so mußt du warten hier unten , ich weiß jetzt den Weg nicht mehr zurück , du mußt mir ihn dann zeigen . « » Was gibst du mir dann ? « » Was muß ich dir dann wieder geben ? « » Wieder zwanzig Pfennige . « Jetzt wurde das alte Schloß inwendig umgedreht und die knarrende Tür geöffnet ; ein alter Mann trat heraus und schaute erst verwundert , dann ziemlich erzürnt auf die Kinder und fuhr sie an : » Was untersteht ihr euch , mich da herunterzuklingeln ? Könnt ihr nicht lesen , was über der Klingel steht : Für solche , die den Turm besteigen wollen ? « Der Junge wies mit dem Zeigefinger auf Heidi und sagte kein Wort . Heidi antwortete : » Eben auf den Turm wollt ' ich . « » Was hast du droben zu tun ? « fragte der Türmer ; » hat dich jemand geschickt ? « » Nein « , entgegnete Heidi , » ich möchte nur hinaufgehen , daß ich hinuntersehen kann . « » Macht , daß ihr heimkommt , und probiert den Spaß nicht wieder , oder ihr kommt nicht gut weg zum zweitenmal ! « Damit kehrte sich der Türmer um und wollte die Tür zumachen . Aber Heidi hielt ihn ein wenig am Rockschoß und sagte bittend : » Nur ein einziges Mal ! « Er sah sich um , und Heidis Augen schauten so flehentlich zu ihm auf , daß es ihn ganz umstimmte ; er nahm das Kind bei der Hand und sagte freundlich : » Wenn dir so viel daran gelegen ist , so komm mit mir ! « Der Junge setzte sich auf die steinernen Stufen vor der Tür nieder und zeigte , daß er nicht mit wollte . Heidi stieg an der Hand des Türmers viele , viele Treppen hinauf ; dann wurden diese immer schmäler , und endlich ging es noch ein ganz enges Treppchen hinauf , und nun waren sie oben . Der Türmer hob Heidi vom Boden auf und hielt es an das offene Fenster . » Da , jetzt guck hinunter « , sagte er . Heidi sah auf ein Meer von Dächern , Türmen und Schornsteinen nieder ; es zog bald seinen Kopf zurück und sagte niedergeschlagen : » Es ist gar nicht , wie ich gemeint habe . « » Siehst du wohl ? Was versteht so ein Kleines von Aussicht ! So , komm nun wieder herunter und läute nie mehr an einem Turm ! « Der Türmer stellte Heidi wieder auf den Boden und stieg ihm voran die schmalen Stufen hinab . Wo diese breiter wurden , kam links die Tür , die in des Türmers Stübchen führte , und nebenan ging der Boden bis unter das schräge Dach hin . Dort hinten stand ein großer Korb und davor saß eine dicke graue Katze und knurrte , denn in dem Korb wohnte ihre Familie und sie wollte jeden Vorübergehenden davor warnen , sich in ihre Familienangelegenheiten zu mischen . Heidi stand still und schaute verwundert hinüber , eine so mächtige Katze hatte es noch nie gesehen ; in dem alten Turm wohnten aber ganze Herden von Mäusen , so holte sich die Katze ohne Mühe jeden Tag ein halbes Dutzend Mäusebraten . Der Türmer sah Heidis Bewunderung und sagte : » Komm , sie tut dir nichts , wenn ich dabei bin ; du kannst die Jungen ansehen . « Heidi trat an den Korb heran und brach in ein großes Entzücken aus . » O , die netten Tierlein ! die schönen Kätzchen ! « rief es ein Mal ums andere und sprang hin und her um den Korb herum , um auch recht alle komischen Gebärden und Sprünge zu sehen , welche die sieben oder acht jungen Kätzchen vollführten , die in dem Korb rastlos übereinanderhin krabbelten , sprangen , fielen . » Willst du eins haben ? « fragte der Türmer , der Heidis Freudensprüngen vergnügt zuschaute . » Selbst für mich ? für immer ? « fragte Heidi gespannt und konnte das große Glück fast nicht glauben . » Ja , gewiß , du kannst auch noch mehr haben , du kannst sie alle zusammen haben , wenn du Platz hast « , sagte der Mann , dem es gerade recht war , seine kleinen Katzen los zu werden , ohne daß er ihnen ein Leid antun mußte . Heidi war im höchsten Glück . In dem großen Hause hatten ja die Kätzchen so viel Platz , und wie mußte Klara erstaunt und erfreut sein , wenn die niedlichen Tierchen ankamen ! » Aber wie kann ich sie mitnehmen ? « fragte nun Heidi und wollte schnell einige fangen mit seinen Händen , aber die dicke Katze sprang ihm auf den Arm und fauchte es so grimmig an , daß es sehr erschrocken zurückfuhr . » Ich will sie dir bringen , sag nur , wohin « , sagte der Türmer , der die alte Katze nun streichelte , um sie wieder gut zu machen , denn sie war seine Freundin und hatte schon viele Jahre mit ihm auf dem Turm gelebt . » Zum Herrn Sesemann in dem großen Haus , wo an der Haustür ein goldener Hundskopf ist mit einem dicken Ring im Maul « , erklärte Heidi . Es hätte nicht einmal so viel gebraucht für den Türmer , der schon seit langen Jahren auf dem Turm saß und jedes Haus weithin kannte , und dazu war der Sebastian noch ein alter Bekannter von ihm . » Ich weiß schon « , bemerkte er ; » aber wem muß ich die Dinger bringen , wem muß ich nachfragen , du gehörst doch nicht Herrn Sesemann ? « » Nein , aber die Klara , sie hat eine so große Freude , wenn die Kätzchen kommen ! « Der Türmer wollte nun weitergehen , aber Heidi konnte sich von dem unterhaltenden Schauspiel fast