Fangball mit ihrem Clovek . Als ich eintrat , näherte sie sich mir , betrachtete mich von unten hinauf , das Gesichtchen gesenkt , die Augen erhoben . Sie haben geweint , Fräulein ? fragte sie , und wie innerlich abgestoßen , zog sie sich vor mir zurück und begann von einer Ecke in die andre zu hüpfen . Auf einmal blieb sie in der Nähe des geöffneten Fensters stehen und rief ganz erschreckt : Hören Sie , Fräulein , hören Sie ! - Es wohnt jemand neben uns . Was liegt daran , Anka ? Ich höre jemand auf und ab gehen . So mag er doch . Wenn er aber hereinkäme ? Wie denn ? - Durch die Wand ? Da herein ! Da ist eine Tür ... Sehen Sie den Schlüssel ? Sie hatte recht . Am Ende des Zimmers , in der dunkeln Ecke , welche die Wand gegen das Fenster bildete , befand sich eine Tapetentür . Anka glitt auf den Fußspitzen an sie heran , legte das Ohr an den Spalt und schrie laut auf : Es ist Papa ! Der neben uns wohnt , ist Papa ! und bevor ich ' s verhindern konnte , hatte sie die Tür geöffnet und war in das Nebenzimmer eingedrungen . Ich hörte den Ausruf der Überraschung , mit dem der Graf sie empfing . Sie wechselten einige Reden , die Kleine erschien wieder , ich schloß hinter ihr die Tür und legte den Schlüssel auf den Tisch . Anka ließ sich auskleiden . Sie half dabei , so gut sie konnte , wich meiner Berührung soviel als möglich aus , vermied , mich anzusehen , und kniete endlich unaufgefordert in ihrem Bett zum Abendgebet nieder . Dann legte sie sich hin , drückte den Kopf in das Kissen und sagte vergnügt : Wenn ich morgen erwache , sind Sie nicht mehr da . Wird Sie das sehr freuen , Anka ? Sie lachte ein wenig verlegen . Warum fragen Sie ? - Sie wissen schon , Sie wissen recht gut . Jawohl , ich wußte ! ... Was ich von ihr zu erwarten hatte , wußte ich . Eine Weile verging , das Kind schlief . Ich saß an seinem Bett und sann - und sann - und in mir nagte der Schmerz ! ... Was ich empfand , war einzig darum nicht Verzweiflung , weil ich noch nicht wußte , wieviel man überlebt , und mich wie jedes junge Geschöpf , das unter einem schweren Schicksalsschlag zusammenbricht , tödlich getroffen wähnte . Ich sah mich als eine Sterbende an , und als solche gab ich mir Rechenschaft von den verhülltesten Vorgängen in meiner Seele . Im Begriff zu scheiden , brauchte ich vor der vollen Erkenntnis meiner Liebe nicht mehr zu zagen , durfte sie gelten lassen in ihrer Unermeßlichkeit . Hatte sie nicht , bewußt und unbewußt , all mein Denken und Empfinden gelenkt ? Nicht mit eifersüchtiger Qual jede Äußerung der Zärtlichkeit des Vaters gegen sein Kind bewacht ? Hatte sie ihn nicht beherrschen wollen , wie sie mich beherrschte ? Im stolzen Gefühl ihrer Echtheit und Größe sich an die Stelle von allem setzen wollen , was ihm bisher teuer gewesen ? ... Und war das nicht ihr heiliges Recht ? War sie nicht ohne Falsch und bot ihm echte Treue und wirklichen Wert für eingebildeten ? Aber sie gab nicht nur , sie forderte auch . Forderte gebieterisch , was der geliebte Mann nicht mehr geben durfte : ein ganzes Herz . Prüfen Sie sich ! hatte er zu mir gesagt . Es war geschehen und der letzte Zweifel getilgt , die letzte Hoffnung erloschen . Ich wollte nichts mehr als hingehen und sterben und ihn dem Kinde lassen - ich dachte nicht mehr : er wird enttäuscht werden . An Göttern kann man zweifeln , aber an Götzen nicht . Die schafft man und schmückt man täglich neu , die liebt man wie der Künstler sein Werk ; sie bleiben gut und schön , solange das Auge offen ist , das in ihnen das Gute und Schöne sieht . Anka bewegte sich , murmelte einige Worte ; ich blickte in ihr kleines , unerbittliches Gesicht ... herausfordernd schien der halbgeöffnete Mund noch im Schlafe zu sagen : Was fragen Sie ? Sie wissen schon . Eine Regung des Hasses zuckte in mir auf . Ich erhob , ich wandte mich und trat an das geöffnete Fenster . Es war eine gewitterschwüle Julinacht . Über dem Städtchen lag Dunkel und Stille , eine bleierne Schwere in der Luft . Kein Licht schimmerte auf Erden und kein Stern am Himmel . Ich beugte mich hinaus , nach Erquickung lechzend ... Da pochte es ... leise pochte es an der Tür , und eine bange , gedämpfte , sehnsüchtige Stimme flüsterte : Helene ... Helene ... Hören Sie mich ! Und es lag ein Ton in dieser Stimme , der an jenen mahnte , vor dem ich einmal schon zurückgebebt ... Ich hielt den Atem an , umklammerte das Fensterkreuz mit aller Gewalt meiner Arme ... Da stehst du und regst dich nicht ! Schweige , Herz - schweig oder brich ... Herrgott im Himmel , beschütze mich , beschütze mich vor mir selbst . So betete ich , und dennoch - unwillkürlich , unwiderstehlich streckte meine Hand sich aus , und ich hielt den Schlüssel in meiner Hand - eine Bewegung nur noch , und alles war vorbei , und das Flehen dessen war erhört , der immer heißer beschwor : Helene - öffnen Sie ! Nein , nein ! - Um seinetwillen nicht . Was du für dich nicht könntest , tu ' s für ihn , erspare ihm Zwiespalt und Reue , rief es in mir , und ich schleuderte den Versucher , den Schlüssel , hinaus in die Nacht . Er flog , er klirrte und schlug im Auffallen einen kleinen Funken aus dem Stein . Nun war '