S ’ mal hinreisen ! Wissen S ’ , dös ist so a Städterl für a Hochzeitsreisn – sagen S ’ nur a mal Ihr ’ m Liebsten Hör ’ , du muast mit mir nach Innsbruck , Schatzerl , oder i nehm ’ di net , und dann – “ „ Mein Bräutigam bekommt schwerlich Urlaub , und ich glaube auch nicht , daß eine Hochzeitsreise überhaupt in seinem Plane liegt “ , sagte Aenne ruhig . „ Jesses Maria – Se san schon verlobt ? “ rief die andere . „ Du mein ! I hab ’ da nur so an Schlag ins Blaue nein ’ than.So jung und wollen schon ’ s Kreuzerl auf sich nehm ’ n ? “ Sie schüttelte sich ordentlich . „ Da hat Ihnen g ’ wiß das Mutterl zug ’ redt , fuhr sie fort „ ja , so sind d ’ Mütter . D ’ meine hat ’ s a so mach ’ n woll ’ n mit mir , is a Aner daher komm ’ n wia i grad siebzehn war , und hat ihr vorg ’ redt von die schönen soliden Verhältnisse , in die i komm ’ n thät , und dös hat ihr ka Ruh ’ net g ’ lass ’ n Tag und Nacht hat s ’ mir in die Ohr ’ n g ’ leg ’ n , und hat g ’ sagt ’ Net wahr , Schani , du bist g ’ scheit , du thust ’ n nehm ’ n ! Denk ’ , du bist a arm ’ s Mad ’ l , ’ s Vatterl kann d ’ r ka Geld hinter lass ’ n und der Fedor – das is mein Brüderl – der braucht a a ganz g ’ hörigs Stück in sei ’ m Wien bei die Student ’ n , und wer weiß , ob sich a Versorgung zum zweitenmal bietet . Net wahr , du nimmst ’ n , Schani ? “ „ Aber i hab ’ natürli net g ’ wollt und hab ’ die Zung ’ n hinter ihm außerg ’ streckt , wie er gangen is , und hab ’ g ’ sagt , er soll no a bissel wartn , i sei no z ’ jung . Dann ist ’ s Schreckliche kommen , mein arm ’ s Vatterl hat sich bei der Sektion einer Leich ’ – er war Dokt ’ r – a Blutvergiftung – “ „ Ihr Herr Vater war Arzt ? “ fragte Aenne teilnehmend . „ Ja ! Wundert ’ s Ihne gar , daß sein ’ Tochter Opernsängerin worden is ? “ „ O nein , “ antwortete Aenne zögernd , „ nur – mein Vater ist auch Arzt . “ „ Da sind S ’ wohl das Töchterl vom alten Medizinalrat May ? Ja , na freili , jetzt erkenn ’ i Sie auch ja , wissen S , da müssen S ’ mir das Patscherl geb ’ n , i hab ’ ihn so gern , Ihr ’ n lieben Papa , er hat mir ja im vorigen Jahr so prachtvoll [ 087 ] [ 101 ] „ Ich weiß nicht mehr , was ich denken soll , “ erklärte Frau Medizinalrat acht Tage vor Weihnacht ihrer Schwägerin . Sie saßen nach dem Mittagsmahl in der Eßstube , Frau Rat mit der intensiven Röte im Gesicht , die bei ihr bekanntlich auf Sturm deutete , und verlasen Rosinen in ungeheuren Mengen , denn am folgenden Tage sollte die große Festbäckerei losgehen . „ Inwiefern weißt du nicht mehr , was du denken sollst ? “ erkundigte sich Tante Emilie und schob ihre Brille zurück . „ Sie ist schon wieder spazieren gegangen , “ antwortete die Hausfrau stirnrunzelnd , „ obgleich ich es ihr geradezu verbot wegen der enormen Arbeit . Dazu hat sie nun Zeit , aber als ich von ihr verlangte , sie solle doch nun endlich Anstalt machen und mit den Kindern zum Photographen gehen , da paßte es ihr nicht , wie schon seit acht Tagen , und es wär ’ ein so hübsches Geschenk gewesen für Günther – Aenne und die Kinder auf einem Bild ! “ „ Ich kann solche voreilige Bilder nicht leiden , “ gab die kleine dicke Tante zur Antwort und beförderte ein ausgelesenes Häufchen Korinthen behutsam in die Schüssel , die sie auf dem Schoße hielt . „ Voreilige Bilder ? “ fragte gedehnt die Rätin . „ Ja ! Ich mag ’ s auch nicht , wenn sich Brautleute auf einem Bild abnehmen lassen ; das ist nachher eine unangenehme Erinnerung , so lange sie leben , wenn nämlich nichts daraus wurde – verstehst du , Marie ? “ „ Na , Gott soll mich bewahren , “ antwortete diese , „ du bringst einen auf recht nette Gedanken ! Wenn ein Paar sich drei Wochen vor der Hochzeit nicht miteinander photographieren lassen soll , dann weiß ich nicht , wann es eigentlich geschehen könnte ! Ich begreife außerdem nicht , Emilie , was du immer zu unken hast ! Es ist eben nur , daß du für alles , was das eigensinnige Mädchen thut , eine Entschuldigung finden willst . “ „ Erbarmen , Schwägerin , ich entschuldige sicher nicht alles bei der trotzigen Marjell , im Gegenteil – “ verteidigte sich die Tante . „ Dann solltest du ihr auch einmal die Wahrheit sagen , “ erklärte die geärgerte Mutter , „ auf dich hat sie immer gehört ! Aber du sitzst ganz gelassen dabei , wenn sie sich so höchst sonderbar zu benehmen geruht . “ Tante Emilie begnügte sich mit einem Kopfschütteln . „ Ja , “ gab seufzend die Rätin zu , „ es hilft auch nichts , hast recht . Ich meine , der Oberförster sollt ’ ’ mal ein bißchen aufmucken , sollt ’ sich die Launen nicht gefallen lassen Aber der sitzt da und