- - - - Meine Bücher ! meine geliebten Bücher ! - Nein , nein , wir brauchen neue Bücher , Bücher , in denen auch wir Menschen sind , nicht nur Frauen . Ich will die alten Bücher nicht mehr , sie lügen , sie verleumden uns ! Sie sind von Leuten geschrieben , die uns nicht kennen ! Unsere Kräfte nicht , unsern glühenden Lichthunger nicht , unsere Verzweiflung nicht ! Lebt wohl , ihr alten Bücher ! - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - 24. Juli 1891 . An die Leidenden . Gedicht von Nadson . Aus dem Russischen übersetzt von Lilie Halmschlag . Freund , Bruder , mein Bruder in Mühsal und Leid , Wer du seist , laß nicht sinken den Mut ! Herrscht allmächtig auch Lüge und Bosheit noch heut Auf der Erde , gebadet in Blut , Liegt zerschlagen der Menschheit geweiht Ideal , Sind von Thränen die Ströme geschwellt , Glaub : es kommt eine Zeit , da stürzet der Baal , Und die Liebe kehrt heim in die Welt . Nicht im Dornenkranz , nicht im Bettlerkleid , Nicht in Ketten , ans Kreuz gespannt , In die Welt wird sie kommen voll Herrlichkeit , Leuchtfackel des Glücks in der Hand ! Und kein Weinen wird fürder , kein Hassen mehr sein , Kein ungeweiht ' Grab auf der Erd ' ; Nicht dumpf lichtloser Not herzbrechendes Schrein , Und kein Sklave , nicht Schandpfahl , nicht Schwert ! Kein Traum , oh , mein Freund , ist das leuchtende Bild , Keine Hoffnung nur , eitel und leer . Blick um dich : zu hart preßt das Böse , zu wild , Die Nacht ist zu finster , zu schwer . Blutsatt ist die Erde ! Die Qual war zu heiß , In sinnlosen Kämpfen zu stehn ; - Und zur Liebe gewandt , die von Schranken nichts weiß , Sind die Augen in gramvollem Flehn ! ..... Wir Frauen haben kein Vaterland , uns binden keine Ländergrenzen , uns bindet kein Fahnen- , kein Bürgereid . Aber heimatlos sind wir nicht . Unsere Heimat ist die Erde , unser Volk ist die Menschheit . Nationale Arbeit hat man uns verwehrt ; - leisten wir denn , was höher ist , als sie , leisten wir Menschheitsarbeit ! Beten wir , daß bald die Zeit komme , wo die Grenzen aufhören , die Volk von Volk scheiden , wo die Kriege aufhören , die den Mann auf die Stufe des blutdürstigen Tieres degradieren ; wo das schmutzige Geld nicht mehr über die verkaufte Erde rollt ; wo es weder Kapitalisten noch Proletarier mehr giebt , sondern nur Menschenbrüder , und wo der Mann auch im Weibe die gleichstrebende Schwester erkennt und achtet ! Beten und - handeln wir ! Handeln wir !