ohn a Engel ? Das geht halt nit . Und drum komm i. Was meinst , Gret ? « Diese starrte vor sich hin . » Geh « , sagte Valtin . » Rücke den Korb dicht her zu mir und spiele den Engel . Und wenn die Stelle kommt , wo du die Palme hebst , dann denk an mich . « Und sie rückte den Korb näher an sein Lager und beugte sich über ihn . Er aber nahm noch einmal ihre Hand und sagte : » Und nun leb wohl , Gret , und vergiß es nicht . Ich höre jedes Wort . Geh . Ich wart auf dich . « Und Grete ging und barg ihr Gesicht in beide Hände . 16. Kapitel . Die Nonnen von Arendsee Sechzehntes Kapitel Die Nonnen von Arendsee Am andern Morgen ging es in Arendsee von Mund zu Mund , daß einer von den Puppenspielern über Nacht gestorben sei . An allen Ecken sprach man davon , und alles war in Aufregung . Was mit ihm tun ? Ein Sarg war beschafft worden , das war in der Ordnung ; aber wo ihn begraben , das blieb die Frage . War ihr Kirchhof ein Begräbnisplatz für fahrende Leute , von denen keiner wußte , wes Glaubens sie seien , Christen oder Heiden ! Oder vielleicht gar Türken . Und dabei dachte jeder an die Frau , die gestern , vor Beginn des Spiels , ein langes rotes Tuch um die Schulter , am Eingange gesessen hatte . Es war klar , daß nur der alte Prediger Roggenstroh den Fall entscheiden konnte ; und ehe Mittag heran war , wußte jeder , daß er ihn entschieden habe und wie . Grete selber hatte , neben einer eindringlichen Ermahnung , das Nein aus seinem Munde hören müssen . Da war nun große Not und Trübsal , und es wurd erst wieder lichter um Gretens Herz , als sich die Wirtin ihrer erbarmte und ihr anriet , drüben ins Kloster zu den Nonnen zu gehen , die würden schon Rat schaffen und ihr zu helfen wissen , wär es auch nur , weil sie den alten Roggenstroh nicht leiden könnten . Sie solle nur Mut haben und nach der Domina fragen oder , wenn die Domina krank sei ( denn sie sei sehr alt ) , nach der Ilse Schulenburg . Die habe das Herz auf dem rechten Fleck und sei der Domina rechte Hand . Und wenn diese stürbe , dann würde sie ' s. Das waren rechte Trostesworte , und als Grete der Wirtin dafür gedankt , machte sie sich auf , um drüben im Kloster das ihr bezeichnete Haus aufzusuchen . Ein paar halbwachsene Kinder , die vor dem Tor der Ausspannung spielten , wollten ihr den Weg zeigen , aber sie zog es vor , allein zu sein , und ging auf die Stelle zu , wo der Heckenzaun und dahinter der Kreuzgang war . Als sie hier , trotz allem Suchen , keinen Eingang finden konnte , preßte sie sich durch die Hecke hindurch und stand nun unmittelbar vor einer langen offenen Rundbogenreihe , zu der ein paar flache Sandsteinstufen von der Seite her hinaufführten . Drinnen an den Gewölbekappen befanden sich halbverblaßte Bilder , von denen eines sie fesselte : Engelsgestalten , die schwebend einen Toten trugen . Und sie sah lange hinauf , und ihre Lippen bewegten sich . Dann aber stieg sie , nach der andern Seite hin , die gleiche Zahl von Stufen wieder hinab und sah sich alsbald inmitten des Klosterkirchhofes , der fast noch wirrer um sie her lag , als sie beim ersten Anblick erwartet . Wo nicht die Birnbäume mit ihren tief herabhängenden Zweigen alles überdeckten , standen Dill- und Fencheldolden , hoch in Samen geschossen ; dazwischen aber allerhand verspätete Kräuter , Thymian und Rosmarin , und füllten die Luft mit ihrem würzigen Duft . Und sie blieb stehen , duckte sich und hob sich wieder , und es war ihr , als ob diese wuchernde Gräberwildnis , diese Pfadlosigkeit unter Blumen , sie mit einem geheimnisvollen Zauber umspinne . Endlich hatte sie das Ende des Kirchhofes erreicht , und sie sah zwischen den Bogen hindurch , die das Viereck auch nach dieser Seite hin abschlossen , auf den in der Tiefe liegenden Klostersee , den nach links hin , ein paar hundert Schritt weiter abwärts , einige Häuser umstanden . Eines davon , das vorderste , steckte ganz in Efeu und war bis in Mittelhöhe des Daches von fleischblättrigem und rotblühendem Hauslaub überdeckt . All das ließ sich deutlich erkennen , und als Grete bis dicht heran war , sah sie , daß eine Magd auf dem Schwellsteine stand und den großen Messingklopfer putzte . » Wer wohnt hier ? « fragte Grete . » Das Fräulein von Jagow . « » Ist es eine von den Nonnen ? « Das Mädchen lachte . » Von den Nonnen ? Wir haben keine Nonnen mehr . Es ist die Domina . « » Das ist gut . Die such ich . « Und das Mädchen , ohne weiter eine Frage zu tun , trat in den Flur zurück , um ihr den Weg frei zu ma chen , und wies auf eine Tür zur Linken . » Da . « Und Grete öffnete . Es war ein hohes , gotisches , auf einem einzigen Mittelpfeiler ruhendes Zimmer , drin es schwerhielt , sich auf den ersten Blick zurechtzufinden , denn nur wenig Sonne fiel ein , und alles Licht , das herrschte , schien von dem Feuer herzukommen , das in dem tiefen und völlig schmucklosen Kamine brannte . Neben diesem , einander gegenüber , saßen zwei Frauen , sehr verschieden an Jahren und Erscheinung , zwischen ihnen aber lag ein großer , gelb und schwarz gefleckter Wolfshund , mit spitzem Kopf und langer Rute , der der Jüngeren nach den Augen sah und wedelnd auf die Bissen wartete