Abschied nehmen . Aber weil er so klug war und alles wußte , denn er kannte jedes reiche Haus und besonders die Frauen , so sagte Baron Scheele , der damals Minister war : er wolle den Lieutenant in den inneren Dienst herübernehmen . Und er nahm ihn auch wirklich in den inneren Dienst herüber , und in diesem Dienst ist er noch und auch schon sehr vornehm geworden . Damals aber war er noch ein halber Schlingel und bloß sehr hübsch , und als Brigitte den sah , es war gerade an dem Tage , als die Nachricht von dem Bombardement da oben hier ankam , den Namen hab ich leider vergessen , da gestand sie mir , der gefiele ihr . Und sie zeigte es auch gleich . Und als Hansen in demselben Herbste wieder nach China mußte , da sagte sie ihm gradheraus : sie wolle nicht mit , und sagte ihm auch , warum sie nicht wolle . Oder vielleicht haben es ihm auch andere gesagt . Kurz und gut , als der Tag kam , wo das Schiff fort sollte , da wurde Hansen doch ganz ernsthaft und verstand keinen Spaß mehr und sagte : Brigitte , du mußt nun mit . Und wenn er sie vorher aus Liebe mitgenommen hatte , so nahm er sie jetzt , gerade wie der Herr Graf gesagt haben , aus Vorsicht mit oder aus Eifersucht . « » Und half es ? Und wurde sie durch diese Reise von ihrer Liebe geheilt ? Ich meine von der Liebe zu dem im inneren Dienst ? « » Ja , das wurde sie , wiewohl man ' s bei Brigitte nie so ganz sicher wissen kann . Denn sie spricht wohl mancherlei , aber sie schweigt auch viel . Und ist auch insoweit ganz gleich , als wir die Hauptsache ja doch gehabt haben . « » Und was war die Hauptsache ? « » Daß mein Schwiegersohn seinen Glauben wiederhat , ganz und gar . Hansen ist nämlich ein sehr guter Mensch und ist wieder ruhig und vernünftig und fährt auch wieder auf seiner alten Chinatour . « » Ich freue mich aufrichtig , das zu hören . Aber wir dürfen in dieser Sache doch nichts auslassen oder vergessen . Ich glaube nämlich , liebe Frau Hansen , Sie wollten mir eigentlich erzählen , wie ' s kam , daß sich Ihr Schwiegersohn von seiner Eifersucht wieder erholte ... « » Ja , das wollt ich , und ich sage immer , der Mensch denkt und Gott lenkt , und wenn die Not am größten ist , dann ist die Hülfe am nächsten . Denn das darf ich wohl sagen , ich ängstigte mich ; eine Mutter ängstigt sich immer um ihr Kind und macht keinen Unterschied , ob verheiratet oder nicht : ja , ich ängstigte mich um Brigitten , weil ich dachte , das gibt eine Scheidung , denn sie hat einen sehr festen Willen , man könnte beinah schon sagen eigensinnig , und ist sehr erregbar , so still und so schläfrig sie auch mitunter aussieht ... « » Ja , ja « , lachte Holk , » das ist immer so , stille Wasser sind tief . « » Also ich ängstigte mich . Aber es kam alles ganz anders , und das war gerade damals , als Brigitte sozusagen zwangsweise mitgemußt hatte . Und das machte sich so . Hansen kriegte damals auf seiner Reise Rückfracht nach Bangkok , einer großen Stadt in Siam , in der ich selber vor vielen Jahren mit meinem Manne gewesen bin . Und als Hansen da ankam und ein oder zwei Tage schon vor dem kaiserlichen Palaste gelegen hatte , denn die Siamschen haben einen Kaiser , kam ein Minister an Bord und lud Hansen und seine Frau zu einer großen Hoftafel ein . Der Kaiser mußte sie wohl gesehen haben . Und Brigitte saß neben ihm und sprach englisch mit ihm , und der Kaiser sah sie immer an . Und als die Tafel aufgehoben war , war er wieder sehr huldvoll und gnädig und ließ kein Auge von ihr , und als man sich verabschieden wollte , sagte er zu Hansen : Es läge ihm sehr daran , daß die Frau Kapitänin am anderen Tage noch einmal in den Palast käme , damit seine Getreuen im Volke , und vor allem seine Frauen ( wovon er sehr viele hatte ) , die schöne German lady noch einmal von Angesicht zu Angesicht sehen könnten . Einen Augenblick erschrak Hansen über die fortgesetzte Ehre , die ja Verrat sein konnte , denn rund um den ganzen Palast herum waren Köpfe aufgesteckt , ganz so wie wir Ananas aufstecken ; aber Brigitte , die das Gespräch gehört hatte , verneigte sich vor dem Kaiser und sagte mit der richtigen Miene , denn sie hat so was Sicheres und Vornehmes , daß sie zu der festgesetzten Stunde kommen werde . « » Gewagt , sehr gewagt . « » Und sie kam auch wirklich und nahm einen erhöhten Platz ein , der vor dem Portal des Schlosses und gerade so , daß das Portal ihr Schatten gab , eigens für sie errichtet worden war , und auf diesem Throne saß sie mit einem Pfauenwedel , nachdem sie vorher der Kaiser mit einer Perlenkette geschmückt hatte . Die Kette soll wunderschön gewesen sein . Und nun zogen alle feinen Leute von Bangkok und dann das Volk an ihr vorüber und verneigten sich , und zum Schluß kamen die Frauen , und als die letzte vorüber war , erhob sich Brigitte und schritt auf den Kaiser zu , um den Pfauenwedel und die Perlenkette , womit sie sich bloß für die Zeremonie geschmückt glaubte , vor ihm niederzulegen . Und der Kaiser nahm auch beides wieder an , gab ihr aber die Kette zurück , zum Zeichen , daß sie dieselbe zum ewigen Gedächtnis tragen solle . Und gleich danach kehrte sie