davon gehabt , wie gut ich Dir bin , sonst hättest Du mir mehr Vertrauen gezeigt ! “ sagte sie ungewöhnlich mild . „ Nun , ich will nicht mit Dir streiten , denn den größten Teil der Schuld hab ’ ich mir freilich selbst zuzuschreiben . Trotz meiner Vorurteile würde ich doch die Sache mit ganz anderen Augen angesehen haben , als Du voraussetztest … Ich würde Dir nur Eines zu bedenken gegeben haben , und das tue ich auch in diesem Augenblick noch : Du willst diesem Mann Deine ganze Zukunft anvertrauen und kennst seine Vergangenheit nicht ; das Wenige , das wir wissen – “ „ O Tante , nicht ein Wort weiter ! “ rief Lilli heftig und legte zugleich dem Geliebten , der sprechen wollte , die Hand auf den Mund . „ Das Wenige , das wir wissen , oder das wir vielmehr in uns selbst beschämender Weise vermutet haben , beruht gerade auf einer seiner edelsten Handlungen , Du wirst ihm abbitten müssen , so gut wie ich ! “ „ Und Dein Vater ? “ „ Er wird meine Wahl segnen , wenn er Dorn kennen lernt ! “ „ Nun , dann habe auch ich nichts mehr zusagen , als daß Dein Entschluß auch mich glücklich macht … Lilli , es ist in Deine Hand gegeben , ein großes Unrecht der Erichs an den Huberts gut zu machen ! “ Kurze Zeit darauf standen die Drei in der grünen Stube , vor dem verhängnißvollen Bilde . Tante Bärbchen hatte mit bebenden Lippen den Moment der Entdeckung geschildert und bot schließlich ihrem bisherigen vermeintlichen Widersacher die Hand zur Versöhnung . Er reichte ihr herzlich die Rechte , mit der Linken jedoch ergriff er plötzlich das Bild und warf es in den Kamin . „ Es ist ein Raub an der Menschheit , “ sagte er gelassen , „ aber besser , ein Kunstwerk weniger in der Welt , als daß es durch seinen Anblick schmerzliche Erinnerungen heraufbeschwöre . “ „ Nein , nein ! “ rief die Hofrätin und riß es aus den hochauflodernden Flammen , die bereits an den Fetzen des Orestesbildes gierig leckten . „ Es soll fortbestehen zur Freude Anderer und mir zur steten Mahnung , daß wir Menschen sind und leichtlich irren können ! “ „ Am andern Tag hantirten Arbeiter lustig in den beiden Gärten , die grüne Hecke fiel und mit ihr der Pavillon . Der Rechen zog seine feinen Furchen über den Streifen Erde , aus welchem einst „ Reiser bis in den Himmel wachsen sollten “ , und da , wo noch vor Kurzem das unheilvolle Orestesbild von der Wand herniedersah , schauen jetzt holde , unschuldige Blumenaugen in die Welt . Die geheimnißvolle Unbekannte wandelt Abends mit immer matter werdenden Schritten durch beide Gärten , ihre Furcht und Scheu sind verschwunden . Sie weiß sich ja von zärtlicher Teilnahme und Liebe umgeben und behütet ; besonders eifrig ist Dorte um sie bemüht ; sie sucht das zu sühnen , was einst ihr verleumderischer Mund verbrochen hat . Sauer , den wir zuletzt sahen , wie er mit einknickenden Knieen aus der grünen Stube wankte , hat jetzt einen weit größeren Spielraum für die verbotenen Wolken seines schrecklichen Knasters . Seine langen Rockflügel streifen über den feinen , englischen Sammetrasen in Nachbars Garten . Er ist noch viel unduldsamer gegen Dortens haarsträubende Teufelsgeschichten geworden , seit er weiß , daß der Neger – nach ihrer ehemaligen Behauptung ein Sohn der Hölle – das treueste und ehrlichste Herz unter der Sonne hat .