unbestreitbar zu den bedeutendsten unter den Neu-Ruppiner Persönlichkeiten , und doch ist es mir zweifelhaft , ob unsere Darstellung vor ihm haltmachen und ihm die pflichtschuldigen Honneurs erweisen würde , wenn nicht im Laufe der Zeit geflüstert worden wäre , daß General Günther ein illegitimer Sohn des Kronprinzen Friedrich gewesen sei . Torheit ! Günthers Adjutant und Biograph , der spätere Kriegsminister von Boyen , spricht von der Mutter als von einer » guten und frommen Frau « , was er vermieden haben würde , wenn zu jenem Gerücht auch nur die kleinste Veranlassung vorgelegen hätte . Woraus dies Gerücht überhaupt entstand , ist nachträglich schwer zu sagen . Vielleicht einfach aus dem Aufsteigen eines Bürgerlichen und Feldpredigersohns bis zum Freiherrn und Generalleutnant , wobei nur übersehen wurde , daß beides , Nobilitierung wie Hochavancement , erst gegen das Ende seiner Tage hin und nicht seitens des großen Königs , sondern von seiten König Friedrich Wilhelms III. erfolgte . Kurzum alles Mythe , für deren Entstehung wir außer dem Umstande , » daß das Oberst von Wreechsche Haus ( das der Kronprinz in Ruppin bezog ) durch seinen bloßen Namen schon an die kurz vorhergegangenen intimen Beziehungen zur schönen Frau von Wreech in Tamsel bei Küstrin erinnerte « keine andere Erklärung finden können als die Sucht des Menschenherzens , hervorragende Persönlichkeiten durch Ausstaffierung mit sogenannten » interessanten Verhältnissen « womöglich noch interessanter zu machen . Johann Heinrichs Jugendjahre scheinen Jahre der Entbehrung gewesen zu sein . Nichtsdestoweniger setzte die Mutter alles daran , ihn für das geistliche Amt zu erziehen , in welchem der Vater des Knaben bereits Befriedigung und Auszeichnung gefunden hatte . Die Universität Halle bot dazu in mehr als einem Sinne die Mittel , und bald nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges , wahrscheinlich im Jahre 1757 , trat unser Günther seine theologischen Studien an der gerade damals so berühmten Hochschule an . Aber diese Studien währten nicht lange . War es , daß die wachsende Not des Vaterlandes den festen Willen heranreifte , Gut und Blut dafür einzusetzen , oder war es andrerseits die Überzeugung , daß vielleicht morgen schon ein Zwang da eintreten würde , wo heute noch die Möglichkeit eines freien Entschlusses war , gleichviel , der Eintritt in die preußische Armee erfolgte . Ernst Moritz Arndt in seinen » Wanderungen und Wandelungen mit dem Freiherrn vom Stein « erzählt den Hergang nach Mitteilungen , die er dem Geh . Kriegsrat Scheffner zu verdanken scheint , im wesentlichen wie folgt : » Bald nach Ausbruch des Siebenjährigen Krieges standen vier untereinander befreundete Jünglinge in den Listen der Hochschule Halle eingeschrieben . Sie hießen Scheffner , Neumann , l ' Estocq und Günther . Alle vier haben sich später auf verwandtem Felde ausgezeichnet . Eines Abends beim Kommers führte das Gespräch darauf hin , daß sie binnen kürzester Frist für die Armee gepreßt und eingekleidet werden würden . Nach einigem Hin- und Hererwägen reifte der Entschluß in ihnen , lieber gleich als Freiwillige in ein Husarenregiment einzutreten . Scheffner , nachdem er ehrenvoll gedient , lebte noch 1813 als Kriegs- und Domänenrat in Königsberg ; Neumann wurde durch seine tapfere Verteidigung Kosels , l ' Estocq durch seinen entscheidenden Angriff in der Schlacht bei Preußisch-Eylau berühmt ; Günther aber glänzte während des polnischen Feldzuges von 1794 als organisatorisches Talent und verdient in gewissem Sinne ein Vor-Scharnhorst genannt zu werden . « Boyen stellt den Hergang minder poetisch dar . Danach war es kein » berühmtes Husarenregiment « , in das unser Günther eintrat , sondern das » Kommissariat « . Er gab aber freilich diese prosaisch unkriegerische Stellung bald auf , focht zunächst in dem Freibataillon von Angelelly , dann im sogenannten Trümbachschen Korps und kam erst nach dem Schluß des Krieges als Stabsrittmeister zum Kürassierregiment Vasold . Während des Krieges war er mehrfach verwundet worden . Die Beförderungen gingen jetzt langsam , und zwanzig Jahre verflossen , bevor er vom Stabsrittmeister bis zum Oberstleutnant avancierte . Als solcher erhielt er 1783 das Kommando über die schwarzen Husaren . Zwei Jahre später wurde er Oberst , und 1788 ernannte ihn König Friedrich Wilhelm II. zum Chef des Bosniakenregiments . Diese fünfundzwanzig Friedensjahre – der bayerische Erbfolgekrieg war kaum als ein Krieg zu rechnen – hatten unserm Günther wenig Gelegenheit gegeben , nach außen hin zu zeigen , von welchem Metall er sei . Nur in einem allerengsten Kreise wußte man schon damals , was man an ihm besaß . In kleinen Garnisonsstädten vergingen ihm die Jahre . 1789 ward er Generalmajor . An dem Champagnefeldzug und der Rheinkampagne nahmen die Truppen , bei denen Günther stand , nicht teil , und auch die letzten zehn Jahre seines Lebens würden mutmaßlich ohne kriegerische Lorbeeren für ihn geblieben sein , wenn nicht Kosciuszkos Auftreten und der unprovozierte Angriff Madalinskis auf eine kleine südpreußische Landstadt ( am 15. März 1794 ) das Signal zu einem kurzen , aber erbitterten Kampfe an den Ufern der Weichsel und Narew gegeben hätte . Die nun folgenden Sommermonate waren es , die Günther in den Stand setzten , sich als einen Parteigänger und Avantgardenführer von ungewöhnlicher Begabung zu zeigen , als einen raschen und kühnen Reitergeneral , wie er seit den Tagen Zietens nicht dagewesen war . Droysen , in seinem Leben Yorks ( York war Offizier in Günthers Korps ) schildert unsern General wie folgt : » An der Spitze seiner Bosniaken , in den hastigen Plötzlichkeiten des Parteigängerkrieges , war er in seinem Element , er selbst immer voran . Seine Schlauheit und körperliche Gewandtheit gaben ihm die Lust der Gefahr ; er verstand es , sie bei seinen Leuten bis zur Tollkühnheit zu steigern , aber indem er es rücksichtslos mit jedem Gegner aufzunehmen schien , lag seiner Kühnheit die besonnenste Berechnung zugrunde . So verstand er es , den Leuten die Zuversicht des Erfolges zu geben . Eine kurze Anrede – dann ging es mit niederwerfendem Ungestüm auf den Feind . Kam es besonders hart , so hielt er