Um Raimars Lippen spielte ein spöttisches Lächeln , während er den Freund musterte . » Du siehst wirklich recht erholungsbedürftig aus . Merkwürdig , Heilsberg scheint nachgerade Kurort zu werden . Max ist auch wieder da und behauptet , daß er sich hier › erholen ‹ müsse , aber er wird uns diesmal nicht stören . Er wollte heute zur Stadt kommen , im übrigen aber ist er schon seit acht Tagen in Gernsbach . « » Was hat der dumme Junge denn in Gernsbach zu suchen ? « fuhr der Major heftig auf . » Wie kommt er dahin ? « » Er malt die kleine Lisbeth , und da bei der Lebhaftigkeit des Kindes die Sitzungen nicht immer glücken , hat ihn Frau von Maiendorf eingeladen , damit er das Bild in aller Ruhe vollenden kann . Was hast du denn , Arnold ? Die Einladung ist doch nicht auffallend . « » So ? Mir fällt sie sehr auf ! Aber ehe wir weiter reden , ein offenes Wort zwischen uns beiden , Ernst . Dein Onkel Treumann erzählte mir im Frühjahr von gewissen Heiratsplänen , auf die du allerdings damals nicht eingehen wolltest . Ich muß jetzt wissen , wie die Sache steht , also gerade heraus – hast du Absichten auf die junge Witwe ? Ja oder nein ? « Raimar runzelte die Stirn und machte eine unwillig abwehrende Bewegung . » Was fällt dir ein , Arnold ! Von einer Neigung meinerseits war nie die Rede , und eine bloße Geldheirat traust du mir hoffentlich nicht zu . Lieber zeitlebens Notar in Heilsberg bleiben , als von der Gnade einer reichen Frau leben . « » Nun , bei mir trifft das nicht zu , « sagte der Major ruhig . » Ich bin und bleibe Soldat und heirate nicht nach Vermögen , aber wenn meine künftige Frau zufällig mit einem Rittergut behaftet wäre , so würde ich ihr das großmütig verzeihen . Also du hast keine Absichten ? Freut mich außerordentlich ! Ich habe sie nämlich . « » Du willst heiraten ? « fragte Raimar erstaunt . » Aber du hast ja stets das Junggesellenleben für den einzig menschenwürdigen Zustand erklärt . « » Hast du denn nie in deinem Leben eine Dummheit gesagt ? « rief Hartmut ärgerlich . » Ich bin eben erst im Schwabenalter klug geworden . Kurz und gut , die kleine , blonde Frau mit ihren blauen Kinderaugen hat es mir angethan . Ich bin die Geschichte den ganzen Sommer nicht los geworden , und jetzt hielt ich es überhaupt nicht mehr aus . Als das Manöver vorbei war , packte ich auf und kam hierher , um mein Glück zu versuchen . Jetzt weißt du es ! « Ernst lächelte und streckte ihm herzlich die Hand hin . » Glückauf , Arnold ! Es heißt , die junge Frau hätte schon einige Anträge ausgeschlagen , um ihres Kindes willen , aber wenn du anrückst – du bist ja ein stattlicher Freiersmann ! « » Meinst du ? « fragte Hartmut etwas bedenklich . » Nun , die ausgebrannte Kraterseele , den Maxl , werde ich wohl aus dem Felde schlagen , denn daß der Junge da wieder Unfug anrichten will , steht fest . Bei seiner Millionärin scheint er gründlich abgefallen zu sein , jetzt ist er bescheidener und will als Rittergutsbesitzer den Kampf um das Dasein weiter kämpfen . « » Du könntest recht haben , « sagte Raimar nachdenklich . » Ich habe bisher noch nicht daran gedacht , aber dem Maxl ist das schon zuzutrauen . Ihm ist die Heirat ja überhaupt nur Spekulation . « » Also ist keine Zeit zu verlieren , « ergänzte der Major . » Wir fahren morgen nach Gernsbach , da sondiere ich vorläufig das Terrain , und wenn euer Familiengenie sich wirklich untersteht , da › Absichten ‹ zu haben , dann werde ich ihm das Handwerk legen . Abgemacht ! « Da wurde die Hausthür geöffnet , und das » Familiengenie « , von dem eben die Rede war , erschien in eigener Person mit dem Onkel Treumann , aber sie traten nicht mit der gewohnten Begrüßung ein , sondern stürzten sich förmlich in den Garten . » Weißt du es , Ernst ? « rief der Notar schon von weitem . » Hast du es schon gehört ? Nein , er weiß noch gar nichts , sonst würde er nicht so gemütlich dasitzen . – Ah , Herr Major Hartmut , Sie sind in Heilsberg ? Kommen Sie aus Berlin ? Dann wissen Sie es natürlich schon , ganz Berlin ist ja voll davon ! « » Was ist denn los ? « fragte überrascht der Major , während Raimar nicht das geringste Zeichen von Neugierde oder Teilnahme gab . » Der Teufel ist los ! « erklärte Max , der sich augenscheinlich in höchst vergnügter Stimmung befand und darüber sogar den Aerger vergaß , daß sein ewiger Widersacher so urplötzlich auftauchte . » Drüben in Steinfeld nämlich ! Ich wußte auch gar nichts ; aber als ich heut von Gernsbach hereinkam und den Onkel besuchte , da erfuhr ich die Geschichte . « » Ja , ich habe es , ich habe es ! « schrie der alte Herr , indem er ein ziemlich umfangreiches , gedrucktes Heft hervorzog und triumphierend schwenkte . » Das › Hexengold ‹ habe ich ! Jetzt geht es den Neustädtern und ihrem Pascha an den Kragen , diesem Menschen , der anständige Leute hinauswirft und das Gras wachsen lassen will in den Straßen von Heilsberg . Jetzt wird es in seinem Steinfeld wachsen , fußhoch , und in Neustadt auch , denn Neustadt ist gar nichts ohne die Steinfelder Werke ! « Hartmut sah erst den Onkel , dann den Neffen an , der ebenso aufgeregt war , und schüttelte den Kopf . » Verehrter Herr Notar , es gibt doch , soviel ich weiß , keine