. Denn Jenny bedurfte solcher Huldigungen , um bei guter Laune zu bleiben . Diese Wirkung blieb denn auch heute nicht aus . Sie lächelte , rückte die Zuckerschale näher zu sich heran und sagte , während sie die gepflegte weiße Hand über den großen Blockstücken hielt : » Eins oder zwei ? « » Zwei , Jenny , wenn ich bitten darf . Ich sehe nicht ein , warum ich , der ich zur Runkelrübe , Gott sei Dank , keine Beziehungen unterhalte , die billigen Zuckerzeiten nicht fröhlich mitmachen soll . « Jenny war einverstanden , tat den Zucker ein und schob gleich danach die kleine , genau bis an den Goldstreifen gefüllte Tasse dem Gemahl mit dem Bemerken zu : » Du hast die Zeitungen schon durchgesehen ? Wie steht es mit Gladstone ? « Treibel lachte mit ganz ungewöhnlicher Herzlichkeit . » Wenn es dir recht ist , Jenny , bleiben wir vorläufig noch diesseits des Kanals , sagen wir in Hamburg oder doch in der Welt des Hamburgischen , und transponieren uns die Frage nach Gladstones Befinden in eine Frage nach unserer Schwiegertochter Helene . Sie war offenbar verstimmt , und ich schwanke nur noch , was in ihren Augen die Schuld trug . War es , daß sie selber nicht gut genug placiert war , oder war es , daß wir Mister Nelson , ihren uns gütigst überlassenen oder , um es berlinisch zu sagen , ihren uns aufgepuckelten Ehrengast , so ganz einfach zwischen die Honig und Corinna gesetzt hatten ? « » Du hast eben gelacht , Treibel , weil ich nach Gladstone fragte , was du nicht hättest tun sollen , denn wir Frauen dürfen so was fragen , wenn wir auch was ganz anderes meinen ; aber ihr Männer dürft uns das nicht nachmachen wollen . Schon deshalb nicht , weil es euch nicht glückt oder doch jedenfalls noch weniger als uns . Denn soviel ist doch gewiß und kann dir nicht entgangen sein , ich habe niemals einen entzückteren Menschen gesehen als den guten Nelson ; also wird Helene wohl nichts dagegen gehabt haben , daß wir ihren Protegé grade so placierten , wie geschehen . Und wenn das auch eine ewige Eifersucht ist zwischen ihr und Corinna , die sich , ihrer Meinung nach , zuviel herausnimmt und ... « » ... und unweiblich ist und unhamburgisch , was nach ihrer Meinung so ziemlich zusammenfällt ... « » ... so wird sie ' s ihr gestern « , fuhr Jenny , der Unterbrechung nicht achtend , fort , » wohl zum ersten Male verziehen haben , weil es ihr selber zugute kam oder ihrer Gastlichkeit , von der sie persönlich freilich so mangelhafte Proben gegeben hat . Nein , Treibel , nichts von Verstimmung über Mister Nelsons Platz . Helene schmollt mit uns beiden , weil wir alle Anspielungen nicht verstehen wollen und ihre Schwester Hildegard noch immer nicht eingeladen haben . Übrigens ist Hildegard ein lächerlicher Name für eine Hamburgerin . Hildegard heißt man in einem Schlosse mit Ahnenbildern oder wo eine Weiße Frau spukt . Helene schmollt mit uns , weil wir hinsichtlich Hildegards so sehr schwerhörig sind . « » Worin sie recht hat . « » Und ich finde , daß sie darin unrecht hat . Es ist eine Anmaßung , die an Insolenz grenzt . Was soll das heißen ? Sind wir in einem fort dazu da , dem Holzhof und seinen Angehörigen Honneurs zu machen ? Sind wir dazu da , Helenens und ihrer Eltern Pläne zu begünstigen ? Wenn unsre Frau Schwiegertochter durchaus die gastliche Schwester spielen will , so kann sie Hildegard ja jeden Tag von Hamburg her verschreiben und das verwöhnte Püppchen entscheiden lassen , ob die Alster bei der Uhlenhorst oder die Spree bei Treptow schöner ist . Aber was geht uns das alles an . Otto hat seinen Holzhof so gut wie du deinen Fabrikhof , und seine Villa finden viele Leute hübscher als die unsre , was auch zutrifft . Unsre ist beinah altmodisch und jedenfalls viel zu klein , so daß ich oft nicht aus noch ein weiß . Es bleibt dabei , mir fehlen wenigstens zwei Zimmer . Ich mag davon nicht viel Worte machen , aber wie kommen wir dazu , Hildegard einzuladen , als ob uns daran läge , die Beziehungen der beiden Häuser aufs eifrigste zu pflegen , und wie wenn wir nichts sehnlicher wünschten , als noch mehr Hamburger Blut in die Familie zu bringen ... « » Aber Jenny . .. « » Nichts von aber , Treibel . Von solchen Sachen versteht ihr nichts , weil ihr kein Auge dafür habt . Ich sage dir , auf solche Pläne läuft es hinaus , und deshalb sollen wir die Einladenden sein . Wenn Helene Hildegarden einlädt , so bedeutet das so wenig , daß es nicht einmal die Trinkgelder wert ist und die neuen Toiletten nun schon gewiß nicht . Was hat es für eine Bedeutung , wenn sich zwei Schwestern wiedersehen ? Gar keine , sie passen nicht mal zusammen und schrauben sich beständig ; aber wenn wir Hildegard einladen , so heißt das , die Treibels sind unendlich entzückt über ihre erste Hamburger Schwiegertochter und würden es für ein Glück und eine Ehre ansehen , wenn sich das Glück erneuern und verdoppeln und Fräulein Hildegard Munk Frau Leopold Treibel werden wollte . Ja , Freund , darauf läuft es hinaus . Es ist eine abgekartete Sache . Leopold soll Hildegard oder eigentlich Hildegard soll Leopold heiraten ; denn Leopold ist bloß passiv und hat zu gehorchen . Das ist das , was die Munks wollen , was Helene will und was unser armer Otto , der , Gott weiß es , nicht viel sagen darf , schließlich auch wird wollen müssen . Und weil wir zögern und mit der Einladung nicht recht heraus wollen , deshalb schmollt und grollt Helene mit uns und spielt die Zurückhaltende und