.. Es war zwei Uhr . Ich hörte , Lasally wäre bei Schlurck ' s zu Tisch . Anfangs wollt ' ich ihn erwarten . Der alte Levi , Lasally ' s Factotum , erzählte mir , was ich schon wußte : Die Entdeckung des Urhebers eines an drei Pferden verübten Frevels - Durch Kugeln , die ihnen Hackert in die Ohren gleiten ließ ? wiederholte Siegbert , was ihm Dankmar erzählt hatte . Das ist ja entsetzlich ! Siegbert sah das Bild dieser Scene als Maler vor sich . Er stand auf und ging , von seiner Phantasie gefoltert , hin und her ... Komm ! Komm ! rief er . Ich kann mich mit Hackert nicht mehr aussöhnen . Ich sehe diese gemordeten edlen Thiere immer vor mir ! Ich denke mir eine wilde Jagd von Gerippen und Hackert auf diesen Gerippen ... geschleift von ihnen ! Komm ! Komm ! Beruhige dich ! sagte Dankmar . Denke nicht mehr an diese Scene ! Mach ' es wie ich in Lasally ' s Reitschule ... Mich amüsirten die Reitstudien einiger Hypochonder , die ihren Unterleib erschüttern wollten und einigemale kopfüber ihr Gehirn erschütterten . Junge Stutzer kamen mit silbernen Sporen und den elegantesten Reitgerten ; sie setzten sich auf und im Nu war aller Pli , alle Haltung , aller Übermuth hin ; der Mund stand ihnen ängstlich offen und zimperlicher waren sie als zwei allerliebste russische Kinder , die sich in Begleitung eines Bedienten auf den Pferden tummelten . Russische Kinder ? fragte Siegbert . Ein junges Mädchen besonders , in Amazonentracht , war so keck , so gewandt , daß sie sich auf einem gar nicht überzahmen Pferde tummelte und während des Galoppirens auf der Bahn wie eine Kunstreiterin erhob und die halbe Bahn entlang an dem Zügel sich schwenkte und im Stehen sich aufrecht erhalten konnte . Man nannte sie Olga , die Tochter einer Fürstin Wäsämskoi . Siegbert voll stillen Erstaunens lächelte bedeutsam ... Warum lachst du ? fragte Dankmar . Mir wurde himmelangst über das halsbrechende Manöver . Weil ich die Kleine kenne und Rurik , ihren Bruder ... Aber fahre fort ! Ich bin mit meiner Odyssee zu Ende ; sagte Dankmar . Die kleine Russin interessirte mich so lange , bis ich merkte , die Kokette könnte sich , um ihre Reitkünste zu zeigen , mir zu Liebe den Hals brechen . Da ging ich wieder in den Stall , wo mich mehre alte Bekannte , Lieutnant Aldenhoven , Rittmeister von Astern und Andre veranlaßten , mit ihnen auszureiten . Ich ließ bei Levi die Bitte an Lasally zurück , ihn noch heute sprechen zu können und ritt mit den Offizieren . Die Erholung war angenehm , was den Ritt und die Natur , lästig , was die Gespräche betraf . Die politische Reizbarkeit dieser Menschen nimmt in einem Grade zu , daß man mit ihnen nicht mehr verkehren kann . Die Entrüstung , die man über Major Werdeck , der uns heute früh begegnete und den sie an uns vorbeireitend kaum grüßten , weil er für liberal gilt , äußerte , führte fast zu Conflikten mit mir selbst . Doch beherrschte ich mich , da ich der mich drückenden Sorgen genug habe und keine neuen Verwickelungen wünschen kann . Wir verspäteten uns bis gegen acht Uhr . Im Vorbeireiten vor Egon ' s Palais vernahmen wir leider die Nachricht von der traurigsten Verschlimmerung seiner Krankheit , und von Lasally , den ich in seiner Reitbahn fand , mußt ' ich denn eben jetzt auch hören , daß er von seinem Vorhaben gegen Hackert nicht abstehen würde . Die Familie Schlurck , wisse er wohl , wolle alles Aufsehen vermeiden , er wisse wohl , daß sie Hackert schonen möchte , aber er sähe nicht ein , warum er Anstand nähme , daß gewisse Dinge an ' s Tageslicht kämen . Er war dabei so empfindlich , so gereizt gegen Melanie , daß ich fürchten mußte , mit ihm selbst mich zu überwerfen . Seine Bemerkungen über eine gewisse zweideutige Rolle , die ich in Hohenberg gespielt hätte , streiften nahe an ' s Verletzende . So kam ich denn her , um Hackerten zu veranlassen , mit Hülfe seiner hundert Thaler diese Gegend rasch zu verlassen oder mir durch ein aufrichtiges Geständniß aller der Umstände , die sich auf seine Verhältnisse zur Schlurck ' schen Familie beziehen , die Mittel an die Hand zu geben , als Rechtsbeistand für ihn aufzutreten . Kaum hatte Dankmar diese , wie das ganze Gespräch geführt wurde , im halblauten Tone gesprochenen Worte beendet , als sich plötzlich von unten her ein lautes , heftiges Lärmen vernehmen ließ , das von einem Zanke in den vorderen Höfen herzukommen schien . Die Brüder horchten auf . Einige abgerissene Worte konnten wol verstanden werden , aber der Zusammenhang des Streites war nicht gut aus dem Lärm zu errathen . Soviel vernahm man wol , daß es nur eine einzige Stimme war , die allein das vorherrschende Wort zu führen schien und von den Andern mehr beschwichtigt wurde , als in gleicher Heftigkeit erwidert bekam . Indem riß Louise die Thür auf und rief : Um ' s Himmelswillen ! Das ist Hackert ! Glauben Sie ? Diese schreiende , gellende Stimme ? So tobt er im Zorn ! Was ist ihm nur ? Das ist kein Zorn ! Das ist Übermuth ! Hören Sie , er lacht ! ... Er singt ! Die Brüder und das besorgte Mädchen horchten . Der Lärm kam näher . Schon nahmen andere Hausbewohner an ihm Theil . Schon hörte man Ausrufungen , wie : Da hat ihn Einer ! Packt ihn fest ! Laßt ihn nicht los ! So ist ' s recht ! Fallen Sie nicht , Herr Mieths-Fraß ! Alte , dir geschäh ' es auch nach Verdienst , wenn er dir deinen Zopf ausrisse ! Ha , ha , die Hausschlüssel werden wohlfeiler ! Setz ' Sie