Fuchs oder ein Reh . Nicht gerade ehrgeizig das ! Aber Hinterhalte legen , das liegt uns allen im Blut , und da die Gelegenheit sonst immer seltener wird - - Unsere Urväter waren ja doch alle gewiegte Fallensteller , nicht wahr ? « Er ließ seine Zähne zwischen dem Bart in einem breiten Lachen blitzen . Werner lachte höflich mit . » Ja - ja ! Vielleicht . « Sie trennten sich mit einem Händedruck . Zu Hause fand Werner einen Brief vom Baron Werland vor . Werland machte ihm Vorwürfe wegen seines langen Ausbleibens . » Ein Beichtvater « , hieß es in dem Brief , » hat nicht das Recht , selbst das Beichtkind im Stich zu lassen , das ihm die langweiligsten Geschichten beichtet . Also kommen Sie . « Werner wunderte sich , als hätte er es anders erwartet , Dumala ganz so zu finden , wie er es immer gesehen hatte - die tiefe Dämmerung in dem Zimmer , das diskrete , faltige Gesicht des alten Jakob , das Kammzimmer mit der grünen Lampe . Werland , in die rote Decke gewickelt , saß am Kamin , und die Augen schauten flackernd aus den tiefen Höhlen . » Nun , Seelsorger « , rief er , » Sie entkommen mir nicht ! Setzen Sie sich , setzen Sie sich . Nur keine Entschuldigung . Machen Sie , als ob Sie gestern hier gewesen wären . « Karola saß auf ihrem Stühlchen und rieb das Bein ihres Gatten . Sie nickte Werner zu , als hätte sie ihn wirklich eben erst gesehen , und es begann eine ziemlich träge Unterhaltung , wie unter Leuten , die sich zu häufig sehen und sich wenig Neues mitzuteilen haben . Werland schloß zuweilen die Augen , verfiel in leichten Schlaf , ans dem er dann auffuhr , um etwas zu sagen . » Wie steht es mit der Seelsorge , Pastor ? « » Oh - danke , es geht « , erwiderte Werner . » So ! Ein merkwürdiges Geschäft « , meinte Werland . » Muß schwer sein , die Buchführung , die Bilanz - soundso viel Seelen plus - so viel minus . « Werner lachte . » Ja , das ist schwer bei einem Kapital , das noch zirkuliert . Die große Bank dort oben wird ' s dann schon - - « » Unser altes Thema « , unterbrach ihn Werland . » Aber ich denke nicht mehr darüber nach . Man wird sehen . « Er schloß wieder die Augen . Karola war schweigsam , rieb Werlands Bein und schaute in das Feuer . Werner betrachtete dieses Gesicht . Er suchte darin nach etwas Neuem , etwas Fremdem , etwas , das verriet . Allein die Züge hatten wie immer ihre klare Reinheit , die Augen ihr verträumtes , geheimnisvolles Licht . Nichts war verändert , nichts war von der Karola da , die sich dort in der Waldlichtung in den Sonnenschein emporheben ließ . Das beunruhigte Werner , er wollte etwas finden , was diese Frau ihm fremd und verächtlich machte , und nun schaute er in das Gesicht , das ihn mit törichten , knabenhaft weichen Gefühlen erfüllte . » Die Galgenbrücke hat Rast einreißen lassen « , sagte Werland . » Ja , es war Zeit « , erwiderte Werner zerstreut . » Eine Gelegenheit weniger , sich aus der Welt zu befördern « , meinte Werland , » aber Sie haben wohl keine Selbstmörder unter Ihren Gemeindekindern , was ? « » Nein , Gott sei Dank . « » Die Leute hier « , fuhr Werland fort , » sind wie die kleinen Leute , die selten ins Theater kommen . Wenn sie mal ihren Platz bezahlt haben , dann bleiben sie bis zu Ende , wenn auch ein Stümper das Stück geschrieben hat und sie nur gähnen und sich ärgern müssen . Wir alle machen es wohl so . « » Das ist doch wohlerzogen « , wandte Werner ein . » Sich langweilen können , ist doch gute Erziehung . « » Da haben Sie wieder recht , Pastor « , gab Werland zu . » Das sieht man an unserer guten Gesellschaft . Was wir an Langeweile ertragen können , ist ungeheuer , und nur durch jahrhundertlange Erziehung zur Langeweile möglich . Ist es nicht so , Kind ? « wandte er sich an Karola und strich ihr mit der Hand über den Scheitel . » O ja , das können wir ! « sagte sie , und ihr Gesicht wurde einen Augenblick von dem hübschen , durchtriebenen Lachen erhellt . Pichwit kam zum Tee , war schweigsam und hochmütig wie sonst . Als Karola sich erhob und in das Nebenzimmer ging , um Jakob eine Bestellung zu machen , folgte Werner ihr mit den Blicken , und da - da fand er es , das Fremde , das Neue . Aufrecht und gleichmäßig , mit ganz wenig Bewegungen , pflegte sie sonst zu gehen . Heute wiegte sie leicht den Oberkörper , ließ die Arme lose herabhängen in einer welchen , müden Bewegung , die sorglos , fast leichtsinnig aussah . Das war es ! Das erinnerte an den Körper , der sich auf der Waldlichtung an Rasts Brust schmiegte . Werner wandte den Kopf ab . Es war ihm unerträglich , das zu sehen . Da fiel sein Blick auf Pichwit . Mit den hellbraunen , feuchten Augen war auch er Karola gefolgt . Sein bitterer , zu kleiner Mund drückte die Lippen so fest zusammen , daß sie weiß wurden . Auch ihn schmerzte das . Als Pichwit gute Nacht sagte , streckte Karola ihm die Hand hin . Pichwit nahm sie , ein wenig erstaunt , und küßte sie . » Mein treuer , kleiner Page « , sagte Karola . Pichwit errötete . In seinem Gesicht zuckte es , als wollte er weinen . Er wandte sich schnell ab