die Fahrt weiter , bis abermals die Straße durch einen Haufen Kinder versperrt war . Also mußte sich das Bräutl wieder loskaufen und das noch etlichemal , eh wir an den Hof des Lackenschusters kamen . Da krachten wieder die Böller und hallten zwölf Schüsse durch das Tal ; und es kam uns der Hochzeiter , ein stämmiger Bauernbursch mit kohlschwarzen Haaren und dunklen Augen , auf einem schön geschmückten Roß juchzend entgegengeritten , begrüßte alle freundlich und reichte dem Bräutl die Hand . Drauf bot er ihr aus einem feingeschliffenen Glaskrug , der mit allerhand Bändern , Perlen und Münzen geziert war , zu trinken , indem er rief : » Hochzeiterin , grüaß di der Himmel und grüaß di Gott dahoam ! - Geh , tu mir Bscheid , obst gern und willig hoam gehst zu mir ! « Da nahm die Braut und Jungfer den Krug , und ihre Augen glänzten , als sie ihm den Bescheid tat : » Grüaß di Gott aa ! - Mit Verlaub - auf dein Gsund - auf unser Glück - auf mein Einstand in der neuen Hoamat ! « Drauf trank sie und gab ihm den Krug wieder zurück ; er aber tat bloß noch einen herzhaften Trunk daraus und sagte darnach : » Ghalt ' n nur ! Zum Angedenken auf die Stund ! « Worauf ihm die Hochzeiterin dankte , den Schlüsselbund aus dem Korb holte und , aus der Kutsche springend , sagte : » Also siechst mi zu deinen Füaßen stehn als dein anvertrautes Weib . I kimm mit Freuden , - da hast d ' Schlüssel , und « - sie nahm das Hemd und die Strümpf - » wannst mir halt die Liab tätst und nahmst es an aus meiner Hand ! Reiß ' s z ' samm in Glück und Gsund ! « Da saß der Hochzeiter ab , faßte sein Bräutl an der Hand und führte sie in sein Haus . Der Weidhofer aber stieg aus dem Wagen , nahm das Roß des Hochzeiters beim Zaum und übergab es einem Knecht desselben ; darnach hob er mich aus meinem Sattel und sagte : » Kannst auch mit ins Haus gehn und helfen einräumen , wannst magst ! « Aber ich mochte nicht . Hatt nichts verloren in dem Haus . Ging mich ja nichts an . Sollten nur die andern werken , saufen und Faxen treiben , wie es der Brauch ! Sagte also : » Ja , ja . Werd schon sehn , wie sichs schickt « , ließ den Weidhofer ins Haus gehen und macht mich davon , auf den Heimweg . So von ungefähr begegnete mir der Pfarrer ; der fragte , ob ich vom Lackenschuster käm . » Nein « , sagte ich ; » bin vom Weidhof « , zog mein Hütl und lief davon ; wußte wohl , daß er kam , um die neue Einricht , das Haus , das Vieh und alles im Lackenschusterhof einzusegnen und zu weihen . Das aber war seine Sach und ging mich nichts an . Sprachlos und grimmig sah mir der alte Herr nach und stand , als ich mich nach einer Weil umwandte , noch immer am selbigen Fleck und schüttelte mir die Faust . Ich kehrte mich aber nicht viel daran . Bin auch mein Lebtag kein bsunderer Freund der Pfaffenröck gewesen , ausgenommen des einen , den ich aber erst nachmals in der Münchnerstadt kennen lernte . Also trabte ich dahin und kam wieder zu meinem Godenkind . Das lag wohl schlafend im Wagen , und die Mutter Nandl fuhr es leise die Stube auf und ab und sprach mit der Weidhoferin über ihre Hochzeit und den Pauli . » Ei was ! « sagte die Nandl voller Freud , da sie mich sah ; » der Herr Göd ist schon wieder zruck ! « Auch die Ziehmutter belobte mich , und beide dachten nicht anders , als daß dies rein aus Eifer und Lieb für das Wuzerlein geschehen wär , daran ich doch längst nimmer gedacht , vielmehr mein ganzes Herz bei der Kathrein gehabt hatt ! Doch schwieg ich still , ließ mir eine Schale Kaffee geben und aß dazu etliche Taufküchlein . Da gings denn an ein Gefrag und an ein Getue wegen des Einstands der Jungfer ; ich sollt sagen , wie sie angekommen , wie er sie empfangen , ob der Pfarrer schon gesegnet hätt , ob ' s recht zuging jetzt , - kurzum eine wollt das Knetene wissen , die ander das Bachene . Sagt ihnen aber gar nichts von der ganzen Sach , als daß ich sie wohl hingebracht hätt , und dann sei ich gegangen ; den Pfarrer hätt ich am Weg getroffen , wie er zum Segnen ging . Dazu aß ich meinen Kaffee aus , wischte drauf meinen Löffel ans Tischtuch und wollt gehen ; doch sagte die Meßmerin , ich sollt nur sitzen bleiben ; an so einem heiligen Tag verlangt ' kein Mensch , daß ich noch arbeit ' . Dann ging ' s Schwatzrädlein wieder munter um , und ich vernahm , daß der Pfarrer , eh er nach dem Lackenhof gegangen , dagewesen sei und der Nandl eine gar frohe Botschaft gebracht hätt ; nämlich , daß er sie morgen schon zum drittenmal verkünden wollt , und wenn die Meßmerin nichts dagegen hätt , könnt man ja gleich zwiefache Hochzeit halten . Also sollt am Irchtag in der kommenden Woch auch die Nandl mit ihrem Hochzeiter vereint werden , und die Weidhoferin versprach , daß sie ihr gleich morgen einen sauberen Kuchelwagen aufrichten wollt ; der Wagen und die Ochsen seien ja schon gericht , und die Einricht und den Kastenprunk wollt sie der Nandl gern leihen zum Einstand , auf daß die Leut nit gleich neinschmecken kunnten in ihren Haushalt . Weiß nicht , ob es noch so ist ; damals aber war der Brauch , daß arme Hochzeiterinnen ihre