, daß Sie diese ebenso sehr verachten wie den – Mönch , aus dessen Munde sie kommt . Meiden Sie künftig dergleichen Verabredungen , Graf Rhaneck ist nicht der Mann , an dessen Seite der Ruf eines jungen Mädchens vor Verleumdungen sicher ist , selbst wenn sie es verstehen sollte , ihn in Schranken zu halten . Sie handelten sehr unvorsichtig , als Sie ihm diese Zusammenkunft bewilligten . “ Er stand mit der ganzen Strenge eines Richters vor ihr , das war zu viel und Lucie fuhr empört auf . „ Eine Zusammenkunft bewilligen ? Habe ich etwa den Grafen nach dem Walde gerufen ? “ „ Wollen Sie mich vielleicht glauben machen , daß sein Erscheinen Ihnen unerwartet war ? “ Es grollte dumpf und drohend in seiner Stimme , und seine Augen hefteten sich wieder so durchbohrend wie vorhin auf sie , aber jetzt hatten sie ihre Macht verloren , das Gefühl einer unverdienten Kränkung überwog bei Lucie jede Furcht , heiß und ungestüm brachen ihre Thränen hervor , mit ihnen aber auch der Zorn . „ Ich will Sie gar nichts glauben machen ! “ rief sie in vollster Heftigkeit , „ aber ich lasse mich auch nicht von Ihnen beleidigen , wie Graf Rhaneck es sich gefallen läßt . Ich will nicht ! “ – sie stampfte zornig mit dem Fuße – „ und solche ungerechte Vorwürfe ertrage ich nicht , nie , niemals – “ Das Weitere erstickte in ihrem Schluchzen , Benedict sah sie starr an . „ Nicht ? “ wiederholte er langsam . „ Sie haben den Grafen nicht erwartet ? “ Lucie gab keine Antwort , sie weinte leidenschaftlich , aber es lag eine überzeugende Gewalt in diesem so plötzlich hervorbrechenden Trotze . Er trat ihr mit einer stürmischen Bewegung näher und faßte ihre beiden Hände , trotz ihrer eigenen Erregung sah sie doch , daß er sich in einer noch furchtbareren befand . Die Hände , welche die ihrigen festhielten , bebten , sein Blick senkte sich flammend tief in ihr Auge , und seine Stimme klang dumpf , gepreßt , als fehle ihm der Athem . „ Antworten Sie mir , Lucie ! Bei Allem , was Ihnen heilig ist – Sie haben den Grafen nicht erwartet ? “ „ Nein ! “ rief Lucie , außer sich gebracht durch dies Examen , und in diesem Moment war es wieder einmal Bernhard ’ s Schwester , die über das Kind siegte , so energisch und leidenschaftlich schleuderte sie ihm das Nein entgegen . Ein tiefer , tiefer Athemzug hob Benedict ’ s Brust und ein schnelles blitzähnliches Aufleuchten flog über seine Züge ; er ließ ihre Hände los und trat zurück . „ So bitte ich um Verzeihung ! “ sagte er leise . Lucie hielt plötzlich mit Weinen inne , ebenso sehr über diese ganz unerwartete Wendung , wie über den Ton seiner Stimme betroffen , die auf einmal von der rauhesten Härte zur vollsten Weichheit umschlug . Halb bestürzt blickte sie ihn mit den großen thränenvollen Augen an . Sein Blick hing jetzt wieder fest an diesen Augen ; aber er machte keinen Versuch , sich ihr auf ’ s Neue zu nahen ; im Gegentheil , es schien , als wolle er noch weiter zurückweichen . „ Ich habe Ihnen wehe gethan mit meinem Verdachte , ich sehe es ! Aber ich hatte allen Grund dazu . Graf Rhaneck hat Ihnen schon einmal von Liebe gesprochen , und Sie wiesen ihn nicht zurück ! “ – Lucie machte unwillkürlich eine Bewegung des Schreckens . War denn dieser Mann allwissend ? – „ Aber was Sie Liebe nennen , kann der Graf nicht mehr empfinden , wenn er es überhaupt jemals empfunden hat . Er ist einer reinen Zuneigung nicht werth . Glauben Sie mir das , mein Fräulein , und gestatten Sie ihm keine weitere Annäherung ; ich warne Sie davor , ich – ich bitte Sie darum ! “ Er sprach noch leise , aber in einem eigenthümlichen erschütternden Tone , der die innere mühsam gebändigte Bewegung verrieth . Es war dieselbe Warnung , die Lucie vorgestern aus dem Munde des Bruders gehört ; aber wenn Bernhard ’ s herrisches Verbot ihren ganzen Trotz wach rief , dies hier wirkte anders . Das „ Ich bitte Sie darum ! “ , das fast unhörbar an ihrem Ohre hinwehte , weckte wieder jenen schmerzenden Stich , der ihr bis in ’ s innerste Herz drang ; sie wußte nicht weshalb und woher , sie fühlte nur , daß es wehe that . Das junge Mädchen senkte lautlos den Kopf und trocknete sich die Thränen ab . Sie gab keine Antwort , gab auch kein Versprechen ; aber man sah es , die heutige Warnung war tiefer gegangen als jene erste . Stumm wendete sie sich zum Gehen . Benedict machte eine Bewegung , es sah fast aus , als wolle er ihr nachstürzen , aber plötzlich schlug er krampfhaft den Arm um den Stamm des Baumes , an dem er stand , und blieb unbeweglich in dieser Stellung . Lucie wandte sich noch einmal um , wie mit einem halben Gruße ; es schien , als erwarte sie noch ein Abschiedswort oder ein Lebewohl , aber nichts dergleichen kam von den festgeschlossenen Lippen des jungen Priesters , nur sein Blick folgte ihr , als sie über den Abhang schritt und durch die Felder eilte , folgte ihr so lange , bis die helle Gestalt zwischen den Gebüschen verschwand , welche dort hinten die Wiese säumten . Da tönten Schritte hinter ihm , und aufblickend gewahrte Benedict den Grafen , der jetzt gleichfalls aus dem Walde hervortrat . Ob er ihnen in einiger Entfernung gefolgt war oder ob er sich nur auf dem Rückwege nach Rhaneck befand , dessen Gebiet hier das von Dobra berührte , blieb unentschieden ; jedenfalls sah er den jungen Geistlichen und näherte sich ihm rasch . Benedict schien der nun unvermeidlich