, bat Onkel Heinrich , der aussah , als wäre ihm die Hochzeit wieder auf den Magen gefallen . » ' s ist so trübselig sowieso , ohne Sang und Klang ! « Nun öffnete sich die Tür , der alte Prediger trat herein , und Onkel Heinrich ging zu ihm hinüber und begrüßte ihn sehr laut , dann verschwand er , 122 um das Brautpaar zu holen . Der Schein der Nachmittagssonne flutete voll in das Gemach und überstrahlte die Kerzen auf dem Kronleuchter und den Kandelabern , und diese Strahlen schimmerten und webten auch um das Paar vor dem Altare . Mild und klar scholl die Stimme des Geistlichen : Im Gotteshause hätten sie sich zum ersten Male in die Augen gesehen , sagte er , sichtbarlich habe der Herr sie zusammengeführt , und was der Herr so geeinet , das solle der Mensch nicht scheiden . Von der Liebe sprach er , die alles erduldet , erhoffet und erträgt . – Trudchen hatte sich den Text selbst gewählt . Dann wechselte der Geistliche die Ringe . Sie knieten nieder zum Segen , und nun waren sie Weib und Mann . Sie traten zur Mutter hinüber . Franz Linden ging es wie Trudchen vorhin , er sah alles anders in dieser Stunde . Er streckte die Hand aus , und weil er keine Worte fand , wollte er mit diesem Händedruck geloben , die ihm eben Angetraute zu schützen , zu halten wie seinen Augapfel , sein Leben lang . Aber Frau Baumhagen küßte die junge Frau zierlich auf die Stirn , legte einen Moment ebenso zierlich die Finger in seine ausgestreckte Rechte und wandte sich dann zu dem Prediger , der ihr glückwünschend nahte . Das junge Paar sah sich an – und als er in ihre bangen Augen blickte , drückte er 123 den Arm fester , der in dem seinigen lag . Und da wurde sie ruhig , fast heiter . Onkel Heinrich hatte das Hochzeitsdiner angeordnet . Im Eßzimmer , das nach Norden gelegen , waren die Vorhänge geschlossen und die Lichter angezündet , der ganze Silberschatz des Hauses blitzte und funkelte auf der Tafel . Der alte Herr verstand es . Er hatte in der letzten Zeit zwar schlaflose Nächte darum gehabt , aber dafür war das Menü auch raffiniert , wie er sich ausdrückte . Schade nur , daß er , die Tante Stadträtin und Artur die einzigen waren , die es zu würdigen verstanden , nach seiner Meinung . Man kam doch nicht über die frostige Stimmung hinaus . Nicht einmal bei Onkel Heinrichs Toast , nicht einmal beim Sekt . Der alte Egoist verzweifelte fast . Als man sich zum Kaffee erhob , suchte Trudchen ihr Zimmer auf . Nach einer Viertelstunde trat sie in anderer Toilette in den Flur . Dort stand er , ihrer wartend . Von drinnen scholl nur das gedämpfte Sprechen der Tischgesellschaft heraus , hier war es lautlos still . Sie blickte sich nochmal um und nickte der alten Dielenuhr zu . » Adieu , Sophie ! « sagte sie dann , als sie an seinem Arm die Treppe hinunterschritt , und die Alte sich plötzlich weinend über das Geländer beugte , » grüß sie alle noch tausendmal ! « Hellerleuchtete Fenster schimmerten ihnen entgegen , als Franz sie in Niendorf aus dem Wagen 124 hob und die Stufen hinaufführte . Wolkenverhangen war der Himmel und wunderbar weich und duftig die frühe Lenzluft . » Tritt ein ! « bat er und öffnete die altersbraune Haustür . » Oh , so viel Rosen ! « kam es entzückt von ihren Lippen . – Das Geländer der Treppe , die Türrahmen , die Ketten , an welchen die Lampe hing , alles war verschwenderisch mit Rosen geschmückt , und bei dem matten Lichte glühten und leuchteten sie aus dem dunkeln Grün in lebendiger Pracht . Gute Tante Rosa ! Und Hand in Hand stiegen sie die Treppe empor und schritten den Korridor entlang , es waren nur Gipsfliesen , aber ganz mit duftenden Tannen bestreut . » Und hier unser Wohnzimmer , Trudchen , bis das deine eingerichtet ist . « Sie war auf die Schwelle getreten und sah hinein mit neugierigen Augen . Unendlich traut und heimlich lag es vor ihr , das niedrige Gemach , freundlich erhellt vom Lampenschein . Winselnd vor Freude sprang der schöne Jagdhund an seinem Herrn empor , den er heut den ganzen Tag hatte entbehren müssen . Sie trat hinein an seiner Hand in banger Glückseligkeit . » Oh , der schöne Hund und dort dein Schreibtisch , da die Bücherschränke , und welch liebes altes Frauengesicht im Goldrahmen – deine Mutter , Franz ? 125 Ja , so mußte sie aussehen , so habe ich sie mir gedacht ! Und wie wunderhübsch der Teetisch mit den zwei Kuverts ! Ach , Liebster ! « Und das verwöhnte stolze Kind des Reichtums lag weinend an seiner Brust . » Hier – so soll es bleiben , Franz , hier ist ' s warm und hell , hier kann kein bitteres Wort gesprochen werden ! « » Denke nicht mehr daran « , tröstete er . » Alles Böse ist hinter uns geblieben . Hier haben wir das Hausrecht und dulden nur Frieden und Freundlichkeit . « » Ja « , sagte sie , unter Tränen lachend , » du hast recht , was geht uns die Welt da draußen an ! « Sie standen zusammen vor seinem Schreibtisch ; dort prangte eine Majolikaschale voller Frühlingsblüten . » Der köstliche Veilchenduft ! « flüsterte sie tiefatmend und wand sich aus seinen Armen . Eine Visitenkarte lag in den Blumen . Beider Hände streckten sich danach aus . Die herzlichsten Glückwünsche zur Vermählung sendet E. Wolff , Agent . lasen sie . » Woher kennst du ihn ? Wie kommt er dazu ? « fragten ihre Augen . Aber er warf die Karte achtlos auf den Tisch und küßte sie auf