gegen die graue Wand . Da ging der Bruder hinaus , weil er es nicht mit anhören konnte , die Mutter aber setzte sich zu ihm und streichelte ihm die Backen , bis er ganz still lag . Dann sagte sie : » Harm , hür mol to : Ik will mol mit di snacken . « » Och , lot mi doch , Mudder ! « » Ne , ik mütt di dat seggen , Harm , dat steiht mi so vörn Harten , dat ik ne mihr slopen kann . Jan , dien Bruer , will ok no See , wenn he Ostern ut de Schol is ! Snack du em dat ut , Harm . Ik hol dat ne ut un goh to Woter , wenn he ne an Land bliwt ! « Der Kranke schloß die Augen und gab keine Antwort : da glaubte sie , daß er eingeschlafen sei , und schlich auf Socken hinaus . Er hatte aber nur keine Antwort geben wollen . Störtebeker ließ die Ostermoon einen Tag liegen , er hatte keine Zeit für sie , denn er war mit seinem kleinen Schiff am Bollwerk zugange und erprobte dessen Segel- und Manöverierfähigkeit . Der andre Tag war ein Sonntag , ein heller , sonniger Tag . Weiße Wolken kamen im Westen aus der See gestiegen und segelten wie Lustkutter auf dem blauen Luftmeer . Der Matrose ließ sich von seinem Bruder die Kissen hinter den Rücken stopfen , damit er besser ausgucken konnte , und wartete auf Störtebeker . Die Mutter kam herein , mit dem Gesangbuch in der Hand , und fragte , ob er noch etwas wolle ; als er verneinte , ging sie nach der Kirche und überließ die Wache dem Konfirmanden . Störtebeker kam , aber er hielt sich oben nicht lange auf , sondern stolperte gleich wieder die Bodentreppe hinunter , um das Dankesfeuer zu entfachen . Nach kurzer Zeit loderte eine große Ostermoon auf dem Deiche , wie Störtebeker noch keine gehabt hatte : das war für das schöne Vollschiff ! Harm Külper verwandte kein Auge von ihm : da ergriff ihn mit einem Male der Gedanke : jetzt muß ich sterben ! Und der ließ ihn nicht mehr los , bis er sich ihm ergab und das Ruder losließ : treib , Schifflein , treib ! Da kam eine große , heilige Ruhe in sein Herz , der Schmerz verging , und all das Tote , Dumpfe , das auf ihm und in ihm gelegen hatte , wich einer wunderlichen Leichtigkeit und Klarheit . Er erkannte , daß sein Leben groß und schön und sonnig gewesen war . Glitzernd und blinkend , atmend und lachend lag die See vor ihm , die große weite See , und hohe , stolze Drei-und Viermaster segelten wie Königsschiffe vor dem Winde ! Wie leuchteten ihre goldenen Namen , wie winkten die Janmaaten ! Er stand auf der Back im Sonntagsstaat , in der Tür des Logis saß der Norweger und spielte auf der Harmonika ; über ihm aber wölbten sich die gewaltigen Segel , von der Fock bis zu den Royals , und die Rahen knarrten . Delphine spielten vor dem Bug , und Albatrosse schwebten über dem Heck ! Und der Norweger spielte , bis die weißen Nocken rot wurden und die Sonne langsam ins Wasser sank ... » Jan ? « » Wat schall ik , Harm ? « Jan hatte einige Sprüche zu lernen , die gar nicht sitzen wollten , und sah verdrießlich von seinem Katechismus auf . » Jan , Mudder seggt , ik schall di van de Fohrt afroden . Du schallst ne no See hin , seggt se . Un ik schall di bang moken , Jan . Ober ik dot ne , wenn Vadder un Jakob ok verdrunken sünd , un wenn ik ok grote Hoveree hebb un kodimmt wardn mütt ! Ik ro di to , Jan ! Wenn du Lust no See hest , denn goh no See un lot di ne meuten ! Goh no See , Jan , un dink an dien Bruer , wenn du goden Wind inne Seils hest ! « Der alte Lebensmut flammte noch einmal in der Seele des Matrosen auf . » Buten ist doch beter as binnen , Jan , gläuf mi dat ! Wenn de Wieber ok seggt , mien Leben is verkihrt wesen : ik bün krank wedderkommen un hebb keen Sack vull Gild mitbröcht ; ik segg di : mien Leben is recht wesen , un wünsch mi keen anner ! « » Snack doch ne soveel , Harm « , beschwichtigte ihn der Bruder , der gern weiterlernen wollte , » ik seh di dat an , du hest dor Wehdog van . « Der Matrose aber richtete sich auf . Mit dem letzten Rest seiner Kraft ging er gegen die Schwäche an , die ihn übermannen wollte , und verlangte sein Seefahrtsbuch . » Wat wullt dormit , Harm ? « » Mien Munsterbook , Jan ! Dat ligt boben up mien Seemannskist ! « Er ließ nicht nach , bis er es in den Händen hatte . Fest umschlossen seine knochigen Finger es , als er sagte : » Dor steiht dat in , Jan , woneem ik allerwärts wesen bün : an de Westküst un in Schino , inne Middellandssee un inne Sunda , boben bi de Eskimos un nerden bi de Minschenfreters . Dat steiht dor all in ! Mien Munsterbook will ik nu jümmer bi mi hebben , Jan , un wennk dot bün , denn schöt ji mi dat innen Sarg leggen , wat ik mi vör Gott ok verklorn kann . « » Harm , schoon di doch « , bat der Bruder , der ihm die Anstrengung ansah , aber der Matrose hörte nicht . » Kiek , Jan , ik bün nu so krank , dat ik ne den lütten Finger mihr krumm moken kann ,