er hinaus . » Nun , so werde ich euch wohl um die Erklärung dieses seltsamen Auftrittes bitten müssen , « wandte sich die Fürstin jetzt zu den beiden andern . » Bleiben Sie , Herr Doktor ! « fuhr sie fort , als Doktor Fabian , der bisher ängstlich an der Thür gestanden hatte , Miene machte , seinem Zögling zu folgen . » Jedenfalls waltet hier ein Mißverständnis , und ich werde Sie wohl ersuchen müssen , die Aufklärung bei meinem Sohne zu übernehmen . Er macht es mir durch sein Fortstürmen ja unmöglich , dies selbst zu thun . – Was ist vorgegangen ? Ich will es wissen ! « Wanda kam der Aufforderung nicht nach ; sie warf sich statt dessen in das Sofa und brach in ein leidenschaftliches Weinen aus , Leo aber trat auf den Wink der Mutter zu ihr und teilte ihr leise das Vorgefallene mit . Die Miene der Fürstin war finsterer bei jedem seiner Worte , und es kostete ihr offenbar Mühe , die ruhige Haltung zu behaupten , als sie sich endlich zu dem Doktor wandte und scheinbar gelassen sagte : » Wie ich voraussetzte , ein Mißverständnis , nichts weiter ! Eine Neckerei zwischen meiner Nichte und meinem jüngsten Sohne hat Waldemar Anlaß gegeben , sich beleidigt zu fühlen . Ich bitte Sie , ihm zu sagen , daß ich das aufrichtig bedaure , aber auch von ihm erwarte , er werde der Thorheit der beiden übermütigen Kinder « – sie betonte die Worte scharf – » nicht mehr Wichtigkeit beilegen , als sie verdient . « » Es wäre wohl das beste , wenn ich jetzt meinen Zögling aufsuchte , « wagte Fabian zu bemerken . » Gewiß – thun Sie das ! « stimmte die Dame bei , der sehr daran lag , den ebenso unschuldigen wie unwillkommenen Zeugen der Familienscene zu entfernen . » Auf Wiedersehen , Herr Doktor ! Ich rechne bestimmt auf Ihre baldige Rückkehr in Begleitung Waldemars . « Sie sprach die letzten Worte sehr gnädig und nahm die Abschiedsverbeugung des Erziehers mit einem Lächeln entgegen , als sich aber die Thür hinter ihm geschlossen hatte , trat die Fürstin mit einer heftigen Bewegung zwischen Wanda und Leo , und ihr Antlitz verkündete einen Sturm , wie er nur selten bei der gestrengen Mutter und Tante heraufzog . – Doktor Fabian hatte inzwischen von Pawlick erfahren , daß der junge Herr Nordeck sich auf sein Pferd geworfen habe und fortgeritten sei . Es blieb dem Doktor nichts übrig , als gleichfalls nach Altenhof zu fahren , was er auch schleunigst that , aber bei seiner Ankunft dort erfuhr er , daß Waldemar noch nicht eingetroffen sei . Der Erzieher konnte nicht umhin , sich über dieses Ausbleiben zu beunruhigen , das ihm unter andern Umständen gar nicht aufgefallen wäre . Der Schluß der erregten Scene , die er mit angesehen , ließ ihn in seinen Vermutungen der Wahrheit einigermaßen nahe kommen . Die Fürstin hatte freilich nur von einem Mißverständnisse gesprochen , von einer Neckerei , die ihr Sohn übelgenommen habe , aber das wilde Fortstürmen desselben , seine schneidende Antwort auf den bittenden Ruf der jungen Gräfin – und vor allem der Ausdruck seines Gesichtes zeigte , daß es sich hier um ganz andres handelte . Es mußte etwas Ernstes vorgefallen sein , daß Waldemar , der eben noch geduldig , mit Verleugnung seines ganzen Charakters , sich jeder Laune Wandas beugte , ihr und den Ihrigen in so furchtbarer Erregung den Rücken kehrte , daß er das Haus der Mutter in einer Weise verließ , die auf Nimmerwiederkehr deutete . Aber auch hier in Altenhof verfloß der ganze Nachmittag , ohne daß Waldemar sich zeigte . Doktor Fabian harrte vergebens ; er war froh , daß Herr Witold die Abwesenheit seiner beiden Hausgenossen benutzt hatte , um nach der nahegelegenen Stadt zu fahren , von wo er erst gegen Abend zurückerwartet wurde – so entging man wenigstens fürs erste seinen unvermeidlichen Fragen . Stunde an Stunde verging ; der Abend brach herein , aber weder der Inspektor , der in der Försterei gewesen war , noch die Leute , die vom Felde heimkamen , hatten den jungen Herrn gesehen . Jetzt trieb die Angst den Doktor zum Hause hinaus ; er ging eine Strecke den Fahrweg hinauf , der nach dem Gute führte und den jeder Ankommende benutzen mußte . In einiger Entfernung zog sich ein sehr breiter und tiefer Graben hin , der meistens voll Wasser stand , aber die Hitze dieses Sommers hatte ihn völlig ausgetrocknet , und die mächtigen Feldsteine , mit denen der Grund förmlich gepflastert war , lagen offen da . Von der Brücke , die hinüberführte , hatte man einen weiten Umblick auf die Felder ringsum . Noch war es völlig hell im Freien , nur der Wald fing schon an , sich in Dämmerung zu hüllen . Ratlos stand Doktor Fabian auf der Brücke und überlegte eben , ob er weitergehen oder umkehren solle – da endlich erschien in der Ferne die Gestalt eines Reiters , der im Galopp näher kam . Der Doktor atmete auf ; er wußte selbst nicht recht , was er eigentlich gefürchtet hatte , aber die Befürchtung war ja grundlos gewesen , und voll Freude darüber eilte er am Graben entlang dem Ankommenden entgegen . » Gott sei Dank , daß Sie da sind , Waldemar ! « rief er . » Ich habe mich so sehr Ihretwegen geängstigt . « Waldemar zügelte sein Pferd beim Anblick seines Lehrers . » Weshalb ? « fragte er kalt . » Bin ich ein Kind , das man nicht aus den Augen lassen darf ? « Es war trotz der erzwungenen Ruhe ein fremder Klang in seiner Stimme , der die kaum beschwichtigten Besorgnisse des Doktors wieder aufwachen ließ . Er sah erst jetzt , daß das Roß bis zum Tode erschöpft schien ; es war über und über mit Schweiß