ja alles so wie sonst , und doch so anders . « » Ja , anders ist es , und viel schöner « , erklärte ich und strich heimlich mit der Hand über meine Kleidertasche , daß der letzte Brief Wilhelms leise knisterte ; » viel schöner , Hanna , du kannst es glauben . « Sie schüttelte das Köpfchen und sah mich an , als könne sie nicht recht begreifen , was jetzt so viel schöner sei . Dann meinte sie : » Ja , du hast keinen Kummer – . Aber das wohlbekannte Trappeln der Pferde und das Rollen des Wagens unterbrach sie . Ich sprang auf und wollte hinauseilen . » Wo willst du hin , Gretchen ? Es wird Besuch sein , oder war Papa ausgefahren ? « Ich besann mich . » Ja , er war in Wiesenau , es ist richtig , und er wird zurückgekommen sein . « Nähen konnte ich nicht . Mich regte es gewaltig auf , Hanna so am Vorabende der Erfüllung ihrer Wünsche zu wissen . Meine Hände zitterten und waren nicht imstande , die Nadel zu halten . Eine Weile blieb alles still , dann hörte ich die Schritte des Barons auf der Treppe . » Guter Vater « , sagte Hanna , » sein erster Gang ist zu mir herauf . « » Guten Tag , mein Herz ! « tönte bald darauf seine sonore Stimme . » Wie geht es dir heute ? « Er küßte sie auf die Stirn . » Schaust ordentlich frisch aus , das ist schön . Nun mußt du aber mal hinunterkommen , ich habe dir etwas mitgebracht , und dieses › Etwas ‹ hat große Sehnsucht nach dir . Komm , gib mir deinen Arm und rate unterwegs , was es wohl sein könnte . « Hanna sah mit den großen Augen verwundert auf ihren Vater und schickte sich eben an , mit ihm zu gehen ; da flüsterte ich ihr zu : » Denk an deinen höchsten , größten Wunsch , du gehst seiner Erfüllung entgegen . « Sie zuckte zusammen und wurde dunkelrot , dann warf sie mir einen flehenden , vorwurfsvollen Blick zu , als wollte sie sagen : warum regst du solche Gedanken in meiner Seele an ? Der Baron aber hob sie wie ein Kind empor und trug sie hinunter . Sie hatte die Arme um seinen Hals geschlungen und den blonden Kopf an den seinen geschmiegt , die Augen halb geschlossen , als träumte sie . Ich blieb zurück mit Angst um sie im Herzen . Man ging nicht eben zart mit ihr um , Schmerz und Freude wurden ihr ohne viel Federlesens entgegengebracht . Diesmal aber war es die Fülle der Liebe , die den Baron so handeln ließ , und der große , starke Mann mochte wohl kaum begreifen , daß auch zu viel Freude solch starke Konstitution angreifen könnte , es lag so in seinem Charakter . Eine halbe Stunde verging . Da flogen leichte Schritte den Korridor entlang , die Tür öffnete sich , und mit geröteten Wangen und freudeverklärten Augen stand Hanna vor mir . » Gretchen , mein Gretchen , wie glücklich bin ich , du mußt kommen , du mußt ihn sehen . Ach , sag mir doch , ist es denn möglich ? « Sie zog mich mit sich fort . » Wußtest du denn darum und sagtest mir nichts , du Böse ? « » Ja , ich kann ja nicht sprechen , du erstickst mich , Hanna . Aber sprich , hast du dich nicht sehr erschreckt ? « » Nein , bewahre , als du mir zuflüstertest , ich solle an meinen heißesten Wunsch denken , da – da wußte ich es , und als mich Papa vor seiner Stube auf die Erde setzte und sagte : » Nun geh hinein und sieh dir dein Geschenk an « , da rief ich schon auf der Schwelle » Heinrich ! « und er war es wirklich . Ja , er war es wirklich und sah strahlend aus , als er , den Arm um seine Braut geschlungen , zu mir sagte : » Nun hat sich alles doch so gut gefügt . « Der Baron ging im Zimmer auf und ab und rieb sich die Hände . » Nur eins ist mir unbegreiflich « , meinte er , » Hanna war gar nicht verwundert . « » Nein , Papa « , lächelte sie , » es mußte ja so kommen , ich wäre sonst gestorben . « » Nun , wie Sterben siehst du heute nicht aus ! Was doch so ein bißchen Freude tut « , bemerkte er . Frau v. Bendeleben war die einzige , die an diesem Tage kein glückliches Gesicht machte . Zwar zwang sie sich zum Lächeln , aber man sah , es kam ihr nicht aus dem Herzen , und als später die Rede auf die Hochzeit gebracht wurde , schlug sie einen ganz ungewöhnlich frühen Termin vor , als wollte sie alles so bald wie möglich abgetan haben und los sein . Heute abend sahen die alten bezopften Götter im Speisesaal auf glückliche Gesichter , denn auch ich saß neben Wilhelm v. Eberhardt und konnte heimlich meine Hand in die seine legen . Er war noch geritten gekommen , um sich mit eigenen Augen von dem Stande der Dinge zu überzeugen . Beinahe wäre ich neidisch geworden , als ich sah , wie Hanna und Bergen so glücklich miteinander verkehrten . Sie hatte tausend kleine Aufmerksamkeiten für ihn , die er wieder mit ebensoviel feurigen Blicken und Worten lohnte , und ich mußte jede Handlung und jedes Wort abwägen und durfte nur scheu und versteckt einmal den Druck der lieben Hand erwidern . Ich glaube , ich sagte auch Eberhardt so etwas , als er mich später ins Nebenzimmer zum Flügel führte . » Gretchen « , bat er vorwurfsvoll , » singe nur , du