der Frau war , die noch immer argwöhnisch von dem ehemaligen Piraten bewacht wurde . Das war es , was die nunmehr sechsundzwanzigjährige Frau ihrem früheren Geliebten und dieser dem General jetzt mittheilte . Grivas sprach ein kurzes Urtheil , obschon dergleichen Gewaltthaten , wie der Seeraub von Frauen , an den Küsten Griechenlands eben nichts Seltenes sind : der Japide sollte erschossen werden ; aber Aphanasia warf sich zu seinen Füßen und bat für das Leben des Vaters ihres Kindes . Auch Caraiskakis erklärte sich auf das Bestimmteste gegen die blutige That . - » Kenamon15 , « sagte der wilde Führer , » Ihr wißt nicht , was Ihr bittet , denn ich wollte Euch von Eurem Tyrannen mit gutem Blei befreien . Der Capitano Delanhi mag selbst über Euch bestimmen , denn Eurem Vater muß ich Euch zuführen , das fordert meine Ehre , obschon er es mit Tzavellas hält und bei Arta steht . Mein Neffe wird Euch nach dem Kloster der armen Heiligen bringen , bis ich Euch weiter geleiten lassen , kann . Für Euer Eigenthum aber wollen wir selbst sorgen , es ist gerecht , daß der Gatte seine Frau ausstatte . « Der General duldete keinen Widerspruch weiter , und um eine blutige That zu verhindern , mußte sich Caraiskakis darein finden , daß die Klephten die Wohnung des Primaten plünderten und die werthvollsten Gegenstände , nachdem die eigenen Taschen bedacht waren , auf einen Esel luden , als das Eigenthum der Frau , die der Machtspruch des Führers geschieden . Dann wurde sie selbst mit ihrem Kinde auf eines der kleinen griechischen Pferde gesetzt und Caraiskakis führte es am Zügel , von dem Rest der Truppe umgeben , zurück nach dem Posten am Kloster , während der General mit den sieben Mainoten sich nach dem Gebirge wandte . Keiner der Bewohner wagte , ihrem Abzug Widerstand zu leisten , denn die langen Flinten der Klephten hatten die friedlichen Schamiden in ihre Wohnungen vertrieben , wo sie sich versteckt hielten . Zu dem wuthknirschenden Japiden , der noch immer gebunden in der Veranda seines Hauses lag , schlich der Papa . » Es ist Dir schlimm gegangen , Freund Petros . Die Vorsicht , mit der Du Dein schönes Weib verborgen , hat Dir wenig genützt , und der griechische Capitano wird diese Nacht an ihrem Busen ruhen . « » Mache mich nicht wahnsinnig , boshafter Kalorgi . Was kümmert mich das Weib , wenn ich mich rächen kann an dem Hunde , der mich bestahl ! Löse meine Bande , Papa , denn meine Seele dürstet nach seinem Blut . « Der Pfaffe nahte ihm vorsichtig . - » Haben die Griechen Dir Alles genommen , Petros ? « » Hältst Du mich für einen Esel , Papa , daß ich mein Geld offen den Räubern hinlege ? Sie haben mir viel gestohlen , aber es bleibt mir genug , um ihr Verderben zu erkaufen . Ich gehe zu Abdi-Pascha nach Janina , und meine Zechinen sollen eine Schaar von Burschen zu meiner Rache sammeln , die gleich den Pagania ' s16 ihrer Spur folgen sollen . « Er streckte ihm die gefesselten Arme entgegen zur Befreiung . » Wenn Ihr mir zwanzig Zechinen gebt , Petros , « sagte der schurkische Priester , indem er langsam die Stricke zu lösen begann , » so will ich Euch ein Geheimniß vertrauen , das Euch volle Rache an Euren Feinden sichert und Euch wieder zu Eurem Weibe und Eurer Habe verhilft . « » Du sollst sie haben . « » Schwört bei der Panagia ! « » Bei der Panagia und bei allen Heiligen , die Du willst . « » Wohl ; ich weiß , daß Ihr in Gunst steht bei dem Pascha , aber die Nachricht , die Ihr ihm bringen könnt , wird diese Gunst noch erhöhen . Ihr wißt , daß ich für den Griechen in Metzovo war , ich mußte den Weg machen , denn der Diakon des Klosters hatte mir den Auftrag gesandt und ich wurde bezahlt dafür . Aber ich habe unterwegs den Brief gelesen , den mir der verkleidete russische Offizier in Metzovo gab , und weiß , was ich weiß . Ihr gebt mir die zwanzig Zechinen , Petros , und theilt den Lohn mit mir , den Euch der Pascha dafür giebt , daß Ihr die Feinde in seine Hände liefert ? « » Du sollst es haben , Papa , ich schwöre es Dir mit sieben Eiden ! « » So laßt uns Beide eilig auf den Weg machen nach Janina , denn jeder Augenblick ist kostbar ! « Durch den Hain duftiger Citronen und rother Granaten , der den südlichen Abhang von Janina bedeckt , schlenderte der Knabe Mauro hinter einigen Seidenarbeitern d ' rein , deren kunstvolle Webereien noch heute eine Haupterwerbsquelle der seit Ali ' s Tode auf die Hälfte ihrer Einwohnerzahl heruntergekommenen einst so blühenden Stadt bilden . Sie kamen von den Plantagen der Maulbeerbäume , die mit Citronen und Oliven den südlichen Gürtel der Stadt außerhalb der Ringmauern bilden . Denn wenn auch die griechischen Insurgenten kaum anderthalb Meilen von der Stadt lagerten und bereits mehrfache Angriffe auf diese gemacht , ja sogar ein Mal innerhalb der Mauern sich festgesetzt hatten , betrieb doch die griechische Bevölkerung ungestört ihren Handel und ihre Industrie . Diese Gleichgültigkeit bei der Gefahr , diese ungestörte Thätigkeit und Beweglichkeit neben dem Abgrunde ist einer der eigentümlichen Züge des orientalischen Lebens . Ein großer Molosserhund , eine jener kolossalen epirotischen Doggen , in deren Begleitung unbesorgt die mirditischen Jungfrauen durch die ödeste Wildniß schreiten , sprang an der Straße daher und warf den Knaben zu Boden . Aber Mauro klammerte sich an den vergoldeten Sammetreif , der den Hals des Hundes zierte , und ließ sich furchtlos von ihm fortziehen . Das gefährliche Spiel weckte die Aufmerksamkeit der Reiter , die der Dogge folgten . Die hervorragendste Gestalt war