« ( sagte Idoine zu Albano und hatte schon oft Juliennens Hand gedrückt ) - » Wie gut ist mir ! - Ach das Leben wird wie das Meerwasser nicht eher ganz süß , als bis es gen Himmel steigt . « - Plötzlich kamen zu ihnen ferne Waldhorntöne heraus , welche gutmeinende Landleute vor Albanos Erziehungshause als Grüße brachten . » Wie kommts , « ( sagte Julienne ) » daß im Freien und nachts auch die unbedeutendste Musik gefällig und rührend wird ? « - » Vielleicht weil unsere innere heller und reiner dazu mittönt « , sagte Idoine . - » Und weil vor der Sphärenmusik des Universums menschliche Kunst und menschliche Ein falt am Ende gleich groß sind « , setzte Albano dazu . » Das meint ' ich eben , denn sie ist doch auch nur in uns « , sagte Idoine und sah ihm liebreich und offen in die Augen , die vor ihren zusanken , wie wenn ihn jetzt der Mond , der milde Nachsommer der Sonne , blendend überglänzte . Sie wandte sich seit der Kirchenfeier öfter an ihn , ihre süße Stimme war teilnehmender , obwohl zitternder , die jungfräuliche Scheu vor Lianens Ähnlichkeit schien besiegt oder vergessen , so wie an jenem Abende im letzten Garten ; in ihr hatte sich unter Speners Rede ihr Dasein entschieden , und an der Liebe der Jung frau waren wie an einem Frühling durch einen warmen Abend-Regen alle Knospen blühend aufgebrochen . Indem er jetzt dieses klare milde Auge unter der wolkenlosen reinen Stirn anschauete und den feinen , vom unerschöpflichen Wohlwollen gegen jedes Leben überhauchten Mund : so begriff er kaum , daß diese weiche Lilie , diesen leichten Duft , aus Morgenrot und Morgenblumen aufgestiegen , der feste Geist bewohne , der das Leben regieren konnte , so wie die zarte Wolke oder die kleine Nachtigallen-Brust der schmetternde Schlag . Sie standen jetzt auf dem vom Immergrün der Jugenderinnerung bedeckten hellen Berge , wo Albano sonst in den Träumen der Zukunft geschlummert hatte , wie auf einer lichten hohen Insel mitten im Schatten-Meere zweier Täler . Die Lindenstädter Gebürge , das ewige Ziel seiner Jugendtage , waren vom Mond beschneiet , und die Sternbilder standen blitzend und groß auf ihnen hin . Er sah Idoine nun an - wie gehörte diese Seele unter die Sterne ! » Wenn die Welt rein ist vom niedrigen Tage - wenn der Himmel mit seinen heiligsten fernsten Sonnen das Erdenland ansieht - wenn das Herz und die Nachtigall allein sprechen : nur dann geht ihre heilige Zeit am Himmel an , dann wird ihr hoher stiller Geist gesehen und verstanden und am Tage nur ihr Reiz « , dachte Albano . » Wie manchmal , mein guter Albano , « ( sagte die Schwester ) » hast du hier in deinen verlassenen Jugendjahren zu den Bergen nach den Deinigen gesehen , nach deinen verborgnen Eltern und Geschwistern ; denn du hattest immer ein gutes Herz ! « Hier blickte ihn Idoine unbewußt mit unaussprechlicher Liebe an und sein Auge ihres . » Idoine , « ( sagt ' er , und ihre Seelen schaueten ineinander wie in schnell aufgehende Himmel , und er nahm die Hand der Jungfrau ) » ich habe noch dieses Herz , es ist unglücklich , aber unschuldig . « - Da verbarg sich Idoine schnell und heftig an Juliennens Brust und sagte kaum hörbar : » Julienne , wenn mich Albano recht kennt , so sei meine Schwester ! « » Ich kenne dich , heiliges Wesen « , sagte Albano und drückte Schwester und Braut an eine Brust . - Und aus allen weinte nur ein freudetrunknes Herz . » O ihr Eltern , « ( betete die Schwester ) » o du Gott , so segne sie beide und mich , damit es so bleibe ! « Und da sie gen Himmel sah , als die Liebenden im kurzen heiligen Elysium des ersten Kusses wohnten , so blickten unzählige Unsterbliche aus der blauen tiefen Ewigkeit - die fernen Töne und die milden Strahlen verwoben sich ineinander - und das schlummernde Reich des Mondes erklang - » schauet auf zum schönen Himmel , « ( rief die freudentrunkne Schwester den Liebenden zu ) » der Regenbogen des ewigen Friedens blüht an ihm , und die Gewitter sind vorüber , und die Welt ist so hell und grün - wacht auf , meine Geschwister ! « - Ende Fußnoten 1 Diese 35 Ellen hohe Statue auf einem Gestelle von 25 Ellen , in deren Kopfe 12 Menschen Raum antreffen , steht bei Arona und hält gerade mit der gegenüberstehenden Isola bella , die mit 10 aufeinander gebaueten Gärten oder Terrassen aufsteigt , einerlei Höhe . Keyßlers Reisen etc. B. I. 2 Die alten Kremnitzer haben das Christuskind auf dem rechten Arm ; die neuen und leichtern auf dem linken . 3 Franklin riet das Aufbewahren und Bouchieren ausgetrunkener Gefäße an , um das Schiff dadurch oben zu erhalten . 4 Gemälde von Peter Molyn den man wegen seiner guten Gewitter nur Tempesta nannte . 5 Der Pasquino ist bekanntlich verstümmelt . - Della Porta war ein großer Ergänzer alter Statuen . 6 D.h. zwischen zwei hölzernen Walzen und einer metallenen gepresset werden . 7 Diese Pille besteht aus Spießglaskönig und wird ihrer Festigkeit wegen stets von neuem mit altem Erfolge gebraucht : man schüttet bloß vorher einen Aufguß von Wein darüber . 8 Tirare di prima vera nennts das Volk , und Peter Schoppe übersetzt es erhaben genug : elektrisches Pistolenzeug des Lenzes . 9 Wir sehen uns nie , mein Sohn . 10 Wir sehen uns einst , mein Bruder . 11 Ein guter Wouwermann heißet in der Malersprache ein gut gemaltes Pferd , dessen Beschauen auf die Schönheit des künftigen Füllen einfließet . 12 So heißet das Quantum , das man den Beisitzern des Kammergerichts , wenn sie nicht genug gearbeitet haben , vorenthält . 13 Die Ipecacuanha