aufgehalten von einem Zug zum andern . « Maria rückte den Schirm , der auf dem Tische stand , vor die Lampe . » Wer ? « fragte sie . » Den Namen weiß ich nicht . So ein hübscher großer ; das Gesicht wie von einem Italiener . Hat einen Backenbart , rabenschwarze , etwas gelockte Haare , die Nase gebogen , das Kinn ausrasiert . Vielleicht kennst du ihn . Ich hab ihn zwar nie bei uns gesehen . « Nachdem die Alte sich entfernt hatte , durchwandelte Maria noch lange das Zimmer und dachte dessen , den jede Minute , jede Sekunde weiter hinwegtrug von ihr und der wohl auch wachte und litt wie sie und ihr grollte und zürnte ... Er war da gewesen , er hatte die Erinnerung an die Stätte , an der sie lebte , mitnehmen wollen in seine freiwillige Verbannung . - Einen Tag nur - nur einen , und sie hätten einander noch gesehen und den Abschied nehmen können , den sie sich in immer holderen , reineren Farben ausmalte . Der Morgen kam . - Das Kindlein wankte ebenso tollkühn wie unsicher an der Hand der Wärterin in das Schlafgemach herein , dem Bette seiner Mutter zu und jauchzte ihr entgegen ... Maria erhob sich nach wenigen Stunden eines unerquicklichen , durch wüste Träume gestörten Schlafes . Sie wollte ihr Tagewerk beginnen , aber sie hatte Blei in den Gliedern , einen eisernen Reifen um den Kopf . Alles wurde ihr schwer , alles versagte , sogar die getreue Kunst . Sie schloß das Klavier , nachdem sie einige Akkorde angeschlagen hatte , eilte hinab ins Freie , umschritt das Haus und wanderte durch einen Fliedergang dem Pavillon zu . Forster wartete ihrer dort ; sie wollte ihn treffen und durch den letzten , der den Scheidenden noch in der Heimat gesprochen , eine Kunde von ihm haben . Sie war angelangt und überschritt die Stufen , die zum Pförtchen des kleinen Baues hinaufführten , einer zierlichen und luxuriösen Spielerei aus dem 18. Jahrhundert . Er enthielt zwei durch Rundbogen getrennte Zimmer . Die Wände und die Möbel waren mit gelbem chinesischem Seidenstoff überzogen , die Fenster mit demselben kostbaren Gewebe verhangen . Als Maria aus dem grellen Tageslicht in die goldige Dämmerung trat , schwamm es ihr vor den Augen , und sie vermochte nicht , einen scharfen Umriß zu unterscheiden . Aus dem Nebenzimmer nahte jemand langsam und zögernd , wie ihr schien . » Forster « , rief sie . Keine Antwort . Nach einer Weile erst ihr leise geflüsterter Name . Maria erkannte die Stimme sogleich und schrie auf : » Sie ! « Tessin stürzte ihr entgegen mit inbrünstig gefalteten Händen ... sie streckte die ihren abwehrend aus : » Fort ! ... wie können Sie es wagen ? ... das ist Verrat . Gehen Sie ! « Er schüttelte den Kopf : » So nicht . Ich hab ' s versucht - es ist unmöglich . « Entschlossenheit in jeder Bewegung , die Brauen drohend zusammengezogen , trat er näher . Sie wich schweigend zurück und schritt dem Ausgang zu . Da warf er sich zwischen sie und die Tür , und als Maria ans nächste Fenster rannte und es zu öffnen versuchte mit bebenden Fingern , die den Gehorsam versagten , glitt ein finsteres Lächeln über seine Züge . » Sie wollen Leute herbeirufen , tun Sie es doch . Der Gewalt muß ich weichen . - Aber nicht lebendig ... das sage ich Ihnen - und Sie « , er hob beteuernd die Rechte , » Sie glauben mir das . « » Wahnsinn « , stammelte Maria , von Furcht und Schrecken durchbebt . » Nein , Verzweiflung ! ... Was hab ich Ihnen getan ? warum verachten Sie mich ? - Ich habe Sie unaussprechlich geliebt . « » Und was haben Sie mir getan ? Sie haben mich verschmäht , mißhandelt , wie ich nicht dulde , daß man mich mißhandle . Sie haben die reinste Empfindung meines Lebens verkannt , mir gemeine Beweggründe zugeschrieben , mich verletzt , kalt und berechnend , an der empfindlichsten Stelle meines Herzens -geben Sie mir Genugtuung ! « Er sah sie an , verstört , in rasender Erregung ... Aber plötzlich , wie durch Zaubergewalt beschwichtigt , sank er auf das Knie . Was war denn geschehen ? Eine von Angst gefolterte Frau , die mit ihren Tränen kämpfte , stand vor ihm . Ihr Stolz war gebrochen ; mit ersterbender Stimme sprach sie : » Sie müssen fort . « » Ja , ja ? « er faßte ihre widerstrebende Hand . » Unter einer Bedingung ... Geben Sie mir das Zeichen des Erbarmens , um das ich schon gefleht habe . Ich will als Gnade empfangen , was mein Recht wäre , was Sie mir schuldig sind für alles ... auch für den Mord des besseren Menschen , der in mir schlummerte , der erwachen wollte unter Ihrem Einfluß und den Sie getötet haben , als Sie mich aufgaben . « Immer heißer bestürmte er sie , immer überzeugender strömte die Rede von seinen Lippen , ein berauschender Hauch der Leidenschaft ging von ihm aus : » Was verlange ich denn ? Ein Wort des Trostes mit auf den Weg , einen gütigen Blick , einen Händedruck ... « Das durfte sie gewähren , das war es ja , wonach sie sich gesehnt hatte all die Tage lang - vor dem Scheiden auf ewig ein Lebewohl in Frieden und Versöhnung . Seine Augen flammten zu ihr empor , sie neigte sich , ihr Blick ruhte in dem seinen , und sie flüsterte : » Weil es unsere letzte Begegnung ist , Tessin , so wissen Sie ... ich habe nicht leicht verzichtet . Sie sind mir nicht gleichgültig gewesen ... « Da brach er in jubelndes Entzücken aus : » Endlich ! Endlich ! « - Weich und zärtlich ,