Blume im gelben Spiegelfelde sogar jetzt noch öfter die Ehre an , einmal mit Sammetschuhen geärgert darüberhinzugehen und ringsum weder den Sklaven » Tisch « , noch den willigen Sekretär oder den Diener Schreibtisch groß zu achten . Das war so Dienervolk . Das stand da oben in der Wohnung des Geheimrats wie unten im Hause in der Wohnung des Herrn Ipsilon und wo nicht noch alles ! Und allenthalben hatte man da an den Wänden auch Bilder und Stiche angebracht , ohne groß zu achten , welche Seelen hier ihr Lied gesungen , oder aus welchem Grunde man da und dort in Ecken und Winkeln Einladungen zum Sitzen in Holz und Kissen hingepflanzt . Das war Dienervolk , Tische und Stühle , Bilder und Schränke , was man aus Herkommen und Notdurft zusammengedungen auf Markt und Gassen , und was man schlecht und recht eine bürgerliche Wohnung nannte . Dann hatte Einhart auch eine Wohnung gesehen , die ihn seltsam genug dünkte . Als er zum ersten Male bei Professor Soukoup eingetreten . Tische und Stühle darin waren alle aus feinen Hölzern , funkelnagelneu , alles feine Prunkstücke , ein jedes wie ein Muster einer feinen Idee , die sich darin ausprägte , ganz rein und in einfachsten Linien , wie Professor Soukoup ausdrücklich erklärt hatte . Es saß sich wirklich sehr bequem auf den großen Stühlen . Keinerlei fremde Zierrate . Die Ornamente der Teppiche mit denen der Gardinen eingestimmt . Wenn das eine Zimmer einen blau empfing , sah man weiter in gelbe Räume . Allenthalben klangen die Farben der Wände mit den großen Dunkelornamenten der Vorhänge und Möbelflächen zusammen . Es war wie ein extraarrangiertes Orchester , das jedem , der hereinkam , sofort ein Lied oder einen Siegesgesang oder ein sanftes Adagio aufspielen konnte , wozu dann der Dirigent viele Male auf den Eintretenden die Augen richtete und zu sagen schien : » Nun , ist das nicht eine feine Musik ? wohne ich nicht unter reinen Harmonien ? « Einhart wußte es gar nicht , daß man solche Orchester allenthalben jetzt in reichen Häusern spielen ließ . Daß , wenn der reiche Herr Ysop sich von den Wandflächen und Teppichen und aus Möbel und Gefäß so eine stumme Musik von einem Künstler ersinnen ließ , auch die Möbelstücke und Bowlen und Teller des Herrn Ypsilanti nicht ganz tonlos bleiben durften . Daß man eigentlich jetzt sozusagen in allen vermögenden Hausern denselben Musikanten begegnete . Aber Fräulein Resedas Wohnung , der begegnete man nirgends . Man kann ohne weiteres sagen , daß Einhart einfach vergaß , daß Fräulein Reseda einen Buckel hatte , sofort , als er eingetreten . Daß Fräulein Reseda einen Kropf hatte , der aus der Mantille heraussah . Er sah nur noch das lange , hagere , feine Gesicht mit der Nase , die ihm nicht mehr lang , nur sehr ausdrucksvoll sanft auf alles zu weisen schien , was die schönen Dunkelaugen sprachen . Gewiß war die Haut von Fräulein Reseda welk . Aber das Gesicht hatte einen Rahmen schwarzer , voller Scheitel unter dem Chenillenetz , und das schlichte , fromme Kleid , das sie trug , erinnerte ihn an ein altes Stammbuchblatt , das Frau Selle einmal früher , als sie in alten Sachen kramte , von der Großmutter gefunden und sogleich zerrissen hatte , weil sie damals gemeint , das wären auch solche Dummheiten gewesen , die man früher betrieben . Nun , zu allernächst muß von der Wohnung geredet werden . Daß sie im vierten Stock lag , hatte der Seele der Wohnung gar nichts anzuhaben vermocht . Um so wunderbarer kam es jedem vor , der aus dem dunklen Bodenraum hineintrat . Man hätte hier gedacht , nicht einmal niederen Dienern , stumm und devot und unzugehörig , geschweige gut bezahlten Stadtmusikanten zu begegnen , nur etwa müdem , abgenutzten Gesindel , wie es in Einharts Stube dürftig zusammengelesen . Und nun sah man es gleich , daß darin nur wirkliche , stille , liebe , alte Vertraute zusammenstanden , wirklich Vertraute , mit langen , tiefen Schicksalen . Allein die eine Wand gegen die beiden Fenster war schon rein wie ein Altar der Liebe , so däuchte es Einhart , wie er eintrat . Da stand ein bauchiger Schub mit goldnen Griffen und einer Decke von Mutterhänden mit Blumen durchwirkt , bunte , farbighelle Sterne , einer anders als alle , und in stillen Stunden , wenn Fräulein Reseda in der Dämmerung noch ohne Licht saß , begannen diese Blumensterne sich zu einem Bilde voll liebenden Lebens zu ergänzen , erwachten auch die Hände mit der dünnen Haut und den blauen Adern - und den großen Nadeln und die Augen voll Bläue und die ganze , liebe , haubenumrahmte Muttergestalt neu . Und Fräulein Reseda konnte allein aus dieser Decke eine ganze , lange Geschichte voll beseligender Erinnerung , wie die Biene aus einer Blume Honig ziehen . Und auf der bunten Blumendecke stand eine Uhr , das seltsamste Stück , aus schwarzem Holze , mit einem großen Auge von Zifferblatt mitten wie eine Sonne in einem Tempelgiebel , der von Säulen getragen war . Und der Perpendikel schwang dazwischen und pendelte auch noch in einem prismatischen Spiegel , daß er zur rechten und linken Seite immer sich auch noch einmal entgegenkam . Das alles wäre nur fesselnd gewesen . Auch , daß diese Uhr sauber mit Goldblumen besetzt war und überhaupt ebenso gut in einem Schloß auf einem marmornen Kamin wie in dieser stillen Heimstätte einer frommen Menschenfreundin hätte ihr Stundenlied pendeln und pinken können . Wenn nicht auch hier noch außerdem eine alte Schicksalsmelodie daneben geklungen . » Diese Uhr gefällt Ihnen ? « hatte Fräulein Reseda gleich , auf den erstaunten Einhart blickend , gesagt . » Ja , das ist nämlich ein kleines Wunder . Soll ich Ihnen die Geschichte erzählen ? « » Erzählen Sie gleich , « hatte Einhart nur neugierig erwidert . » Mein guter Vater hätte