Mondes durchs Fenster herein . Er grüßte ihn und sagte zu ihm : » Auch du fängst an , wir fangen beide an . « Dabei überkam ihn trotz all des Neuen , das ihn umgab , trotz all des Neuen , das in ihm gärte und keimte , zum erstenmal nach langer , langer Zeit ein Heimatsgefühl . Plötzlich stieg die Erinnerung an die Nächte vor ihm auf , die er einst mit seinen Eltern unter den Dächern der Ziegelschuppen zugebracht , in der Fremde und doch zu Hause , weil ja das ganze häusliche Elend mitgezogen war . Und nun gab es für ihn wieder ein Zuhause und ein besseres als das frühere ; er brauchte den Vater nicht mehr zu fürchten , und die Mutter war fern ... Die Mutter freilich wird wiederkommen und dann ... Es durchrieselte ihn , er hüllte sich dichter in den Mantel und sprach ein kurzes , kräftiges Gebet , dessen Hauptinhalt lautete : » - Lieber Herrgott , du siehst , daß ich den rechten Weg eingeschlagen habe ; jetzt , lieber Herrgott , paß auf , daß ich ihn nicht wieder verlassen muß . « 9 Als der Lehrer am folgenden Tage zum Bürgermeister kam , lag dieser von Schmerz gequält auf dem Bette . Er hatte in seinem jämmerlichen Zustand nicht das geringste Interesse für Wohl oder Weh der Mitmenschen . Sooft Habrecht auch begann , von Pavel zu sprechen , der Kranke kam immer auf sich , auf seine Leiden , auf seine Klagen über den Arzt zurück , der alle Fingerlang daherlaufe , ihm das Geld aus der Tasche stehle und nicht helfe . Um wieviel besser dran als er war seine Magd ! Ja , die ! Vor ein paar Wochen so krank und so matt , daß sie sich kaum hatte auf den Beinen halten können , jetzt frisch und gesund . Und warum ? Weil sie von allem Anfang an vom Arzt nichts hatte wissen wollen , weil sie , ohne erst lange zu fragen , zum Weib des Hirten geschickt um ein Mittel . Das hatte geholfen , gleich nach einer Stunde war sie hergestellt . Der Lehrer sagte : » Hm , hm ! « und brachte von neuem die Angelegenheit Pavels vor , worauf ihm der Patient nochmals die Geschichte der wunderbaren Heilung seiner Magd erzählte . » Und was beschließt Ihr über den Pavel ? « fragte der Schulmeister und erhielt endlich den Bescheid , er solle sich an die Räte wenden . So machte er denn die Runde bei den Räten . Einer nach dem andern hörte ihn ernsthaft und geduldig an , und jeder sagte : » Da müssen Sie zuerst zum Bürgermeister . « » Der Bürgermeister schickt mich zu Euch . « » Ja , dann müssen Sie zu den zwei andern Räten . « Selbständig einen Entschluß zu fassen oder nur eine Meinung auszusprechen , dahin war durch ruhiges Zureden keiner zu bringen ; und in Eifer zu geraten hütete sich Habrecht , um nicht bei den mißtrauischen Dorfvätern in den Verdacht irgendeiner eigennützigen Absicht bei der Sache zu kommen . Zuletzt ging er ins Schloß , um dort für seinen Schützling zu wirken , kam jedoch übel an . Der Brief aus dem Kloster hatte seine Wirkung nicht verfehlt . Die Frau Baronin machte sich bittere Vorwürfe , die Zusammenkunft der Geschwister befürwortet zu haben , war sehr aufgebracht gegen Pavel , wollte nicht mehr von ihm sprechen hören und riet dem Schulmeister , den Schlingel ein für allemal seinem Schicksal zu überlassen . Die Woche verfloß ; Virgil begab sich täglich nach der Schule , um den Pavel abzuholen , aber der Junge ließ sich entweder nicht finden oder leistete offenen Widerstand . Da wanderten endlich der Hirt und sein Weib zum Bürgermeister und ersuchten ihn , seine Autorität geltend zu machen und den Buben zur Rückkehr zu ihnen zu zwingen . Der kranke Mann versprach alles , was sie verlangten , blickte zwischen jedem mühsam herausgestoßenen Satz die Wunderdoktorin fragend , fast flehend an und ächzte , nach seiner schmerzenden rechten Seite deutend : » Da sitzt ' s ! Da sitzt der Teufel ! « » Mein Gott , mein Gott ! « sprach das Weib . » Rechts , ja rechts , da tut ' s weh , das ist die Leber . « » Die Leber ? Nun ja - sie sagt also wenigstens etwas , sie ! ... sie sagt , die Leber ist ' s ? Aber der Doktor , der sagt nicht Leber und gar nichts . « » Sagt nichts und weiß nichts « , sprach das Weib mit überlegener , wegwerfender Miene . » Weiß nicht einmal eine Linderung , weiß gar nichts . « Die Virgilova erhob die gefalteten Hände zur Höbe ihrer Lippen und hauchte über die Fingerspitzen : » Ach Gott , ach Gott ! und wenn man denkt , wie leicht dem Herrn Bürgermeister zu helfen wäre . « Der Kranke bäumte sich auf seinem Lager : » Meinst du ? ... So hilf mir ! « » Wenn ich nur dürft « , entgegnete sie mit einem raschen , lauernden Blick . » Wenn ich nur etwas schicken dürft ! ... In vierzehn Tagen wären Sie gesund . « » So schick mir etwas , schick ! ... Aber - das Maul gehalten ... verstehst du ? ... « Er unterbrach sich , um ängstlich auf Schritte und Stimmen , die sich näherten , zu horchen , und fuhr dann leise fort : » Wenn ' s dunkel wird , kommt die Magd und holt ' s. « » Ich schick den Buben , das wird besser sein , da setzen Sie dem auch gleich den Kopf zurecht und sagen ihm : Wo du hing ' hörst , da gehst wieder hin . Die Magd soll nur aufpassen bei der Stalltür . « Der Bürgermeister winkte heftig : »