Vorausgesetzt , daß sie sich tummeln , daß so was wirklich existiert . Und dann bin ich überrascht , solcher Furcht und Abneigung gerade bei dir zu begegnen , bei einer Briest . Das ist ja , wie wenn du aus einem kleinen Bürgerhause stammtest . Spuk ist ein Vorzug , wie Stammbaum und dergleichen , und ich kenne Familien , die sich ebensogern ihr Wappen nehmen ließen als ihre Weiße Frau , die natürlich auch eine schwarze sein kann . « Effi schwieg . » Nun , Effi . Keine Antwort ? « » Was soll ich antworten ? Ich habe dir nachgegeben und mich willig gezeigt , aber ich finde doch , daß du deinerseits teilnahmsvoller sein könntest . Wenn du wüßtest , wie mir gerade danach verlangt . Ich habe sehr gelitten , wirklich sehr , und als ich dich sah , da dacht ich , nun würd ich frei werden von meiner Angst . Aber du sagst mir bloß , daß du nicht Lust hättest , dich lächerlich zu machen , nicht vor dem Fürsten und auch nicht vor der Stadt . Das ist ein geringer Trost . Ich finde es wenig und um so weniger , als du dir schließlich auch noch widersprichst und nicht bloß persönlich an diese Dinge zu glauben scheinst , sondern auch noch einen adligen Spukstolz von mir forderst . Nun , den hab ich nicht . Und wenn du von Familien sprichst , denen ihr Spuk soviel wert sei wie ihr Wappen , so ist das Geschmackssache ; mir gilt mein Wappen mehr . Gott sei Dank haben wir Briests keinen Spuk . Die Briests waren immer sehr gute Leute , und damit hängt es wohl zusammen . « Der Streit hätte wohl noch angedauert und vielleicht zu einer ersten ernstlichen Verstimmung geführt , wenn Friedrich nicht eingetreten wäre , um der gnädigen Frau einen Brief zu überreichen . » Von Herrn Gieshübler . Der Bote wartet auf Antwort . « Aller Unmut auf Effis Antlitz war sofort verschwunden ; schon bloß Gieshüblers Namen zu hören tat Effi wohl , und ihr Wohlgefühl steigerte sich , als sie jetzt den Brief musterte . Zunächst war es gar kein Brief , sondern ein Billet , die Adresse » Frau Baronin von Innstetten , geb . von Briest « in wundervoller Kanzleihandschrift und statt des Siegels ein aufgeklebtes rundes Bildchen , eine Lyra , darin ein Stab steckte . Dieser Stab konnte aber auch ein Pfeil sein . Sie reichte das Billet ihrem Manne , der es ebenfalls bewunderte . » Nun lies aber . « Und nun löste Effi die Oblate und las : » Hochverehrteste Frau , gnädigste Frau Baronin ! Gestatten Sie mir , meinem respektvollsten Vormittagsgruß eine ganz gehorsamste Bitte hinzufügen zu dürfen . Mit dem Mittagszuge wird eine vieljährige liebe Freundin von mir , eine Tochter unserer guten Stadt Kessin , Fräulein Marietta Trippelli , hier eintreffen und bis morgen früh unter uns weilen . Am 17. will sie in Petersburg sein , um daselbst bis Mitte Januar zu konzertieren . Fürst Kotschukoff öffnet ihr auch diesmal wieder sein gastliches Haus . In ihrer immer gleichen Güte gegen mich hat die Trippelli mir zugesagt , den heutigen Abend bei mir zubringen und einige Lieder ganz nach meiner Wahl ( denn sie kennt keine Schwierigkeiten ) vortragen zu wollen . Könnten sich Frau Baronin dazu verstehen , diesem Musikabende beizuwohnen ? sieben Uhr . Ihr Herr Gemahl , auf dessen Erscheinen ich mit Sicherheit rechne , wird meine gehorsamste Bitte unterstützen . Anwesend nur Pastor Lindequist ( der begleitet ) und natürlich die verwitwete Frau Pastorin Trippel . In vorzüglicher Ergebenheit A. Gieshübler . « » Nun - « , sagte Innstetten , » ja oder nein ? « » Natürlich ja . Das wird mich herausreißen . Und dann kann ich doch meinem lieben Gieshübler nicht gleich bei seiner ersten Einladung einen Korb geben . « » Einverstanden . Also , Friedrich , sagen Sie Mirambo , der doch wohl das Billet gebracht haben wird , wir würden die Ehre haben . « Friedrich ging . Als er fort war , fragte Effi : » Wer ist Mirambo ? « » Der echte Mirambo ist Räuberhauptmann in Afrika ... Tanganjika-See , wenn deine Geographie so weit reicht ... , unserer aber ist bloß Gieshüblers Kohlenprovisor und Faktotum und wird heute abend in Frack und baumwollenen Handschuhen sehr wahrscheinlich aufwarten . « Es war ganz ersichtlich , daß der kleine Zwischenfall auf Effi günstig eingewirkt und ihr ein gut Teil ihrer Leichtlebigkeit zurückgegeben hatte , Innstetten aber wollte das Seine tun , diese Rekonvaleszenz zu steigern . » Ich freue mich , daß du ja gesagt hast und so rasch und ohne Besinnen , und nun möcht ich dir noch einen Vorschlag machen , um dich ganz wieder in Ordnung zu bringen . Ich sehe wohl , es schleicht dir noch von der Nacht her etwas nach , das zu meiner Effi nicht paßt , das durchaus wieder fort muß , und dazu gibt es nichts Besseres als frische Luft . Das Wetter ist prachtvoll , frisch und milde zugleich , kaum daß ein Lüftchen geht ; was meinst du , wenn wir eine Spazierfahrt machten , aber eine lange , nicht bloß so durch die Plantage hin , und natürlich im Schlitten und das Geläut auf und die weißen Schneedecken , und wenn wir dann um vier zurück sind , dann ruhst du dich aus , und um sieben sind wir bei Gieshübler und hören die Trippelli . « Effi nahm seine Hand . » Wie gut du bist , Geert , und wie nachsichtig . Denn ich muß dir ja kindisch oder doch wenigstens sehr kindlich vorgekommen sein ; erst das mit meiner Angst und dann hinterher , daß ich dir einen Hausverkauf und , was noch schlimmer ist , das mit dem Fürsten ansinne . Du sollst ihm den Stuhl vor die Tür setzen -