, ihren Beichtgroschen , wie es Sitte war seit undenklichen Zeiten , und niemand nahm daran einen Anstoß , und erhielten einen Spruch auf ihren Lebensweg ; Hansen aber sah der Pastor mit einem frohen Lächeln an , dann nahm er seine Hand , legte ihm die Rechte aufs Haupt und sprach : » Halte , was du hast . « Das war in einer kleinen Sakristei , die getünchte Wände hatte , und stand da ein Tisch aus gestrichenem Holz , und darauf lag Bibel und Gesangbuch , davor das Kruzifix und ein Strauß Herbstblumen in einer blauen Glasvase ; das Fenster war geöffnet , und von draußen kam das Murmeln der gehenden Menschen und herbstlicher Sonnenschein , der in Tropfen durch das Laub eines Baumes fiel . Wie Hans in die Kirche zurückkam , wartete da eine Taufgesellschaft , und war die Mutter früher Dienstmädchen bei der Herrschaft gewesen , die einen Waldwärter geheiratet , und hatten das erste Kind . Die Frau saß in einem Kirchenstuhl , mit verlegenem und glücklichem Gesicht , und rosig und lächelnd und hielt das Kindchen auf einem Kissen im Arm und schaukelte es , damit es nicht schreien solle , das Kind aber wollte gar nicht schreien , sondern sah erstaunt nach dem großen Hängeleuchter , der mitten in der Kirche von der blauen , goldgesternten Wölbung herabhing . Der Vater stand aufrecht daneben in straffer Haltung , als ein früherer Soldat , und trug einen Bart rund ums Gesicht , in dem Oberlippe und Kinn ausrasiert waren , so daß nur der Kranz blieb ; und auch er blickte glücklich und stolz auf das Kind , doch suchte er unbeteiligt auszusehen und wollte seine Gefühle verbergen , als unpassend für einen gräflichen Beamten . Die beiden Großeltern sollten Pate stehen , denn die Eltern mochten keine Patengeschenke von Fremden betteln . Die saßen gleichfalls , und ließ der Großvater seine Uhr an der härenen Kette baumeln , und wunderte sich , daß das Kind gar nicht auf die Merkwürdigkeit achten wollte , indessen die Großmutter zur Seite geschäftig in allerhand Linnenzeug kramte . Wie der Pastor in die Kirche zurücktrat , erhoben sich die Sitzenden und traten alle zum Taufbecken . Die Mutter sah den alten Pastor an , der auch sie einst getauft , dann eingesegnet und endlich getraut hatte , und wurde noch röter , und ihr frisches Gesicht strahlte und wollte gewiß sagen , daß er das Kind bewundern solle , wie groß es war und verständig , aber sie besann sich noch zu rechter Zeit , daß das unpassend gewesen wäre , und in ihrer Verlegenheit schoß ihr eine ganz feurige Welle über das Gesicht , und machte einen Knicks vor dem geistlichen Herrn , wie es ihr früher beigebracht war , wenn sie auf dem Schlosse etwas der Herrschaft zu übergeben hatte , und reichte ihm das Kind . Der alte Mann lächelte freundlich , nahm es ihr ab , faßte ihm die Bäckchen und gab es der Großmutter , indem er der ganz verwirrt gewordenen Mutter zunickte . Indem goß der Kantor das Wasser in das Taufbecken und prüfte mit dem Finger die Wärme ; dann fand die Taufhandlung statt , bei der das Kind sich artig und ruhig hielt , dank der unermüdlichen Bewegungen der Großmutter , denn nur wie es die dreimalige Benetzung verspürte , schien es erstaunt und schlug die Augen über sich , und der Großvater , welcher der Stolzeste schien , rühmte es durch ein leises Wort dem Vater ; am Ende kniete die Mutter nieder , und der Pfarrer erteilte ihr den Segen . Karl erwartete Hansen , denn er hatte ihm Wichtiges zu sagen und wollte seine Seele erleichtern durch Erzählen . Schon seit etlicher Zeit hatten sich die beiden entfernt , unmerklich und ohne sichtbaren Grund , wie sich zwei Baumstämme trennen , die , im Meer treibend , einander gefunden hatten und zusammen dahinschwammen , eine lange Weile . Wenn sie sich trafen , hatten sie sich nichts zu sagen , trotzdem doch sonst der Jugend das Herz leicht überfließt von dem vielen Neuen , das durch Auge und Ohr hereinkommt und gebildet wird durch den schöpferischen Verstand , und deshalb sprachen sie Gespräche wieder , die sie vorzeiten geführt , wiederholten Worte , die damals lebten und nun tot waren , und wunderte sich im stillen ein jeder , wie wenig er zu sagen wußte . Aber heute war in Karl eine alte Liebe erwacht , und sein Herz sehnte sich nach einem teilnehmenden Gesellen . So feinfühlig sind wir , ohne daß wir es ahnen , daß das Fremde , das in uns gekommen , auf beiden Seiten wirkend , uns trennt ; erst als seine Reue die Schuld hinauswarf , waren sie wieder zusammen wie vorher . Karl erzählte aber von Johanna und seiner Liebe zu ihr , und wie er sich bisher nicht frei machen konnte , trotzdem er sich selbst verachten müsse , und er sehe klar , daß er immer niedriger und schlechter werde durch seine Zuneigung ; heute aber habe er einen festen Entschluß gefaßt , daß er sich befreien wolle aus seiner Untertanschaft . Nicht so sprach er , wie hier mit abgezogenen Worten geschrieben ist , sondern er redete als ein Halbwüchsling ; und ein Mensch , der nicht weiß , welche Bedeutung die Handlungen des Menschen haben , hätte seine Erzählung für kindisch gehalten und sein ganzes Erlebnis . Aber das ist eine oberflächliche Meinung , die durch die äußere Gestaltung , welche einer Handlung Alter und Bildung und sonstige formgebende Dinge anziehen , sich bewegen läßt in ihrem Urteil , und einen sittlichen Kampf belächelt , weil er in dem siegfriedhaften Wesen eines unerfahrenen Gemütes vor sich geht und um Dinge , die einem Erwachsenen unbedeutend erscheinen ; da doch solche Vorgänge wichtiger sind , weil sie auf die weitere Bildung des Charakters einwirken , wie scheinbar bedeutsame Ereignisse in späteren Jahren . Es