und nur gedacht : freue dich , solange du dich freuen kannst . Und das war nicht recht . Daß es nicht ewig dauern würde , das wußt ich , aber ich rechnete doch auf manchen Tag . Und nun ist alles falsch gewesen , und unser Glück ist hin , viel , viel schneller als nötig , bloß weil du wolltest , daß es dauern solle . « Waldemar wollte widersprechen ; aber Stine litt es nicht und sagte , während ihre Stimme mit jedem Augenblick beschwörender und eindringlicher wurde : » Du willst nach Amerika , weil es hier nicht geht . Aber glaube mir , es geht auch drüben nicht . Eine Zeitlang könnt es gehn , vielleicht ein Jahr oder zwei , aber dann wär es auch drüben vorbei . Glaube nicht , daß ich den Unterschied nicht sähe . Sieh , es war mein Stolz , ein so gutes Herz wie das deine lieben zu dürfen , und daß es mich wiederliebte , das war meines Lebens höchstes Glück . Aber ich käme mir albern und kindisch vor , wenn ich die Gräfin Haldern spielen wollte . Ja , Waldemar , so ist es , und daß du so was gewollt hast , das macht nun ein rasches Ende . Vor Jahren , ich war noch ein Kind , hab ich mal ein Feenstück gesehn , in dem zwei Menschen glücklich waren ; aber ihr Glück , so hatte die Fee gesagt , würde für immer hin sein , wenn ein bestimmtes Wort gesprochen oder ein bestimmter Name genannt werde . Siehst du , so war es auch mit uns . Jetzt hast du das Wort gesprochen , und nun ist es vorbei , vorbei , weil die Menschen davon wissen . Vergiß mich ; du wirst es . Und wenn auch nicht , ich mag keine Kette für dich sein , an der du dein Leben lang herumschleppst . Du mußt frei sein ; gerade du . « » Ach , meine liebe Stine , wie du mich verkennst . Du sprichst von einer Kette und daß ich frei sein müsse . Freiheit . Nun ja , mein Leben war frei , was man so frei sein nennt , seit ich aus meiner Eltern Hause ging , und in manchen Stücken auch früher schon . Aber wie verlief es trotzdem ? Wie war es von Jugend an ? Wir haben soviel davon geplaudert , und ich habe dir von meinen Kindertagen erzählt und von dem langweiligen Hauslehrer , der den Frommen spielen mußte nach Anweisung und mich mit Sprüchen und Geboten und dem ewigen Was ist das quälte und mit dem Glaubensbekenntnis , das ich nie verstand und er auch nicht . Aber der arme , traurige Mensch , der - ich sollte vielleicht nicht spotten , gerade ich nicht - immer einen Katarrh und eine Liebschaft hatte , war lange nicht der schlimmste . Das schlimmste war , daß ich im Hause selbst , bei meinen eignen Eltern , ein Fremder war . Und warum ? Ich habe später darauf geachtet und es in mehr als einer Familie gesehn , wie hart Eltern gegen ihre Kinder sind , wenn diese ganz bestimmten Wünschen und Erwartungen nicht entsprechen wollen . « Stine , die dieselbe Wahrnehmung auch in ihrer bescheidenen Sphäre gemacht haben mochte , nickte zustimmend , und Waldemar , der sich dieser Zustimmung freute , fuhr deshalb fort : » Es wird wohl überall so sein , und jedenfalls war es so bei uns . Und dazu die Launen und Verstimmungen einer Frau , weil ihr ein Großfürst einmal ein Billet geschrieben , das beinah ein Liebesbillet war , und die sich nun einbildete , nicht viel was andres als eine Mißheirat geschlossen zu haben . Da hast du das Bild meiner Stiefmutter . Den Sommer über war sie verstimmt über das langweilige Landleben und über die Damen der Nachbarschaft , die gar keine Damen waren , wenigstens nicht in ihren Augen , und wenn sie dann winters zu Hofe ging , so war sie noch verstimmter , weil Schönere oder Vornehmere da waren und ihr den Rang abliefen . Und diese schlechte Laune mußt ich entgelten , diese Verstimmungen trafen mich , der ich ihr überhaupt von Anfang an mißfiel . Und als ich dann heranwuchs und wohl auch meinerseits zeigen mochte , daß mir nicht alles gefalle , da war ich vollends nicht auf Rosen gebettet . Und so ging ' s , bis ich mit neunzehn eintrat und mit zu Felde zog und die Kugel kriegte oder zwei , wovon ich dir erzählt habe . Da wurd es freilich einen Augenblick besser , und ich war ein Vierteljahr lang der Held und Mittelpunkt der Familie ; besonders als auch prinzliche Telegramme kamen , die sich nach mir erkundigten . Ja , Stine , das war meine große Zeit . Aber ich hätte sterben oder mich rasch wieder zu Gesundheit und guter Karriere herausmausern müssen , und weil ich weder das eine noch das andre tat und nur so hinlebte , manchem zur Last und keinem zur Lust , da war es mit meinem Ruhme bald vorbei . Der Vater hätt es vielleicht ändern können , wenn er ein festes Eintreten für mich gewagt und nicht seinen Haus-und Ehefrieden über mein Glück gestellt hätte . So konnt er sich nicht aufraffen , und so hab ich denn durch viele Jahre hin gelebt , ohne recht zu wissen , was Herz und Liebe sei . Nun weiß ich es . Und jetzt , wo ich es weiß und mein Glück festhalten will , soll ich es wieder aus der Hand lassen . Und alles bloß , weil du von Ansprüchen sprichst und vielleicht auch daran glaubst , die mir im Blute stecken sollen und die - weil im Blute - gar nicht aufzugeben seien . Ach , meine liebe Stine , was geb ich denn auf ? Nichts , gar nichts