Hischam an , der wie gewöhnlich nicht müde wurde , über die Ziele und Pläne des großen Geheimbundes zu reden . Immer wieder klangen von des Philosophen Lippen die beiden Worte : » Lautere Brüder ! « » Lautere Brüder ! « Währenddem sang die weiße Abla , die sich mit einem großen weißen Federfächer sorgsam vor den Strahlen der Sonne schützte , eine südarabische Volksweise , die so recht in die angeheiterte Laune der » lauteren « Brüder hineinpaßte . Abla sang mit heißer hoher Stimme : » Wenn Du mich nicht mehr lieben willst , So geh ich zum Kuppelweibe ! Wenn Du mich nicht mehr lieben willst , So will ich Dich vergessen - In wilder toller Brunst - Bei Wein und Saitenkunst - Da lieb ich , was ich finde - Verschwinde nur ! Verschwinde - Wenn Du mich nicht mehr lieben willst . « Und diese Verse hörten am Ufer auch ein paar Eremiten , die nur in die Einsamkeit gezogen waren , um ihre Sinnlichkeit zu töten . Die lauteren Brüder landeten dann wieder , um den Eremiten » guten Tag « zu sagen . Abu Hischam erzählte den Eremiten vom Bunde , denn die Eremiten waren fast sämtlich große Gelehrte . Die alten gelehrten Einsiedler machten sehr große Augen , als sie die neue Kunde vernahmen . Die Gesellschaft wurde gleich größer . Und unter Battanys großen Zelten gings wieder mal sehr hoch her . Als die Einsiedler , die nicht weitab wohnten , in ihren ärmlichen schmutzigen Hütten den Lärm vernahmen , kamen sie gleich näher - und waren bei den lauteren Brüdern ganz guter Dinge . Sie ließen sich gern in die neue Gesellschaft aufnehmen . Äußerlich sagten die Eremiten immer sehr gern » Ja ! « . Was sie innerlich dachten , pflegten sie für sich zu behalten . Wenns nichts kostete , waren sie stets ohne Umstände für alles Mögliche zu haben . Das wußte Abu Hischam - daher hatte dieser kluge Philosoph auch gleich zu den Eremiten gewollt - - - er verstärkte durch die Eremiten seine Stellung . Es mußte natürlich in der Absicht des schlauen Bundgründers liegen , die Machtstellung des Battany nach Möglichkeit zu beschränken . Übrigens - Osmans Widerstand war sehr bald gebrochen , der Buchhändler wurde der Geschäftsführer der Gesellschaft - und machte schließlich ein ganz vergnügtes Gesicht - zu verlieren war ja bei dieser gelehrten Gesellschaft eigentlich garnichts . Ja - Osman und Abu Hischam lagen sich sogar sehr bald brüderlich in den Armen und schwuren sich ewige Treue . Abu Hischam hatte allen Grund , mehr zu trinken als je - was er denn auch sehr gründlich besorgte . Als der Vollmond über dem Tigris aufging , lag der große Philosoph Abu Hischam , der große Gründer des Bundes der lauteren Brüder - wie ein Brett im Grase - und trank nicht mehr - da er fest - sehr fest - schlief . Safur aber schlief nicht - der plauderte mit den Eremiten über die Freuden des einsamen Lebens - und ihn überkams . Er wollte auch Eremit werden - er beneidete bereits seine neuen Freunde . Als er hörte , wie einfach die Mahlzeiten der Eremiten gewöhnlich zu sein pflegten , verzogen sich allerdings seine Gesichtszüge und bekamen einen verdrossenen Ausdruck . Nein - so weit war Safur noch nicht , daß er um des einsamen Lebens willen auf ein verständiges Essen und Trinken hätte verzichten wollen - aber vielleicht ließ sich Beides vereinen . Und über dieses » Vereinen « dachte Safur sehr angestrengt nach . So schmutzig und zerrissen - wie die anderen Eremiten - wollte Safur auch nicht herumgehen . So weit war er noch nicht , daß er sich um des einsamen Lebens willen im Schmutz und Unrat hätte herumsielen wollen . Auch der Gedanke an das viele Ungeziefer der alten Einsiedler ward dem im Äußeren sehr peinlichen Dichter - ein bißchen ekelhaft - eigentlich gräßlich . Nein - Ungeziefer mochte er nicht . Da stieß ihm wieder die Tarub in die Seite - nicht derb - aber vernehmlich . Sie wollte ihn sprechen - allein . Und er entschuldigte sich bei den Einsiedlern , empfahl ihnen , sich neuen Kufa-Wein zu holen - und - und folgte der Tarub - recht unlustig . Hinter blühendem Oleander ward die Tarub zu ihrem Dichter zärtlich . Der benahm sich jedoch anders als sonst - ganz anders . Und - und - wies immer zu sein pflegt - die Sprödigkeit reizte nur - stieß durchaus nicht ab . Bagdads berühmte Köchin bat ihren berühmten Dichter fußfällig um Verzeihung - sie flehte ihn an - weinte dabei . Was die Tarub nie getan - das tat sie jetzt - sie bettelte um seine Liebe - und erzwang sie sich schließlich - nicht grade gewaltsam - aber so ähnlich . Safurn überliefs wie kaltes Wasser . Er mußte an Saids Mehlsäcke denken , die einst in Tarubs Küche einen so drolligen Reiz in ihm erweckt ... Der Vollmond schien seiner Tarub hell ins Gesicht . Die Oleanderbäume dufteten . Man hörte dann Stimmen in der Nähe . Und die Tarub eilte hurtig davon . Und dem Safur war so zu Mute - wie einem Weibe zu Mute ist , dem ein Fremder Gewalt antat . - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - Safur lag unter den Oleanderbäumen , starrte in den Vollmond und träumte - von tiefer Einsamkeit - von einem Weibe , das nirgendwo lebt , das er sich nur denkt - von einer andern Welt , in ders andre Frauen gibt als hier auf der Erde . Safur will auch einsam leben - ganz einsam - ganz allein - er will auf alles verzichten und nur allein sein - alle seine Freunde kränken ihn nur ; er ist es müde , mit ihnen zu spaßen - er will sie nicht