aussehe und stundenlang in den Sälen des Schlosses oder , wenn es dunkele , in den Gängen des Parkes umherwandere . Die Einsegnung der evangelischen Freiwilligen fand , weil auch in Neudorf die Kirche voller Kranken lag , auf dem Kirchhofe unter freiem Himmel Statt . Aus allen Kirchspielen und Dörfern der Umgegend waren sie gekommen , Männer jedes Alters und Standes , die Frau an ihres Gatten Seite , der Bräutigam am Arme seiner Braut , die Eltern mit ihrem kaum zum Jünglinge herangereiften Sohne . Die Einen waren schon vollständig bewaffnet , den Andern fehlte die Waffe noch , aber das Feuer der Begeisterung und der opferfreudigen und todesmuthigen Entschlossenheit war Allen gemeinsam , dem Manne wie dem Weibe , den Greisen wie den Jünglingen , den Fortziehenden wie den Zurückbleibenden . Jeder wußte , daß er das Seinige thun müsse in der großen Zeit , und die beiden Männer , der Hauptmann und der Lieutenant der Landwehr , welche in dieser Gegend die Erhebung geleitet und die gemeinsame Einsegnung veranlaßt hatten , sahen in ihren Offiziers-Uniformen nicht am wenigsten gefestet aus . Es war am späten Nachmittage , und der Schatten der Eingesegneten , die sich still und feierlich entfernten , fiel schon lang über den frisch ergrünenden Rasen hin , als der ältere der beiden Offiziere , ein großer , starker Mann , das Landwehrkreuz an seiner Mütze , sich nach dem Ausgange des Kirchhofes wendete . Er mochte der Mitte der Fünfziger nahe sein , ein sechszehnjähriger , gleichfalls bewaffneter Sohn ging an seiner Seite , einen heranwachsenden Knaben führte seine Frau an ihrer Hand , seine Tochter hing an seinem Arme . Die Leute traten von allen Seiten an ihn heran , ihm zum Abschiede die Hand zu geben . Leben Sie wohl , Herr Amtmann , sagten die Alten , die ihn noch im Dienste des Freiherrn gekannt hatten . Leben Sie wohl , Herr Steinert ! riefen die Jungen ; kommen Sie uns gesund wieder nach Hause ! Gott erhalte Sie , Gott erhalte Ihnen auch den jungen Herrn ! Er schüttelte dem Einen die Hand , er klopfte dem Andern auf die Schultern . Auf Wiedersehen , auf Wiedersehen ! entgegnete er ; und wenn in Marienfelde etwas vorfallen sollte , meine Frau weiß sich wohl zu helfen - aber springt doch zu ! Verlassen Sie Sich darauf ! Sie haben ja auch die Zeit her immer zu uns gehalten , und wir zu Ihnen ! Verlassen Sie Sich darauf , Herr Steinert ! erscholl es wie aus Einem Munde . Die Frau hob die Augen auf und wollte lächeln , aber ihr Schmerz war doch noch größer , als ihr opferfreudiger Wille . Die Thränen rollten ihr über das noch blühende Gesicht , und sie bewegte im Unwillen gegen ihre Schwäche das Haupt , die schweren Tropfen unmerklich abzuschütteln . Herr Amtmann , sagte ein alter Bauer , die Mütze in der Hand , wenn Einem von den Unseren hier - Sie kennen sie ja alle - was Menschliches begegnet - meine zwei Söhne und mein Schwestersohn und mein Knecht sind auch dabei .... Er konnte nicht weiter sprechen . Ich behalte sie alle im Auge , so gut wie meinen Jungen da , versicherte Steinert . Ich melde Euch , wie es mit uns Allen steht ; geht nur zu meiner Frau , da werdet Ihr ' s erfahren ! Und nun lebt wohl ! Wir stehen überall in Gottes Hand . - Lebt wohl ! Er hatte Mühe , sich loszumachen und mit Frau und Kindern seinen