hat damals einen so großen Eindruck auf mich gemacht , daß ich dich bitten möchte , du machtest es auch so und ließest auch zwei Kuppen aufsteigen und auf der zweiten Kuppe stände die Kirche von Adamsdorf . Das heißt die protestantische . Wenn sich die Katholiken darüber ärgern , können sie sich ja ihre Kirche auch malen lassen . Ich stehe zu Martin Luther und der reinen Lehre . Darin , denke ich , bin ich ein fester Poggenpuhl . Ich erschrak erst , als der Onkel das sagte , weil ich es mir alles anders gedacht hatte , da ' s aber kein Entrinnen gab , so gab ich mich zufrieden , und jetzt , wo ' s beinahe fertig ist , hab ich mich in die Idee ganz verliebt . So kindlich es mir anfänglich vorkam und auch noch vorkommt , so hat es doch zugleich eine tiefe Bedeutung ; als die alte Sündenwelt unterging und die neue bessere , sich aufbaute , war das erste , was neu erschien ( denn die Tiere waren ja noch aus der alten Welt ) , die Kirche jenes kleinen märkischen Dorfes und jetzt also die von Adamsdorf . Es war , als ob Gott sie gleich dahin gestellt habe . Natürlich kann man darüber lachen , aber man kann sich auch darüber freuen . Und Du , meine liebe Mama , die Du ja Gott sei Dank aus einem frommen Predigerhause bist , Du wirst es schön finden und den Onkel Eberhard noch lieber haben als zuvor . Er ist auch wirklich ein kapitaler Mann . Soviel über die Idee zu dem Bilde . Und nun wirst Du Dich nur noch wundern , wo und wie ich , die ich das Meer nie gesehen , die Vorstellung dazu hergenommen und zu meiner Sündflut verwandt habe . Nun höre . Vielleicht erinnerst Du Dich noch der Partie , die wir vorigen Herbst mit Bartensteins machten , alle dritter Klasse , was Bartensteins noch so sehr amüsierte . Dritter Klasse Ringbahn und bis Bahnhof Stralau . Und als wir da hoch oben ausstiegen , hoch wie der Berg Ararat , da lag der Rummelsburger See mitsamt der Spree wie eine mächtige Wasserfläche vor uns . Dieses Panorama hab ich für mein Bild benutzt . Der Bahnhof ist der Ararat , der Rummelsburger See die Sündflut . Auf stürmische Bewegung , weil ich doch sozusagen nur den Schlußakt der Sündflut gemalt habe , glaubte ich , ohne dadurch unkorrekt zu werden , verzichten zu können . « Briefe verwandten Inhalts trafen öfter ein , unter denen einer , der Sophies » Untergang von Sodom und Gomorrha « beschrieb , des alten Bartenstein ganz besondern Beifall weckte . » Das ist eine Mahnung « , hatte er sich damals gegen Manon geäußert ohne übrigens anzudeuten , wen er dadurch gemahnt sehen wollte . Fiechen lebte sich inzwischen immer mehr ein , und je länger sie bei den Verwandten weilte , desto lebhafter wandte sie sich , neben ihren Malereien , auch den häuslichen Angelegenheiten von Schloß Adamsdorf und ganz besonders dem Charakter der Frau vom Hause zu . Gespräche , die sie , wenn sie gemeinschaftlich um die große Parkwiese gingen , mit der Tante führte , teilte sie , wenn es paßte , ganz ausführlich nach Hause hin mit . Einmal schrieb sie : » Wir haben gestern wieder unsern Spaziergang gemacht , um die große Wiese herum , in deren Mitte sich ein Gehege mit ein paar jungen Rehen befindet , reizenden Tiere , die ich auch noch zu verwenden hoffe . Da mit einmal , ich weiß nicht mehr in welchem Zusammenhange , sagte die Tante : Ja , deine Schwester Therese . Sie wird nicht recht zufrieden mit mir gewesen sein und mich vielleicht bei euch verklagt haben , weil ich damals in Pyrmont nicht Lust bezeigte , mich der Fürstin von Wied vorstellen zu lassen , worauf sie beständig drang , und als ein Korso war , wollte ich nicht mit in der Reihe fahren und noch weniger die Pferdegeschirre mit Rosengirlanden ausstaffieren lassen . Es erschien mir alles unpassend , und ich hab es ihr auch frank und frei gesagt . Therese , wie das so oft geschieht , hat eine falsche Vorstellung von meiner Vermögenslage , die mal glänzend war , aber es nicht mehr ist . Es liegt mir daran , dich über diese Dinge , die ziemlich kompliziert sind , aufzuklären . Ich bin aus einer einfachen bürgerlichen Familie , die klein und arm anfing und es nachher zu Reichtum brachte . Da heiratete mich mein erster Mann , der damals nichts besaß , und kaufte sich Schloß Adamsdorf , denselben Besitz , der schon früher einmal , als es aufhörte Kloster zu sein , in seiner Familie war und dann verlorenging . Er war ein vollkommener Kavalier , und wir führten eine sehr glückliche Ehe , in der übrigens , was das Vermögen angeht , die Rollen sehr bald gewechselt wurden . Mein Geld nämlich ging verloren , und wir hätten Adamsdorf wieder aufgeben müssen , wenn nicht mein Mann durch Todesfälle ganz unerwartet ein ziemlich bedeutendes Vermögen geerbt hätte . Das hat uns an dieser Stelle gehalten . Aber alles , was wir besitzen , ist dadurch wieder Leysewitzisch geworden und muß den Leysewitzes verbleiben , was dein Onkel auch von Anfang an gewußt hat und guthieß . Ich habe das seltene Glück erfahren , in zwei Ehen zwei gleich treffliche Männer zur Seite gehabt zu haben . Alles hat sich zum Guten für mich gefügt , aber diese glückliche Gestaltung der Verhältnisse darf ich auch nicht vergessen und muß danach leben . Es liegt so : Von allem , was du hier siehst , haben wir nur den Nießbrauch ; Schloß , Gut , Vermögen , alles fällt zurück , und weil es so ist , habe ich haushalten gelernt . Und du , du bist ein gutes und kluges Kind